sz-online.de | Sachsen im Netz

Die Nationalität von Tätern nennen?

Über den Artikel „Mann im Freizeitpark Belantis niedergestochen“ habe ich mich gewundert. Wen interessiert denn, dass der Niedergestochene Thüringer ist? Interessant ist doch, wer der Täter war – oder sehe ich das falsch? Mit dieser Berichterstattung nähren Sie nur wieder einmal Spekulationen. MfG B. Reinert

11.08.2017

Sehr geehrter Herr Reinert,

natürlich ist es interessant, wer der Täter war. Leser haben ein Recht darauf, umfassend informiert zu werden. Und Journalisten ist nichts wichtiger, als ihren Lesern zu diesem Recht zu verhelfen. Aber es gibt da ein Problem: Nicht immer sind alle relevanten Informationen sofort zu erhalten. Beim besten Willen nicht.

Bleiben wir bei Ihrem Beispiel. Am 27. Juli wurde im Freizeitpark Belantis ein Mann niedergestochen, die Staatsanwaltschaft Leipzig übernahm die Ermittlungen. Der Tathergang war unklar, die Presse erhielt so gut wie keine Informationen. Unbestätigten Meldungen zufolge soll der Mann aus einer Schülergruppe heraus angegriffen worden sein. Dies würde die besonders rigide Informationspolitik der Staatsanwaltschaft erklären. Jugendliche sind besonders geschützt. Eine Nachfrage Ende der Woche ergab kein neues Bild: Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und der Kriminalpolizei dauerten an, so wurde mitgeteilt, ein Ergebnis sei noch nicht absehbar. Es ist also keineswegs so, dass die Redaktion ihren Lesern Informationen vorenthält.

Bei Verbrechen ist es oft so, dass der oder die Täter unbekannt sind oder der Tathergang unklar ist. In solchen Fällen können Medien auch den oder die Täter nicht benennen. Besteht dagegen Klarheit, gilt bei der Sächsischen Zeitung seit etwa einem Jahr folgende Regelung: In jedem Falle wird auch die Nationalität genannt, auch dann, wenn es sich um Deutsche handelt. Diese Regelung wird unter Journalisten durchaus kontrovers diskutiert. Der Presserat ist skeptisch, weil er eine Stigmatisierung von Ausländern befürchtet. Gerade Nordafrikaner sorgen sich, dass sie – weil algerische und tunesische Zuwanderer überdurchschnittlich oft straffällig wurden – im Alltag unter Generalverdacht geraten. Diese Befürchtungen sind durchaus nicht von der Hand zu weisen.

Für die Leser der SZ hat diese klare Regelung aber den unbestreitbaren Vorteil, dass sie garantiert alle relevanten Informationen über Täter erhalten, auch die Nationalität. Immer. Sie muss nur erst einmal bekannt sein.

Ihr Olaf Kittel

E-Mail an Olaf Kittel