Montag, 07.01.2013

Die große Lust auf sich selbst

Mehr als 10.000 Besucher kamen zur Messe „room & style“. Sie etabliert sich immer mehr und verblüfft mit Rückbesinnung auf schöne Klassiker.

Von Peter Ufer

San Sander von dem Modelabel Canuto zeigte ihre Mode bei der „Room & Style“-Messe 2013. Die Halsketten der Modepuppen sind von der Dresdner Goldschmiedin Corinna Engelsman. Am Wochenende informierten sich Tausende Besucher auf der Messe über die Trends. Foto: Amac Garbe
San Sander von dem Modelabel Canuto zeigte ihre Mode bei der „Room & Style“-Messe 2013. Die Halsketten der Modepuppen sind von der Dresdner Goldschmiedin Corinna Engelsman. Am Wochenende informierten sich Tausende Besucher auf der Messe über die Trends. Foto: Amac Garbe

San Sander beschreibt Körper als ihre Landschaften. Die Dresdner Designerin gründete vor drei Jahren das Label „Canuto“. Sie erkunde ihre Kunden, erfahre so deren körperliche und seelische Geografie und lege darüber die Stoffe. Das schaffe individuelle Qualität.

Am vergangenen Wochenende zeigte die junge Designerin – neben 19 weiteren Modemachern aus Sachsen, Deutschland und Österreich – auf der Dresdner Messe „room & style“ ihre neuesten Entwürfe. Zum dritten Mal fand die Messe im Ostragehege statt und etabliert sich immer mehr. 156 Aussteller präsentierten sich, 2012 waren es 125. Kamen im vergangenen Jahr knapp 9.000 Besucher, waren es diesmal über 10.000 Gäste. Zum Erfolgsrezept gehören eine entspannte Atmosphäre und für eine Messe unkonventionelle Öffnungszeiten. Am Freitag war bis 22 Uhr, am Sonnabend bis 21 Uhr geöffnet.

Vor allem aber erfahren die Besucher Anfang des Jahres, wo in der Mode, beim Einrichten, Wohnen und Dekorieren der Trend für 2013 liegt. Bei den Modedesignern wie San Sander ist das klar ablesbar und heißt: Kreative Rückbesinnung auf Individualität und Beständigkeit. Die Lust auf sich selbst macht Mode. In unsicheren Zeiten wird in Qualität mit Materialien aus der Region investiert. Erinnerung an das Altbewährte und der clevere Umgang damit zeigt sich in den Angeboten vor allem der Manufakturen und kleinen mittelständischen Unternehmen.

San Sander sagt: Es geht 2013 bei der Kleidung in der Elbestadt ruhiger zu, fast minimalistisch, die Formen werden perfekter, korrekter. Man erinnert sich an die verbindlichen Standards der Mode, akzentuiert gekonnt, legt Wert auf Proportionen, betont die Taille. Die Farben wirken zurückhaltend. Klassisches hat Klasse und die Stoffe sind haltbar. Auch bei den Männern. Dabei tragen die Herren wieder Seide. Die ist luftig, leicht, angenehm. Die junge Generation der Dresdner Designer entdeckt den Stoff neu, aber matter und kerniger als die Satins von früher. Auch hier kommt der Begriff des Retrodesigns wieder ins Spiel, wobei klassische Formen mit sportivem Chic kombiniert werden. Lässige Eleganz wirkt, dazu trägt der Mann deutlich mehr Accessoires.

Die Messe war auch hier aktuell, denn sie präsentierte handgemachten Schmuck. San Sander arbeitet seit vergangenem Jahr mit der Goldschmiedin Corinna Engelsman zusammen, die gerade dabei ist, in Dresden ihre Werkstatt aufzubauen. Zu Mode und Schmuck passt perfekt die Künstlermesse, die gleichzeitig stattfand und mit 83 Ausstellern ebenfalls wuchs.

Nicht anders verhält es sich mit den Möbeln. Die Designer zeigen auf der Messe ihre Ideen des Rückgriffs auf Vergangenheit und interpretieren so Gegenwart neu. So fasst ein Dresdner Tischler Pendeluhren, die einst in Biedermeierkästen tickten, in schlichte Holzrechtecke. Schränke sind nicht mehr Stauraum für das Wohnsammelsurium, sondern Ordnungsmöbel für alles, was ein Haushalt von heute fassen muss. Das Regal streckt sich für die digitale Zukunft, die ebenso ihre Struktur nötig hat, wie ein Laptop Dateien sortiert.

Unvoreingenommen bemächtigen sich junge sächsische Möbelgestalter der historischen Techniken und zimmern aus edlen Materialien feinste Regale oder Tische, die pure Natürlichkeit ins Zimmer bringen und genau wie die Bekleidung ihrer Bewohner ein langes Leben haben sollen. Stefan Heinz aus Oberhermsdorf nimmt sich beispielsweise klassische Stuhlformen vor, um sie neu zu interpretieren, folgt dem Anspruch, zeitlos, funktional und hochwertig zu sein, und schafft neue Klassiker. Er spielt respektvoll mit der Designkultur, ohne sich Grenzen aufzuerlegen. Diese angenehme Selbstverständlichkeit im Umgang mit dem Altbewährten zeigt sich auch bei Sofas oder Betten. Für San Sander wären es Wohnlandschaften. Und da muss man sich genauso wohlfühlen wie in der Kleidung. Die nächsten Messen room+style, fashion+style und die 3. Dresdner Künstlermesse finden vom 10. bis 12. Januar 2014 statt.