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Samstag, 30.04.2016

Die Mischung macht’s

Ihre Bemühungen, die Unbefangenheit von Journalisten mit ihren Grundüberzeugungen zu erklären, ist ehrenhaft, aber nicht ausreichend. Wenn eine Zeitung wirklich Wert darauf legt, möglichst unabhängig zu sein, dann beginnt das bei der sorgfältigen Auswahl ihrer Redakteure und einer ausgewogenen Zusammensetzung. MfG Dr. Dietrich Noack

Sehr geehrter Herr Dr. Noack,

Sie haben den Nagel auf den Kopf getroffen. Eine große Regionalzeitung wie die SZ, die eine Zeitung für alle sein will, braucht eine gute Mischung jüngerer und erfahrener Journalisten, von Frauen und Männern, Ost- und Westdeutschen, sie braucht gute Fachleute in den Ressorts von Politik, Wirtschaft oder Kultur und sie braucht engagierte Lokalreporter, die eher Allrounder sind. Auf eine solche Mischung legt die Sächsische Zeitung viel Wert. Dazu gehört auch, dass sich in der Redaktion linke, liberale und konservative Grundüberzeugungen mischen. Sie werden in den Kommentaren der SZ unterschiedliche Positionen erkennen können, durchaus auch zum gleichen Thema. Das ist bei der SZ möglich und gewünscht.

Diese Mischung hat sich in den 90er-Jahren recht schnell entwickelt. Vor 25 Jahren kamen die ersten Kollegen aus Westdeutschland in die Redaktion. Alle jung und sehr gespannt, wie die Vereinigung gelingen und Sachsen sich entwickeln wird. Sie brachten neue Sichten, Kenntnisse und Erfahrungen mit und trugen zur deutlichen Verjüngung der Redaktion bei. Seither gibt es einen spannenden Mix. Seither sitzt der ehemalige Moskau-Korrespondent aus dem Osten neben dem in den USA studierten Historiker aus dem Westen, die erfahrene Juristin neben dem Autodidakten. Das ist manchmal unbequem, aber nie langweilig. Und es verhindert ein wohlig warmes Klima, in dem sich alle einig sind. Eine Redaktion braucht Reibung, sie muss offen für Veränderungen und nah am Leben sein. Eine gute Mischung spielt dabei eine wichtige Rolle.

Seit etwa zehn Jahren verjüngt sich die Redaktion erneut. Jetzt werden überwiegend mit einem Fach- und einem journalistischen Studium ausgestattete junge Journalisten eingestellt, die meist in Ostdeutschland geboren wurden und daran interessiert sind, in Dresden, Bautzen oder Görlitz Wurzeln zu schlagen. Sie absolvieren nach ihrem Studium zumeist ein zweijähriges Volontariat, in dem sie alle wichtigen Redaktionsbereiche kennenlernen und dort gezielt ihre Stärken entwickeln können sowie einen einmonatigen Lehrgang an der renommierten Henry-Nannen-Journalistenschule.

Übrigens sind es mehrheitlich junge Frauen, die sich heute für diesen Beruf interessieren. Das wird die Mischung in der Redaktion wieder verändern. Die Sächsische Zeitung wird noch weiblicher werden.

Ihr Olaf Kittel