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Montag, 28.03.2016

Die Jagd geht weiter

Plagiatsjäger haben schon mehrere Politiker um Doktortitel und Amt gebracht. Ihre Methoden nötigen auch der Wissenschaft Respekt ab.

Von Michael Fischer und Werner Herpell

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Vor ihm zittern die prominenten Doktortitelträger in Deutschland: Plagiatsjäger Martin Heidingsfelder hat noch nicht genug.
Vor ihm zittern die prominenten Doktortitelträger in Deutschland: Plagiatsjäger Martin Heidingsfelder hat noch nicht genug.

© dpa

Berlin. Politiker mit Doktortitel müssen weiterhin damit rechnen, dass ihre Dissertationen von Plagiatsjägern untersucht werden. Daran hat auch der Fall von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) nichts geändert, die trotz der 32 von der Medizinischen Hochschule Hannover bestätigten Plagiate in ihrer medizinischen Doktorarbeit ihren Titel behalten durfte.

„Es gibt noch genügend Politiker“, sagte der Gründer der Internetseite VroniPlag, Martin Heidingsfelder, der Deutschen Presse-Agentur. An einem sei er „momentan dran“. „Das ist dann reif, wenn es reif ist“, fügte er hinzu.

VroniPlag Wiki wird am Ostermontag fünf Jahre alt. Heidingsfelder ist inzwischen bei der nicht-kommerziellen Seite ausgestiegen und prüft Doktorarbeiten nur noch gegen Bezahlung.

Unter den etwa ein Dutzend bei VroniPlag aktiven Plagiatsforschern gibt es noch einen, der sich anonym mit Politiker-Arbeiten befasst. VroniPlag-Mitbetreiber Gerhard Dannemann glaubt aber nicht, dass weitere spektakuläre Enthüllungen unmittelbar bevorstehen. „In der Öffentlichkeit ist die Luft langsam raus aus dem Thema plagiierende Politiker.“

Der wichtigste Experte für korrekte wissenschaftliche Arbeit in Deutschland, Wolfgang Löwer, zollt den Plagiatsforschern von VroniPlag Respekt. Sie machten eine „beachtliche Arbeit“, sagte er der dpa. „Es ist ja nicht so, dass sie das Zeug durch irgendein beliebiges Wortvergleichssystem schicken würden.“

Löwer ruft die Plagiatsforscher aber auch zu mehr Sensibilität für Persönlichkeitsrechte auf. Es sei nicht richtig, Plagiats-Fundstellen öffentlich zu machen, bevor alle Untersuchungen abgeschlossen seien. Verdachtsfälle sollten zunächst an die zuständigen Einrichtungen der Hochschulen, also etwa Ombudsleute, abgegeben werden. „Und wenn die dann nichts machen, bin ich einverstanden, dass die Öffentlichkeit informiert wird.“

Bisher verloren drei prominente Bundespolitiker wegen Plagiaten in ihren Arbeiten ihre Doktortitel und ihre politischen Ämter: Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) und die FDP-Europapolitikerin Silvana Koch-Mehrin.

VroniPlag hat in fünf Jahren 166 Arbeiten öffentlich dokumentiert, davon stammen 18 von Politikern. Von den 16 Mitgliedern des Bundeskabinetts tragen 8 einen Doktortitel. Neben der Arbeit von der Leyens wurde auch die von Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) umfassend untersucht. Er durfte seinen Titel ebenfalls behalten.

Zu den anderen Kabinettsmitgliedern sagte Dannemann: „Da ist schon mal ein bisschen was angefasst worden.“ Er glaube aber nicht, „dass noch irgendetwas ernsthaft am Köcheln ist“. Die Doktorarbeit von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wurde von Heidingsfelder untersucht, der aber keine Plagiate gefunden hat. Auch Dannemann hat die Dissertation Merkels vorliegen: „Die hat mir jemand völlig unaufgefordert zugeschickt und sie liegt immer noch bei mir rum“, sagte er der dpa. „Ich habe auch keine Lust, sie mir anzusehen. Ich bin sicher, dass sie schon kritisch durchgesehen wurde.“ (dpa)

Leser-Kommentare

Insgesamt 4 Kommentare

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  1. Klaus Ulrich Weber

    Ja, Stegner und Gysi bitte, aber das passt nicht in das politische Weltbild von Herrn Heidingsfelder und auch nicht für die SZ.

  2. Docci

    Und man sieht ja auch, wie die Ergebnisse den weiteren Weg eines Politikers beeinflussen, wenn sich über ihn/sie schützende Hände breiten...

  3. Ulrich

    Beißen gehört anscheinend dazu (auch wenn es nichts zu beißen gibt). Herr Weber, nehmen Sie das Geld in die Hand und beauftragen Herrn Heidingsfelder oder prüfen Sie die Dissertationen von Herrn Stegner oder Herrn Gysi gleich selbst, dann müssen Sie nicht über politische Weltbilder reden. Im Übrigen danke ich den Damen und Herren, die sich dafür einsetzen, dass Plagiateure überführt werden.

  4. Dresdner Bürger

    Gleiches Recht für alle bitte, auch wenn es sich um die Frau "Bundeshair" oder wen sonst auch immer handelt. Wäre zwar hochnotpeinlich, wenn gleich 2 Bundesverteidigungsminister über denn doch nicht ganz aus der Luft gegriffene Plagiatsvorwürfe "stolpern", aber wenn dem denn so gewesen ist... Es haben schon ganz andere Vergehen, ein paar übriggebliebene belegte Brötchen oder falsch gebongte Pfandflaschen beispielsweise, zum Jobverlust geführt und von Spitzenpolitiker darf man ja wohl Grunderlichkeit erwarten!??

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