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Dienstag, 26.09.2017

Die Lutherbuche bewegt die Gemüter

Der Baum an der Kirche soll gefällt werden. Der Heimatverein will aber erst ein Gutachten erstellen lassen.

Noch steht sie – die Lutherbuche auf dem Kirchplatz in Leisnig.
Noch steht sie – die Lutherbuche auf dem Kirchplatz in Leisnig.

© André Braun

Leisnig. Wenn kein Wunder mehr geschieht, dann sind die Tage der Lutherbuche auf dem Leisniger Kirchplatz gezählt und die Handwerker werden anrücken, um mit Axt und Säge ihr Werk zu verrichten. Als Karla Fischer dies gelesen hat, war sie zunächst schockiert. „Wir kamen aus dem Urlaub zurück und haben mit dem Kopf geschüttelt, als wir den Bericht gelesen hatten“, sagt die Leisnigerin, die im Vorstand des Geschichts- und Heimatvereins der Stadt mitarbeitet.

Der Verein hat ein Schreiben verfasst, das unter anderem auch an die Kirchgemeinde ging. „Für viele Leisniger liest sich der Inhalt des Zeitungsartikels im 500. Jahr der Reformation wie ein schlechter Witz. Die auf Antrag des Kirchenvorstandes überstürzt beschlossene Fällung dieses Gedenkbaumes ist ein denkbar schlechtes Zeichen, das der Stadtrat im Jahr des Reformationsjubiläums setzt“, heißt es in dem Brief.

Seit dem 10. November 1883 steht die Buche an diesem Platz. Max Grimmer überliefert in seiner Chronik, dass dieser Gedenkbaum anlässlich des 400. Geburtstages des Reformators Martin Luther von Leisniger Bürgern gepflanzt wurde. Die Buche ist nun weit über ein Menschenleben alt und hat so manchem Sturm getrotzt. „Wir Menschen haben es durch unsachgemäße Baumaßnahmen in ihrem Umfeld nicht immer gut mit ihr gemeint. Wollen wir wirklich, dass diese alten und markanten Bäume, die an verschiedenen Stellen das Stadtbild mit prägen, nach und nach verschwinden und dies nur, weil sie vielleicht etwas kränkeln oder für geplante Baumaßnahmen einfach im Wege sind?“, fragen die Vereinsmitglieder.

Dem Baum sei es anzusehen, dass er Probleme hat und abstürzendes Geäst eine Gefahr für die Bürger darstellen könnte. „Das darf aber kein Grund sein, sofort und überhastet die Säge anzusetzen.“ Vielmehr sei ein fachlich fundiertes Gutachten über den wirklichen Zustand des Gedenkbaumes notwendig. „Erst, wenn feststeht, dem Gedenkbaum ist nicht mehr zu helfen, ist eine Fällung zu befürworten.“

Wenn es an den notwendigen finanziellen Mitteln für ein Gutachten bei der Kirchgemeinde als Eigentümerin des Baumes fehlt, dann sollten die Leisniger Bürger um eine Spende gebeten werden. Dafür sprechen sich auch Karla Fischer und ihr Mann Ulf aus. „Wir würden dafür spenden, dass ein Gutachten gemacht werden kann“, so Karla Fischer. Ein solches fachliches Urteil würde zwischen 700 und 1 000 Euro kosten. Karla Fischer hofft darauf, dass genügend Geld zusammenkommt, und der Baum so vielleicht doch noch gerettet werden kann. (DA/fk)