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Freitag, 16.11.2012

Die „Ländersammlerin“: Nina Sedano hat die ganze Welt bereist

Weltenbummlerin Nina Sedano hat ihre Reiselust gestillt und in 23 Jahren alle 193 UN-Staaten besucht. Meist war sie allein unterwegs. Die Frankfurterin hat nicht nur viele Landesgrenzen überschritten, sondern ist auch manches Mal an ihre eigenen Grenzen gestoßen.

Von Petra Knobel

Frankfurt/Main. In Österreich und Tibet sei es am kältesten gewesen, in Indien am wärmsten. Hervorragendes Essen habe es in Thailand und Italien gegeben, gar nicht lecker sei es dagegen in Nordkorea gewesen. Ihr Geldbeutel wurde in Island sehr stark strapaziert, dafür war der Aufenthalt in Nepal umso günstiger. Und für eine erneute Reise nach Neuseeland würde Nina Sedano (46) sofort wieder die Koffer packen. „Soweit ich weiß, bin ich die einzige Frau Deutschlands, die alle 193 UN-Staaten bereist hat“, sagt die Frankfurterin.

23 Jahre dauerte es, bis Nina Sedano im vergangenen Jahr mit Turkmenistan das letzte der 193 Länder der Vereinten Nationen besucht hat. Dabei hatte die Frau, die sich selbst „Ländersammlerin“ nennt, ursprünglich gar nicht das Ziel, die Liste der UN-Staaten komplett abzuhaken. „Als Teenager hatte ich viele Freundinnen, auch im Ausland. Es war toll, sie zu besuchen“, erinnert sich die Bürokauffrau, die vor Jahren ihren Beruf aufgab.

Mit 13 Jahren verreiste sie zum ersten Mal allein zum Sprachkurs nach England. Seitdem wurde die Reiselust immer stärker. Ihre erste große Übersee-Reise ging mit 22 Jahren in die USA. Dann lernte sie ihren späteren Ehemann kennen, mit dem sie etwa 25 Länder kennenlernte. Nach der Trennung reiste sie allein weiter, zunächst in Länder, in die eine Einreise problemlos war. Auf ihrer Reiseliste fehlte lange Weißrussland: „Man braucht eine Einladung, um ins Land zu kommen. Ein Konsul des Landes gab mir in China ein Visum, so konnte ich mit der Transsibirischen Eisenbahn über Russland rein.“

Andere Länder hingegen, so etwa Nordkorea, konnte sie nur als Teil einer Reisegruppe besuchen, „weil man sich dort nicht frei bewegen kann“. In den Iran gelangte sie erst nach dem Besuch von iranischen Botschaften in Usbekistan, Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, bis sie das Visum erst in Afghanistan in ihren Pass bekam.

"Da erkennt man, wie gut es einem eigentlich geht"

Sedanos längste Reise dauerte neun Monate und führte von Südkorea, Japan, den Philippinen und Taiwan über Südostasien nach Indien. In Liechtenstein, San Marino und Monaco hielt sie sich am kürzesten auf. Nie hatte die Hessin das Gefühl, ein Land einfach nur mitzunehmen und abzuhaken. „Jedes Land mit seinen Menschen und seiner Geschichte ist anders.“ Manchmal war es auch entbehrungsreich: In der Zentralafrikanischen Republik habe sie drei Tage kaum etwas gegessen und auf einem Betonboden geschlafen. „Da erkennt man, wie gut es einem eigentlich geht und wird sehr demütig.“

Auf die Frage, wie sie ihre Leidenschaft finanziert, antwortet die Weltenbummlerin: „Viele denken, dass das wahnsinnig kostspielig sein muss. Aber in Ländern wie Nepal, Malaysia, Vietnam oder Laos habe ich im Schnitt nicht mehr als zehn Euro am Tag gebraucht.“ Das Reisen sei für sie die „schönste Sucht der Welt“ - über die sie derzeit auch ein Buch schreibt. Darin will sie den Lesern nicht nur viele der bereisten Länder und besondere Erlebnisse mit Menschen und Tieren näher bringen, sondern auch erzählen, wie sich ihre „Sucht“ über die Jahre entwickelt und verändert hat. „Meinen Hunger auf die Welt habe ich gestillt, Appetit und Wissensdurst sind aber geblieben.“

Lust auf die Welt verspüren neben der Frankfurterin offenbar auch viele andere Deutsche. „Die Bundesbürger sind schon seit einigen Jahren Reiseweltmeister“, sagt Sibylle Zeuch, Sprecherin des Deutschen Reiseverbands (DRV). Immerhin zählte der DRV im vergangenen Jahr 53,6 Millionen deutsche Urlaubsreisende. „Es ist nicht auszuschließen, dass es noch die eine oder andere Frau gibt, die ebenfalls alle Länder dieser Erde bereist hat“, meint Zeuch. Nina Sedano selbst weiß von drei deutschen Männern, ist aber trotz Recherchen im Internet noch auf keine deutsche Frau mit vergleichbarem Reisepensum gestoßen. (dpa)