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Dienstag, 08.03.2016

Die letzte Pilgerfahrt der Phaetonauten

Die Tage des Luxus-VW sind gezählt. Mit einer Fahrt nach Dresden erwiesen Fans ihrer Lieblings-Limo die letzte Ehre.

Von Felix Keßler

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Kurz vor dem Produktionsende in der Gläsernen Manufaktur kamen vor der Semperoper 22 Phaetons zusammen. Die Fahrer bedankten sich anschließend bei den VW-Mitarbeitern.
Kurz vor dem Produktionsende in der Gläsernen Manufaktur kamen vor der Semperoper 22 Phaetons zusammen. Die Fahrer bedankten sich anschließend bei den VW-Mitarbeitern.

© Sven Ellger

Mit einem Brummen rollen zwei schwere, schwarze Edellimousinen über die Augustusbrücke. Auf dem Parkplatz vor der Semperoper halten sie an. Hier treffen sie auf 20 weitere Wagen, alle ähneln sie sich. Das Modell: der VW Phaeton, hergestellt in Dresden – seit 2001. Allerdings nicht mehr lange, denn ab Ende März stehen in der Landeshauptstadt die Produktionsbänder still. Höchste Zeit also, dem Phaeton Lebewohl zu sagen und noch an einer letzten Führung in der einmaligen Gläsernen Manufaktur teilzunehmen.

Genau das dachten sich anscheinend auch die 22 Fahrer, die am Montag auf dem Theaterplatz zusammenkamen und dafür aus allen Teilen Deutschlands anreisten. Organisiert haben sie sich über ein Autoforum im Internet, die echten Namen der anderen Teilnehmer kennen sie nicht, nur die Pseudonyme aus dem Netz. Dennoch funktioniert alles, jeder Fahrer bekommt eine Nummer zugewiesen, damit er weiß, wo er sich für das Foto positionieren soll. Wie einige andere, ist Wolfgang Hasler gemeinsam mit seiner Frau angereist, aus dem Saarland. Niemand in der Gruppe ist dem Prestigeobjekt von VW schon so lange verbunden. „2002 haben wir ihn zufällig das erste Mal gesehen, vor einem Hotel in Radebeul“, berichtet der 65-Jährige. Als einige Jahre später ein neues Auto hermusste, hat seine Frau Margit ihn schließlich überzeugt. „Das Design ist zeitlos, alles an diesem Wagen strahlt eine tiefe Ruhe aus“, schwärmt sie noch immer.

Dem scheinen sich die anderen Teilnehmer anzuschließen, kaum einer hat etwas umgebaut. Nichts soll den unaufdringlichen Gesamteindruck stören. Zwei Teilnehmer betreiben sogar eine Phaeton-Werkstatt. „Wir werden zur Inspektion dorthin fahren, auch wenn das fast 350 Kilometer Anfahrt bedeutet“, berichtet Margit Hasler. Auf die Frage, was den Phaeton denn für ihn besonders mache, sagt ihr Mann: „Der Fahrkomfort. Man muss das mal selbst erlebt haben, trotz 180 Sachen fast lautlos unterwegs zu sein“, erklärt er. Die „Phaetonauten“, wie sich die Mitglieder der Gruppe mit einem Augenzwinkern selbst nennen, wollen den Machern in der Gläsernen Manufaktur nun Respekt zollen.

Gleichzeitig bringen sie so gemeinsam ein Stück deutsche Automobilgeschichte zu Ende. Denn der Phaeton war alles andere als ein gewöhnlicher Volkswagen. Mit Luxusausstattung in der Basisversion konkurrierte er bei seiner Einführung 2001 mit der Mercedes S-Klasse und anderen Hochpreis-Karossen. Zwar wurde das in Dresden gebaute Auto immer wieder für die exzellente Verarbeitung gelobt, blieb jedoch deutlich hinter den Verkaufserwartungen zurück, Tendenz weiter sinkend. In Expertenkreisen war kürzlich von 28 000 Euro Verlust die Rede – pro Phaeton.

Offensichtlich hat man davon jetzt auch in Wolfsburg genug, wo es momentan ohnehin um andere Themen geht. Derweil ranken sich Gerüchte um die Zukunft des Standortes Dresden. Fest steht: Die Fabrik wird umgebaut, viele Beschäftigte sollen zeitweise nach Zwickau verlagert werden. Eventuell erfolgt 2019 der Neustart mit einem Elektro-Auto. „Für uns bleibt Dresden jedenfalls immer auch die Heimat unseres Phaetons“, sagen die Haslers.

Leser-Kommentare

Insgesamt 4 Kommentare

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  1. Roba

    Es scheint so: Ferdinand Piéch hat technisch Viele, aber ökonomisch nicht die Maßgeblichen überzeugen können; damit kann Er leben. Alternativen für Dresden sind eingeleitet, aber noch nicht durch die "Verwaltungsdeppen" bei VW gesichert.

  2. Carsten

    Ist ein schöner Artikel geworden,ich bin 550 km gefahren um die Produktion des letzten Phaeton zusehen,ein Fahrzeug das mir seit 3 Jahren treue Dienste leistet.Wer ein solches Fahrzeug noch nie im Leben selber gefahren hat ,der kann gar nicht beurteilen,welche Qualität in diesem Auto steckt.Meine Entscheidung diese Auto zukaufen,fiel in dem Augenblick als ich beim Händler vom Hof gefahren bin,noch nie hat mich ein Auto nach nur 100 m Fahrstrecke überzeugt,es zukaufen,der Phaeton hat dies geschafft und nach über 120.000 km die ich mit diesem Auto gefahren bin,den Kauf dieses Phaeton habe ich bis heute nicht bereut.auch ein Grund Herrn Piëch an dieser Stelle zudanken,das Er es ermöglicht hat diese Auto zubauen.Danke auch an die Mitarbeiter der GMD die einen tollen Job rund um den Phaeton gemacht haben bisher.

  3. Tut nix Zursache

    Wenn man sich in dieser Preisklasse einen fahrbaren Untersatz leisten kann, will man sich doch vom Vol abheben und keinen "Volks"wagen fahren. Von daher war das Projekt Phaeton von vornherein zum Scheitern verurteilt. Meine Meinung

  4. Siggi

    Da rückt nun dir ATU Filiale am Straßburger Platz in greifbare Nähe. Ich freue mich darauf.

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