Samstag, 09.02.2013

Die neuen 3-Kilo-Autos

Der Fiat Panda Natural Power und der VW Eco Up fahren mit Erdgas und sind die derzeit sparsamsten Gas-Autos. Doch lohnt der Mehrpreis?

Von Michael von Maydell

Gas ist nicht gleich Gas

Bild 1 von 2

Unter Druck: In den Unterböden von Up und Panda sitzen Gastanks mit Volumina von elf beziehungsweise zwölf Kilogramm (Fiat).   Foto: AutostraßenverkehrGas ist nicht gleich Gas.
Unter Druck: In den Unterböden von Up und Panda sitzen Gastanks mit Volumina von elf beziehungsweise zwölf Kilogramm (Fiat). Foto: AutostraßenverkehrGas ist nicht gleich Gas.

  • Unter Druck: In den Unterböden von Up und Panda sitzen Gastanks mit Volumina von elf beziehungsweise zwölf Kilogramm (Fiat).   Foto: AutostraßenverkehrGas ist nicht gleich Gas.
    Unter Druck: In den Unterböden von Up und Panda sitzen Gastanks mit Volumina von elf beziehungsweise zwölf Kilogramm (Fiat). Foto: AutostraßenverkehrGas ist nicht gleich Gas.
  • Im neuen Heft der Zeitschrift Autostraßenverkehr, das Mittwoch erscheint, lesen Sie zudem: Großes Autogas-Spezial mit Technikerklärung und Tests; die neue Mittelklasse: Audi A4, Mercedes C-Klasse, VW Passat.
    Im neuen Heft der Zeitschrift Autostraßenverkehr, das Mittwoch erscheint, lesen Sie zudem: Großes Autogas-Spezial mit Technikerklärung und Tests; die neue Mittelklasse: Audi A4, Mercedes C-Klasse, VW Passat.

Ist es nun paradox oder eine logische Konsequenz, dass die Kleinstwagen, mit denen sich jeder Kilometer am günstigsten zurücklegen lässt, beim Kauf erst mal ziemlich teuer sind? Vermutlich beides. Die Aufrüstung von Panda und Up zu Erdgasbrennern ist aufwendig. Die anfallenden Kosten lassen sich die Hersteller direkt vom Kunden vergüten.

Was sie kosten

15490 Euro gilt es für einen 80 PS starken Fiat Panda Natural Power in der Lounge-Ausführung zu berappen. Der Eco Up ist mit einem Basispreis von 12950 Euro zwar günstiger, der viertürige Testwagen in der edlen High-Ausführung mit 16055 Euro aber ähnlich teuer.

Nur zur Erinnerung: Beide gibt es in der Basis schon für je 10000 Euro. Damit fährt man aber längst nicht so günstig wie mit den Erdgas-Fahrzeugen. Denn nach reichlich Touren durch die Stadt, über Autobahnen und Landstraßen erweisen sich beide als erfrischend sparsam. So benötigt der VW im Testmittel nur drei Kilogramm Erdgas pro 100 gefahrene Kilometer. Der Fiat presst mit einem Testverbrauch von 3,8 Kilogramm etwas mehr in die Brennkammern. Nimmt man den Kilopreis von 1,13 Euro dazu, ist der Streckenpreis kaum teurer als ein kühles gezapftes Bier im Bordbistro der Deutschen Bahn.

Bleibt also festzuhalten: Der bekannt solide verarbeitete Up ist trotz deutlich üppigerer Ausstattung günstiger und genügsamer als der Panda. Eins zu null für VW.

Gas ist nicht gleich Gas

Erdgas wird an der Tankstelle als CNG (Compressed Natural Gas) angeboten. Weil seine Energiedichte fast 1.000 Mal geringer als die von Diesel ist, wird CNG auf 200 bar verdichtet. Erdgas besteht hauptsächlich aus Methan und kann ohne Raffinerieprozess als Kraftstoff verwendet werden.

Wie sie fahren

Nun ja. Mehr als 68 PS und 90 Nm Drehmoment sind aus dem ein Liter großen Dreizylinder des VW Up nicht rauszuholen. Entsprechend kraftlos setzt sich der turbolose Up in Bewegung. Die 100-km/h-Schwelle ist erst nach 16,3 Sekunden überschritten. Spurtvermögen aus höheren Gängen? Nicht vorhanden. Immerhin: Der Motor ackert vergleichsweise leise, die Fünfgangschaltung rastet präzise, und dank einem agil und dennoch komfortabel abgestimmten Fahrwerk ermöglicht der Up hohe Kurvengeschwindigkeiten. Wer also über Land taktisch flott fährt, verliert kaum an Speed.

Sein Erdgas bunkert der VW in zwei Tanks, die zusammen elf Kilo bereithalten. Geht der Vorrat zur Neige, warnt das optionale Navi (360 Euro) frühzeitig und führt zur nächsten CNG-Tankstelle. Ein zehn Liter kleiner Benzintank dient als Notreserve. Zusammen ergibt sich so eine Reichweite von über 500 Kilometern.

Der Panda knattert da noch fröhlich weiter – zumindest im Benzinbetrieb (35-Liter-Tank). Die unterflurig angebrachten Gasbehälter fassen ähnlich dem Up zwölf Kilo. Im Gegensatz zum VW verbrennt der 0,9Liter kleine Zweizylinder seinen CNG-Vorrat aber vibrationsreich unter schnattrigem Sound.

Ab 3000 Touren wird er immer röhriger und lauter. Die leicht verstörten Insassen belohnt der Twinair-Turbo dafür mit prächtigem Schub (140 Nm ab 2500 U/min) und enormer Drehfreude. Die mündet in einem deutlich besseren Spurtvermögen: 12,8 Sekunden bis Tempo 100. Viel mehr Lob verdient sich der Panda dennoch nicht. Der Fahrer hat nicht nur mit einer labbrig eingestellten Fünfgangbox und einer ungenauen Gasanzeige zu kämpfen, auch die synthetische Lenkung sowie das stößige Fahrwerk vermiesen den Sparspaß. 2:0 für den deutlich kultivierteren Eco Up.

Wie viel sie transportieren

Bleibt noch ein Blick in den Kofferraum. Kann der Fiat seine zehn Zentimeter längere Karosserie in mehr Laderaum ummünzen? Nein. Das Heck schluckt 200 bis 870 Liter, während der Up 213 bis 921 Liter einsteckt – ohne Nachteile für die gut untergebrachten Insassen. 3:0 für den Eco Up.

Fazit: Okay – der Eco Up überzeugt nicht eben mit Spurtvermögen. Ansonsten ist er ein vorzügliches Auto. Er bietet deutlich mehr Platz, Komfort und Solidität, ist zudem sparsamer und kultivierter als der laute, teure Panda.