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Dienstag, 29.11.2016

Die Orgel hat wieder Töne

Das Langenwolmsdorfer Instrument ist einzigartig. So auch seine Sanierung.

Von Anja Weber

Kantor Lucas Pohle wurde bei seinem Konzert an der restaurierten Orgel in der Langenwolmsdorfer Kirche von Liane Haase an der Posaune begleitet.
Kantor Lucas Pohle wurde bei seinem Konzert an der restaurierten Orgel in der Langenwolmsdorfer Kirche von Liane Haase an der Posaune begleitet.

© Dirk Zschiedrich

Langenwolmsdorf. Kantor Lucas Pohle kennt die Herbrig-Orgel in der Langenwolmsdorfer Kirche aus dem Effeff. Der Preisträger internationaler Orgelwettbewerbe spielte sie, als ihre Töne schwächer und schiefer wurden und manchmal ganz wegblieben. Und er hat sie auch jetzt wieder gespielt, nach der Sanierung und das sicherlich besonders gern. So beim Konzert am Sonnabend in der Langenwolmsdorfer Kirche. Es war das erste Orgel-Konzert nach der Rekonstruktion des Instruments und einer der vorweihnachtlichen Höhepunkte im Ort.

Als vor etwa zwei Jahren die Idee reifte, das Instrument zu rekonstruieren, hatte die Orgelgruppe bereits versprochen, dass zum ersten öffentlichen Konzert danach Kantor Lucas Pohle an der Orgel sitzen wird. Die Einladung hatte er gern angenommen. Als Kantor der Kirche in Crostau ist er Orgelliebhabern in ganz Sachsen und darüber hinaus bekannt. Er selbst weiß, was es bedeutet, eine Orgel restaurieren zu lassen. Denn in der Crostauer Kirche soll die Silbermannorgel saniert werden und deshalb hatte er viele Kirchen in Sachsen besucht, die eine Silbermannorgel haben, und gab dort Konzerte. Für den jungen Kantor war es deshalb auch eine Selbstverständlichkeit, immer wieder in die Langenwolmsdorfer Kirche zu kommen und in Benefizkonzerten für die Sanierung der Herbrig-Orgel zu spielen. Denn die Orgel in der Langenwolmsdorfer Kirche ist eine Besonderheit. Es ist die größte noch erhaltene Herbrig-Orgel in der Region. Und deshalb entschlossen sich einige Einwohner, sich für die Restaurierung einzusetzen.

Versprechen gehalten

Die Gruppe entwickelte verschiedene Ideen, wie sie zu Geld kommen könnte. Sie ließ zum Beispiel Flyer drucken und verteilte diese an ortsansässige Unternehmen und Haushalte. Sie organisierte Benefizkonzerte und warb immer wieder um Spenden. Aber nicht nur das. Die Orgel-Restaurierung wurde von den Mitgliedern auch geplant und vorbereitet. Und das führte sie mitunter auch auf bislang unbekanntes Terrain.

„Wir mussten unter anderem Kontakte zu Restauratoren, Orgelbaufirmen, dem Denkmalschutzamt und der Landeskirche aufnehmen“, erzählt Karin König. Man habe immer wieder abwägen müssen, welche Sanierungsaufgaben man sich als Kirchgemeinde leisten kann. Außerdem klopften sie ab, wo sie Zuschüsse für ihr Projekt herbekommen könnten. Kostenvoranschläge wurden eingeholt. In Zusammenarbeit mit dem Kirchenvorstand und Stolpens Pfarrer Christian Heurich nahm ihr Plan mehr und mehr Gestalt an. Am 29. Oktober 2014 hatte die Initiativgruppe zu einem ersten Informationsabend eingeladen. Und dann ging alles Schlag auf Schlag.

Bau selbst begleitet

Die bürokratischen Hürden mussten genommen werden. Außerdem hatte sich die Orgelgruppe um das Geld für die Restaurierung gekümmert. Daneben organisierte die Orgelgruppe Benefizkonzerte und sammelte Spenden. Im Sommer konnte sie dann die Restaurierung in Auftrag geben. Spezialisten haben dafür gesorgt, dass die Orgel „fantastisch klingt“, wie Karin König es formulierte.

Am 6. November konnte die Orgel dann eingeweiht werden. Weit über 100 Gäste zählte der Gottesdienst. Inzwischen ist die Aufregung in den letzten Monaten vergessen. Die Langenwolmsdorfer Kirche hat ihre Orgel wieder. Die Initiativgruppe sammelt aber auch noch weiter Spenden für die Orgel, um auch die letzten Rechnungen bezahlen zu können. Darüber hinaus gibt es schon Pläne für das nächste Jahr. Auch wer nicht die Gottesdienste in der Kirche besucht, soll die neuen Klänge der Orgel hören können. Die Initiativgruppe wird dann etwa drei öffentliche Konzerte in der Kirche pro Jahr planen.