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Mittwoch, 07.05.2008

Die Operette kommt ins Kraftwerk Mitte

Im Rathaus sind sich seit gestern die Bürgermeister einig: Das Musiktheater zieht von Leuben an den Wettiner Platz.

Von Bettina Klemm und Peter Ufer

Die Operette soll auf den Wettiner Platz in das Kraftwerk Mitte umziehen. Darauf einigte sich gestern die Runde der Bürgermeister im Rathaus. Das bestätigte der amtierende Oberbürgermeister Lutz Vogel (parteilos) auf SZ-Nachfrage.

Der Standort habe den großen Vorteil, dass zum einen das alte Fabrikgebäude sofort für den Umbau zur Verfügung stehe und zum anderen der Bau mit Mitteln des Landes gefördert wird. Auch im Stadtrat, der dem Vorschlag der Verwaltung noch zustimmen muss, gibt es mehrheitlich Zustimmung. Zudem sprechen sich alle Kandidaten für den Posten des Oberbürgermeisters für den Wettiner Platz aus.

Der Intendant der Operette, Wolfgang Schaller, begrüßte gestern die Entscheidung der Bürgermeister. „Ich freue mich über jeden Standort im Zentrum, damit die Operette endlich aus Leuben ins Stadtzentrum kommt“, sagte er.

Gleich ein ganzer Kulturpark

Schon lange gibt es Pläne, das Kraftwerk kulturell zu nutzen. Sie wurden aber aus Kostengründen immer wieder verworfen. Einer, der an der Idee festhält, ist der Architekt Walter Kaplan. Er überraschte die Stadt kürzlich mit einem neuen Entwurf.

Danach sollte nicht nur die Operette in einen Flügel des Kraftwerksgebäudes einziehen, sondern auch das Theater Junge Generation in dem anderen Flügel eine neue Heimstatt finden. Kaplan, der schon die Neue Messe im Erlwein’schen Schlachthof im Ostragehege entworfen hat, ist überzeugt, dass der Operettenneubau für 30 Millionen Euro möglich sein wird. Diese Summe hatte der Stadtrat für einen Neubau festgesetzt.

Für das gesamte Ensemble rechnet der Dresdner Architekt mit Investitionen in Höhe von 140 Millionen Euro. So könnte auf dem 35000 Quadratmeter großen Gelände ein „Kultour-Park Dresden“ samt Einkaufspark entstehen. Als möglichen Partner nennt Kaplan die Firma Baywobau Dresden. „Wir würden das Projekt gern übernehmen“, bestätigte Geschäftsführer Berndt Dietze gestern. Für den Kraftwerksstandort sprechen die guten Verkehrsanbindungen mit S-Bahn und Straßenbahn. Zudem könnte die Stadt mit Fördermitteln der Europäischen Union rechnen. Weitere Kultureinrichtungen wären zu Fuß erreichbar.

Finanzbürgermeister Hartmut Vorjohann (CDU) plädiert für das Kraftwerk. Hier gebe es ausreichend Platz und mit Sicherheit weniger Streit um die Architektur als am Postplatz. „Das Kraftwerk ist ein Denkmal und muss saniert werden“, sagte Vorjohann.

Allerdings müsste die Stadt bei einer Entscheidung für das Kraftwerk für eine wirksame Werbung sorgen. Von allein werden die Touristen kaum den Weg vom Zwinger zur Operette finden. Nach einer kürzlich vorgestellten Studie sind Touristen ein großes Besucherpotenzial für die Operette.

Der Stadtrat entscheidet

Doch noch ist nichts endgültig entschieden. Zunächst muss der Stadtrat den Plänen der Verwaltung zustimmen. Das Thema soll nach bisherigen Planungen auf der Tagesordnung der letzten Sitzung vor der Sommerpause im Juli stehen. Dann geht es an die Feinplanungen und wahrscheinlich europaweite Ausschreibung. Walter Kaplan zumindest ist überzeugt: „In zwei Jahren könnte die neue Operette am Wettiner Platz fertig sein.“