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Dienstag, 13.02.2018

Die Online-Suche nach der Marktnische

An der BA Riesa gibt es ein neues Studienangebot. Ob lokale Händler davon begeistert sind?

Von Christoph Scharf

Expertin für Onlineshops: Professorin Katrin Heinzl unterrichtet an der Studienakademie Riesa Handelsmanagement – und lässt ihre Studentin auch mit einem fiktiven Online-Weinshop arbeiten.
Expertin für Onlineshops: Professorin Katrin Heinzl unterrichtet an der Studienakademie Riesa Handelsmanagement – und lässt ihre Studentin auch mit einem fiktiven Online-Weinshop arbeiten.

© Sebastian Schultz

Riesa/Meißen. In vino veritas. „Im Wein liegt Wahrheit“ – diese lateinische Weisheit steht über einem Online-Shop, den Professorin Katrin Heinzl auf ihrem Notebook zeigt. Elegant werden dort Weißwein, Rotwein, Rosé präsentiert. Den kann allerdings niemand kaufen: Der Onlineshop ist nicht echt – sondern eine Simulation.

Riesaer Studenten trainieren damit, wie man den optimalen Onlinehandel aufzieht: Welche Marktnische ist die richtige? Was gehört unbedingt ins Sortiment, was nicht? Welcher Preis lässt sich mit welchem Wein erzielen? Und wie bewerbe ich meinen Internet-Shop – mit gedruckten Anzeigen, in Suchmaschinen, über Blogger?

„Etwa drei von vier Handelsunternehmen betreiben mittlerweile einen eigenen Online-Shop oder sind auf diversen Online-Marktplätzen präsent“, sagt Katrin Heinzl. Von Lebensmitteln abgesehen würden bereits 20 Prozent der Umsätze im Einzelhandel online abgewickelt werden, mit noch immer steigender Tendenz. „Die Entwicklung hat der stationäre Handel lange verschlafen – oder zumindest deutlich unterschätzt“, sagt die Leipzigerin, die seit 18 Jahren als Dozentin an der Studienakademie Riesa arbeitet.


Die Studienrichtung Handel/Handelsmanagement gibt es in Riesa schon seit kurz nach der Wende. So lassen etwa große Lebensmittelmärkte oder Discounter ihre künftigen Bezirksleiter an der BA studieren. Kooperationen gibt es mit Sportfachgeschäften, Elektronikmärkten oder großen Baufachgeschäften. Eine eigene Vertiefungsrichtung Onlinehandel allerdings, die können die mehr als 50 Studenten erst jetzt wählen. Damit ist die BA Riesa in Mitteldeutschland Vorreiter, sagt Katrin Heinzl. „Ein betriebswirtschaftlich orientiertes Angebot mit dem Schwerpunkt Onlinehandel gibt es in der Region noch nicht“, sagt die 55-Jährige. Jena beispielsweise bietet etwas Ähnliches an – aber als Vertiefung eines IT-Studiengangs.

Der Bedarf jedenfalls sei da: Ein guter Teil der Unternehmen, die ihre Mitarbeiter an der BA studieren lassen, habe sich gewünscht, dass sich die Studenten auf den Onlinehandel spezialisieren – nicht mehr auf den stationären. Da ist beispielsweise ein Oschatzer Musikhaus darunter, aber auch eine große Online-Plattform für gewerbliche Kunden.

Ohnehin müsse sich aber der gesamte Einzelhandel weiter auf Änderungen einstellen, sagt die Professorin. Wenn Leute älter werden, sind sie schlechter zu Fuß. Großstädte wollen zudem weniger Autos in der Innenstadt haben. Beides könnte beispielsweise dazu führen, dass auch im Lebensmittelbereich der Onlinehandel steigt – weil sich jemand etwa eine Kiste Wasser lieber nach Hause bestellt, anstatt sie selbst zu tragen. Die strikte Trennung zwischen stationärem Geschäft und online könnte schwinden, weil sich die Geschäfte eher Richtung „Showroom“ entwickeln – und das Lager in einen Onlineshop ausgelagert wird. „Die Verkäufer führen dem Kunden dann echte Produkte vor, aber die große Auswahl an Größen und Farben lagert nicht im Regal, sondern wird online über den Auftritt des Geschäfts geordert.“

Auf jeden Fall steige der Bedarf im Handel, Experten dafür zu haben – bis hin zu Fragen der Shop-Programmierung oder des Onlinerechts. Das alles könne man nun im dreijährigen dualen Studium in Riesa lernen. Und was sagt die Professorin, sollten sich Riesaer Händler beschweren – die ohnehin schon unter der Konkurrenz des Internet-Geschäfts ächzen? „Ich lade jeden Händler ein, zu uns zu kommen.“ Vielleicht sei ja sogar eine Praxispartnerschaft denkbar: Denn die Unternehmen entsenden nicht nur Studenten an die BA, sondern legen auch das Thema deren wissenschaftlicher Arbeit fest. Da könne man ganz konkret profitieren. „Wir stehen auch für die Fragen von Händlern zur Verfügung.“ Auch die Frage, warum die Studenten ausgerechnet mit einem fiktiven Wein-Onlineshop arbeiten, kann Katrin Heinzl beantworten. „Wein gibt es schon seit vielen Jahren online.“ Alter Wein in neuen Schläuchen, sozusagen.