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Montag, 20.11.2017

Die Hochstapler von Dresden

Die Gründer der Firma Scaba stellen neuartige Batterien her. Power-Turmbau auch für schwierige Fälle.

Von Jana Mundus

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In diesen Türmen steckt pure Energie. Eigentlich ist Marco Zichner am TU-Institut für Leichtbau und Kunststofftechnik dafür zuständig, dass gute Ideen auf den Markt kommen. Mit einem Kollegen bringt er nun eine eigene Innovation in die Industrie: maßgeschneiderte Batterien, die die Branche revolutionieren könnten.
In diesen Türmen steckt pure Energie. Eigentlich ist Marco Zichner am TU-Institut für Leichtbau und Kunststofftechnik dafür zuständig, dass gute Ideen auf den Markt kommen. Mit einem Kollegen bringt er nun eine eigene Innovation in die Industrie: maßgeschneiderte Batterien, die die Branche revolutionieren könnten.

© Sven Ellger

  • In diesen Türmen steckt pure Energie. Eigentlich ist Marco Zichner am TU-Institut für Leichtbau und Kunststofftechnik dafür zuständig, dass gute Ideen auf den Markt kommen. Mit einem Kollegen bringt er nun eine eigene Innovation in die Industrie: maßgeschneiderte Batterien, die die Branche revolutionieren könnten.
    In diesen Türmen steckt pure Energie. Eigentlich ist Marco Zichner am TU-Institut für Leichtbau und Kunststofftechnik dafür zuständig, dass gute Ideen auf den Markt kommen. Mit einem Kollegen bringt er nun eine eigene Innovation in die Industrie: maßgeschneiderte Batterien, die die Branche revolutionieren könnten.
  • Idee aus Dresden: In einem speziellen Kunststoffgitter werden die Batteriezellen angeordnet und mit einem Kontaktblech verbunden. Stabile Energie.
    Idee aus Dresden: In einem speziellen Kunststoffgitter werden die Batteriezellen angeordnet und mit einem Kontaktblech verbunden. Stabile Energie.

Die Welt der Energie ist farbenfroh. Wer in sie eintaucht, sieht kräftiges Rot, ein Quietschgrün oder einen zarten Fliederton. In dem Karton, den Marco Zichner in der Hand hält, tummelt sich ein Farbenspiel. Darin liegen Batteriezellen. Die kleinen zylindrischen Objekte erinnern an die Batterien, die zu Hause Wecker, Spielzeugauto oder die Taschenlampe zum Laufen bringen. In jeder davon stecken zehn Wattstunden Leistung. Aber sie können mehr – im Verbund. Das Kombinieren dieser Zellen zu leistungsfähigen Batterien ist nicht neu. Doch die Dresdner Firma Scaba hat einen innovativen Weg gefunden, das möglichst effektiv zu tun. Dabei werden Bienen zum Vorbild.

In die Welt der Batterien stolperten Sebastian Prengel und Marco Zichner, die Gründer von Scaba, bereits vor ein paar Jahren. Beide arbeiteten schon damals am Institut für Leichtbau und Kunststofftechnik der TU Dresden. „Das Institut beschäftigte sich mit verschiedenen Projekten auf dem Gebiet der Elektromobilität“, erzählt Zichner. Wichtiger Punkt bei den Fahrzeugen der Zukunft: die Batterie. Die zylindrischen Batteriezellen und die Art und Weise, wie sie dafür miteinander verbunden werden, schauten sich die Wissenschaftler genauer an. „Irgendwann sagte Sebastian Prengel zu mir, er habe eine Idee, wie dieses Verbinden besser klappen könnte.“

Vor allem aus Asien kommen heute Batterien, die aus den Zellen zusammengesetzt werden. Die kleinen Zylinder werden dafür nebeneinandergesetzt und miteinander verschaltet und verschweißt. Dabei kommen kleine Blechstücke zum Einsatz. „Dieser Zellenpack ist am Ende aber wenig stabil“, erklärt Zichner weiter. Deshalb ist drumherum noch ein Gehäuse notwendig.

Stapelweise Energie

Scaba setzt genau bei diesem Problem an. Herzstück der Neuentwicklung ist eine Kunststoffplatte mit Löchern. In diese können die Zylinderzellen gesteckt werden. Sind alle angeordnet, kommt wieder solch eine Platte oben drauf. Das gibt ihnen Stabilität. Nun müssen die Zellen noch miteinander verbunden werden. Auf aufwendiges Verschweißen verzichtet Scaba. Als Verbinder dient ein Kontaktblech. Es gleicht den Waben im Bienenstock und stellt den Kontakt zwischen den einzelnen Elementen her. So entstehen Etage für Etage große Batterietürme. Ob 200, 700 oder auch 1 200 Zellen. Kombiniert werden kann alles. Mit mehreren Speichen wird das Zellpaket anschließend verspannt. „Unsere Batterie ist damit so kompakt, dass sie kein Gehäuse braucht.“

Die Idee ist dem Institut entwachsen. Zichner und Prengel arbeiten zwar noch dort, viel Zeit verwenden sie nebenbei aber auf das Bekanntmachen und Vermarkten ihrer Entwicklung und der gegründeten Firma Scaba. Freiberufler unterstützten das Unternehmen, ein Mitarbeiter wurde eingestellt. „Zum Glück sehen die Verantwortlichen im Institut unser Vorhaben positiv, sonst wäre diese Zweiteilung schlecht möglich“, sagt Zichner. Erste Kunden hat Scaba gefunden. Die sind Automobilzulieferer oder Hersteller von Logistiksystemen und Industrietechnik. Das Plus der Innovation aus Dresden: Weil die verwendeten Kunststoffgitter ganz einfach gekürzt, verlängert oder in eine andere Grundform gebracht werden können, entstehen die Batterien nicht nur in gängigen Varianten. Wer einen runden Bauraum hat, in den eine Batterie muss, bekommt auch das.

Ein Platzproblem

Batterien gehört die Zukunft, davon ist Zichner überzeugt. Theoretisch wären damit Millionenumsätze für Scaba drin. Dafür muss allerdings die Produktionsfläche dringend vergrößert werden. Mehr Platz für eine Firma und das auch noch bezahlbar – so etwas zu finden, ist in Dresden nicht einfach. „Klar gibt es Flächen für Start-ups wie uns, aber auch für die werden hohe Preise verlangt.“ Diesen Ansatz kann er nicht verstehen. In Dresden bräuchte es ein Umdenken, um neue Firmen zu unterstützen. „Kostenlose Flächen oder welche zu einem symbolischen Preis wären sinnvoll.“ Nur so würden sich neue Ideen auch in Dresden ansiedeln.

Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

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  1. Thomas Heber

    Es ist wunderbar, wenn durch derartige Artikel, die hiesige Wirtschaft gefördert wird. Allerdings sollte man bei der Titelwahl gewisse Grenzen nicht überschreiten, um nicht versehentlich einen gegenteiligen Effekt zu erzielen.

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