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Donnerstag, 14.09.2017

Die letzte Drogerie schließt

70 Jahre lang gab es das Geschäft zwischen Markt und Schloss. Nun hört Helfried Kühne auf.

Von Eric Weser

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Unweit vom Strehlaer Markt (Hintergrund) liegt die Schloss-Drogerie von Familie Kühne direkt an der Bundesstraße 182. In reichlich zwei Wochen schließt das Geschäft endgültig.
Unweit vom Strehlaer Markt (Hintergrund) liegt die Schloss-Drogerie von Familie Kühne direkt an der Bundesstraße 182. In reichlich zwei Wochen schließt das Geschäft endgültig.

© Sebastian Schultz

  • Unweit vom Strehlaer Markt (Hintergrund) liegt die Schloss-Drogerie von Familie Kühne direkt an der Bundesstraße 182. In reichlich zwei Wochen schließt das Geschäft endgültig.
    Unweit vom Strehlaer Markt (Hintergrund) liegt die Schloss-Drogerie von Familie Kühne direkt an der Bundesstraße 182. In reichlich zwei Wochen schließt das Geschäft endgültig.

Strehla. Ein Strehlaer Traditionsgeschäft schließt seine Pforten: Die Schloss-Drogerie an der Julius-Scharre-Straße, gelegen zwischen Rathaus und Stadtmuseum, macht Ende September zu. Inhaber Helfried Kühne bestätigt das Aus nach fast sieben Jahrzehnten. Kühne hatte den Laden 1980 von seinem Vater übernommen. Neben typischen Drogerie-Artikeln ist das Geschäft unter anderem auch für sein Angebot an Schwimmbad-Pflegeprodukten bekannt.

Mit der bevorstehenden Schließung der Schloss-Drogerie macht nun auch die letzte Drogerie in Strehla dicht. Jahrelang hatte es in der Kleinstadt auch eine Schlecker-Filiale gegeben, bis der Filialist 2012 pleite ging. Ein Jahr später startete eine Strehlaerin im Einkaufszentrum an der Lindenstraße mit einem Nachfolge-Geschäft in die Selbstständigkeit. Ende 2015 machte sie den Laden wieder zu.

Zum Einkaufen in Drogeriefachmärkte müssen die Strehlaer einige Kilometer zurücklegen. Die nächsten Geschäfte dieser Art gibt es in den Nachbarstädten Riesa, Oschatz und Mühlberg – jeweils gute sieben oder mehr Kilometer entfernt. Eine Auswahl an Drogerieartikeln vom Duschbad bis zum Deo gibt es zwar in den zwei in der Stadt vertretenen Discountern Norma und Netto. Aber die Produktvielfalt ist eingeschränkt, viele bekannte Marken fehlen.

Apotheke will Angebot erweitern

Eine Auswahl an Drogerieartikeln hält indes auch die Stadt-Apotheke an der Lindenstraße bereit. „Das müssen wir sogar“, sagt Inhaberin Lysann König. Weil sich das Drogerie-Angebot in Strehla ausdünnt, habe sie aber schon Anfragen älterer Strehlaer nach einer Erweiterung erhalten. Sie wolle auch bald mehr drogistische Produkte anbieten, kündig die Pharmazeutin an. Details müssten noch geklärt werden, auch mit Noch-Drogerie-Inhaber Helfried Kühne wolle sie dazu sprechen. Klar sei aber schon jetzt: Mit der Vielfalt der großen Ketten werde auch das erweiterte Angebot in der Apotheke nicht mithalten können.

Dass eine der großen Drogerie-Ketten demnächst nach Strehla kommt, darf als eher unwahrscheinlich gelten. Dazu lohnt ein Blick nach Gröditz: Die 7 000-Einwohner-Stadt hatte nach der Schlecker-Pleite und dem Aus eines Nachfolgers seit 2013 fast vier Jahre lang gar keinen Drogeriemarkt. Auch hier waren es fast zehn Kilometer bis zum nächsten Fachgeschäft. In diesem Sommer hat in der Röderstadt nun zur Freude vieler ein neugebauter Rossmann-Markt eröffnet. Die Expansionsabteilung des Unternehmens zu überzeugen, sei aber schwierig gewesen, so der Geschäftsmann, der den Immobilien-Deal rund um die jetzige Gröditzer Rossmann-Filiale nach eigenen Angaben maßgeblich eingefädelt hatte. Im Vergleich zu Gröditz dürfte es das nach Einwohnerzahlen nur etwa halb so große Strehla noch schwerer haben.