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Samstag, 30.01.2016

Die große Verunsicherung

Das Virus hat sich dramatisch verbreitet und ist gefährlich für Schwangere. Doch „Zika ist nicht Ebola“, betont die WHO.

Ein Baby mit Mikrozephalie.
Ein Baby mit Mikrozephalie.

© reuters

Rio de Janeiro. Brasiliens Militär hat einer Mücke den Krieg erklärt. 220 000 Soldaten sollen der Aedes aegypti den Garaus machen. Das Zika-Virus hat sich explosionsartig ausgebreitet. Trotz der wohl gerade für Schwangere gefährlichen Epidemie warnt der Leiter der Weltgesundheitsorganisation-Abteilung für Viruskrankheiten, Marcos Espinal, aber vor globaler Panikmache: „Zika ist nicht Ebola“. Die Krankheit werde bekanntermaßen durch diese Stechmücken verbreitet. Der Kampf gegen die Überträger sei daher entscheidend.

In Brasilien gibt es schon 1,5 Millionen Zika-Fälle. Das Virus steht im Verdacht, bei der Infizierung von Schwangeren schwere Fehlbildungen bei deren Babys auszulösen. In Brasilien wurden seit vergangenem Jahr schon 4 180 Fälle von Schädelfehlbildungen (Mikrozephalie) festgestellt. Der Kopfumfang der Babys liege deutlich unter 32 Zentimetern. „Die Kinder sind häufig geistig behindert, weil das Gehirn unterentwickelt ist“, sagt der Leiter der Virusdiagnostik am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM), Jonas Schmidt-Chanasit. 68 Babys starben bisher in Brasilien. Einen Impfstoff gegen Zika gibt es bisher noch nicht.

Das Auswärtige Amt rät Schwangeren von vermeidbaren Reisen in die Verbreitungsgebiete des Zika-Virus ab. Sie dürfen Reisen nach Mittel- und Südamerika in die vom Zika-Virus betroffenen Länder kostenlos umbuchen oder stornieren. Das gilt bei Tui und Thomas Cook für alle Reisen mit Anreise bis 31. März 2016. Voraussetzung sei der Nachweis der Schwangerhaft, erklären die Reiseveranstalter. Doch wie kann man sich vor Ort schützen? Schwangere sollten bei den an sich harmlosen Symptomen wie leichtes Fieber, Hautrötungen und Kopfschmerzen einen Arzt aufsuchen. Für Touristen gilt: lange Kleidung, mit Moskito-Spray einsprühen und in Hotels die Fenster geschlossen halten. Aber: Die Moskitoart ist tagaktiv, was den Zika-Kampf so schwierig macht. Wie hilflos einzelne Regierungen sind, zeigt der Rat, Frauen sollten Schwangerschaften lieber erst mal verschieben – in El Salvador wird sogar geraten, bis 2018 zu warten. (dpa)