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Samstag, 26.03.2016

Die Queen auf dem Pony

Königin Elizabeth II. wird bald 90 Jahre alt, und die Briten fragen sich, worin eigentlich das Geheimnis ihrer Gesundheit liegt.

Von Jochen Wittmann, SZ-Korrespondent in London

Diese Aufnahme aus dem Jahr 1930 zeigt die spätere Königin von Großbritannien bereits als Kind auf einem Shetland-Pony. Schon damals fiel Elizabeth durch eine gute Haltung auf.
Diese Aufnahme aus dem Jahr 1930 zeigt die spätere Königin von Großbritannien bereits als Kind auf einem Shetland-Pony. Schon damals fiel Elizabeth durch eine gute Haltung auf.

© dpa

Die Frau ist ein Phänomen. Wenn andere in ihrem Alter es ruhiger angehen lassen, ist sie nicht zu stoppen. Selbst mit fast neunzig Jahren liebt es die Queen immer noch, sich auf einen Pferderücken zu schwingen und auszureiten. Erstaunliche Bilder, die Elizabeth II. auf ihrem Pony in den Außenanlagen von Windsor Castle zeigen, sind jetzt in einer neuen Dokumentation zu sehen: „The Queen At Ninety“, die Königin mit 90 Jahren, wird vom britischen Fernsehsender ITV am Ostersonntag ausgestrahlt. Ihren Geburtstag wird sie zwar erst am 21. April begehen, aber die Briten feiern schon mal vor.

Die Sendung stellt einen Rekord auf: In keiner anderen Royal-Doku haben sich derart viele Mitglieder der Königlichen Familie vor der Kamera geäußert. Sie haben einiges zu erzählen. Zum Beispiel, was es bedeutet, ein Royal zu sein, oder genauer gesagt: wie man es lernt. Denn für den Job gibt es kein Ausbildungsprogramm. Da bleibt der Queen nichts anderes übrig, als selbst den Nachwuchs zu trainieren, immerhin hat sie als längstregierender Monarch der britischen Geschichte auch die meiste Erfahrung. Schon im letzten September hatte Elizabeth den Amtsrekord ihrer Vorgängerin Queen Victoria übertroffen, die 63 Jahre und 216 Tage auf dem Thron saß.

Prinz Charles erinnert sich, wie er als Junge seine Mutter zu einem Termin begleitete und erschrocken die lange Reihe der zu begrüßenden Gäste sah: „Dieser Horror, da mitzulaufen und zu denken, wie soll ich jemals wissen, was ich den Leuten sagen soll?“ Aber die Queen machte es ihm einfach vor. „Es ist schon komisch“, so Charles, „doch wenn man mitläuft, lernt man es. Man eignet es sich an.“ Die Kunst des Small Talks hat er jedenfalls gemeistert. Auch Prinz Williams Ehefrau Kate, die Herzogin von Cambridge, erinnert sich, wie ihr die Queen unter die Arme griff und das Handwerk des Repräsentierens beibrachte. Nur das Bad in der Menge muss sie noch üben. „Jeder in der Familie zieht mich auf, dass ich zu viel Zeit beim Plaudern verbringe. Da gibt es noch etwas zu lernen.“

Was schenkt man einer Frau, die schon alles hat? Und die wahrscheinlich mehr Geschenke empfangen hat als jeder andere Mensch auf dem Planeten? Als Kate, damals noch als Freundin von Prinz William, zum ersten Mal zur Weihnachtsfeier mit der Queen auf ihren Landsitz Sandringham eingeladen wurde, zerbrach sie sich den Kopf, was sie der Königin zu Weihnachten präsentieren könnte. Schließlich entschied sie sich, ihr ein Chutney nach dem Rezept ihrer eigenen Großmutter zu kochen. „Ich war etwas besorgt, aber am nächsten Morgen sah ich, dass es auf dem Tisch stand. Solch eine kleine Geste hat mir sehr viel bedeutet.“

Wie schafft es die Queen, wundert sich die Dokumentation, in ihrem vorgerückten Alter noch so rüstig zu sein? „Ich frage sie seit Jahren, was ihr Geheimnis ist“, schmunzelt Enkel Prinz Harry, „aber sie will es mir nicht sagen.“ Eine riesige Stütze ist sicherlich ihr Ehemann Prinz Philip. „Opa ist einfach unglaublich“, meint Prinzessin Eugenie, „er ist so stark und beständig. Er war all die Jahre da. Er ist der Felsen für alle von uns.“ Philip, der in diesem Jahr 95 Jahre alt wird, dürfte der Queen tatsächlich noch etwas vormachen in Sachen Disziplin, Anspruchslosigkeit und schierem Durchhaltevermögen.

„Ich muss gesehen werden, um geglaubt zu werden“, hat die Queen mehr als einmal ihren Mitarbeitern eingeschärft. Der Satz könnte als inoffizielles Motto ihrer Regentschaft dienen. Ganz vordergründig bezieht er sich auf die Repräsentationspflichten der Monarchin, auf ihre Erscheinung in der Öffentlichkeit, auf Kleiderwahl und Protokoll. Aber Elizabeth hat diesen Satz auch ihren Beratern entgegengeschleudert, als die ihr nahelegen wollten, etwas kürzerzutreten.

Die Queen weiß: Ihr Job ist es, das Volk zu treffen. Auch als fast 90-Jährige absolviert sie immer noch rund 400 Termine im Jahr. Während ihrer langen Herrschaft, so hat ihr Biograf Robert Hardman ausgerechnet, hat sie mehr als vier Millionen Menschen getroffen, und zwar persönlich, mit einem Händedruck, einem Lächeln und einem kurzen Wort. Es ist diese Kärrnerarbeit im Kontakt mit den Untertanen, die wohl das Fundament ihrer Beliebtheit ausmacht, und damit auch die Monarchie selbst rechtfertigt, weil sie sich unablässig mit der Basis, den Bürgern gemein macht.

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