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Montag, 02.10.2017

Die richtige Musik zur richtigen Zeit

Wer wollte, konnte sich statt Remmidemmi zum Meißner Weinfest den leiseren Tönen hingeben.

Von Peter Braukmann

Hatten mit ihrem Auftritt auf der Theaterbühne ihren großen Tag: die Mädchen der Meißner Tanzschule Jiri Novak. In einem farbenfrohen Reigen präsentierten die jungen Mädchen ihre bisherigen Lernerfolge.
Hatten mit ihrem Auftritt auf der Theaterbühne ihren großen Tag: die Mädchen der Meißner Tanzschule Jiri Novak. In einem farbenfrohen Reigen präsentierten die jungen Mädchen ihre bisherigen Lernerfolge.

© Claudia Hübschmann

Meißen. Sonntagnachmittag, es regnet. Auf den Biertischen vor der Bühne des Theaters haben sich Wasserlachen gebildet, die Sitzbänke sind nass. Mitarbeiter des Theaters sind bemüht, alles annähernd trocken zu halten. Auf den Tischen befinden sich Decken aus Plastik, die extra für das Weinfest gestaltet worden sind. Eine schöne Idee. Das Programmteam des Theaters hat für die drei Tage des Weinfestes ein schönes Programm zusammengestellt, das sich inhaltlich und formal, was die eher ruhigen Töne angeht, deutlich von dem Remmidemmi abhebt, das dem Weinfestbesucher sonst an allen Orten durch die Ohren geblasen wird.

Um 14 Uhr macht die Jazzformation „Simmer zwei“ den Beginn. Dabei handelt es sich um Gert Müller (Piano) und Lutz Käuber (Gesang und Percussion), beide sind Mitbegründer der legendären Dresdner Jazzband „Blue Wonder“. Sie haben zur musikalischen Verstärkung einen Saxofonisten mit im Boot, dessen Name nirgendwo genannt wird. Er hat, wie der Rest der Musiker, Klasse gespielt. Das Repertoire bestand aus Jazzklassikern von Dave Brubeck bis hin zu Stevie Wonder. Das war exakt die richtige Musik zum richtigen Zeitpunkt, hätte nur der Wettergott ein Einsehen gehabt. So swingten einmal vier Personen mit, direkt vor der Bühne stehend und die hatten sicher ebenso viel Freude an der Darbietung wie der Kritiker. Dem Auftritt der „Simmer zwei“-Band folgte ein Programm der Meißner Tanzschule Jiri Novak, das den Titel „Auf dem Weg zum Tanz“ hatte. In einem wirklich farbenfrohen Reigen schaute man auf die herrlichen Kostüme, präsentierten die jungen Mädchen ihre bisherigen Lernerfolge, von ganz kleinen, feinen Schritten bis hin zu gekonnten Choreografien. Jiri Novak moderierte gekonnt und charmant und Petrus hatte auch ein Einsehen, der Regen hörte auf. So war der Theaterplatz richtig gut gefüllt und die Zuschauer hatten ihre große Freude an den rührenden Darbietungen der jungen Tänzerinnen. Zum Abschluss des Nachmittagsprogramms der Theaterbühne spielte die Rockband „Crazy Birds“ aus Dresden, ein Best of ihrer eigenen Songs sowie Hits von Electra und Zwei Wege. Das war ein wirklich rundes, stimmiges Programm.

Gibt es vielleicht auch einen Ansatz zur negativen Kritik? Aber sicher doch. Der Theaterplatz, sooft Gegenstand von Diskussionen, was seine Gestaltung anbelangt, war wieder einmal Abbild der instinktlosen Planung. Da umrandeten die Bühne Bierbuden, Cocktailbars, Omas Backstube, eine Langosbude, eine Knoblauchbrotbude, ein Kinderkarussell und eine Schießbude.

Bald hätte ich es vergessen: Der Städtepartner Verein aus Meißen hatte abseits wenigstens eine Bude mit Wein der Winzergenossenschaft. Es wäre an der Zeit, dass mal jemand im Stil eines Gernot Hassknecht (Heute-Show, ZDF) in die Stadt brüllt: „Gibt es denn in dem verschis…Meißen keine Seele, die so viel Gehirnmasse übrig hat, die ausreicht, ein schlüssiges Konzept für diesen schönen Platz im Herzen der Stadt zu entwerfen?“ Schön wäre es. Denn das hätten die mutigen Programmmacher des Theaters als auch die Besucher des Meißner Weinfestes voll und ganz und ehrlich verdient.