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Freitag, 08.12.2017

Die größte Schmach der Sachsen

Ein Hobbyhistoriker lässt die Schlacht von Kesselsdorf wieder aufleben. Für die Sachsen hätte es anders laufen können.

Von Hauke Heuer

Ex-Kommissar Manfred Buder am einzigen Gedenkstein, der an die Schlacht von Kesselsdorf erinnert. Am Wochenende führt der 67-jährige Geschichtsinteressierte über die Felder und erklärt die Truppenbewegungen, die zur Niederlage der Sachsen und Österreicher führte.
Ex-Kommissar Manfred Buder am einzigen Gedenkstein, der an die Schlacht von Kesselsdorf erinnert. Am Wochenende führt der 67-jährige Geschichtsinteressierte über die Felder und erklärt die Truppenbewegungen, die zur Niederlage der Sachsen und Österreicher führte.

© Andreas Weihs

Kesselsdorf. Dass das beschauliche Dörfchen Kesselsdorf einer der wichtigsten Schauplätze der deutschen Geschichte ist, wird nicht vielen bekannt sein. In der Schlacht bei Kesselsdorf am 15. Dezember 1745 gewannen die Truppen Friedrichs des Großen gegen Sachsen und Österreich und manifestierten so den Anspruch Preußens auf Schlesien. Lediglich ein kleiner Gedenkstein in Kesselsdorf erinnert an das Gemetzel, bei dem rund 20 000 Menschen verwundet oder getötet wurden.

Der Rentner Manfred Buder möchte die Erinnerung an die Schlacht aufrechterhalten. Seit 2004 führt er im Dezember Geschichtsinteressierte in einer großen Wanderung rund um Kesselsdorf über das alte Schlachtfeld und lässt die Geschichte auferstehen. „Ich war schon immer an der sächsischen Geschichte interessiert und habe in Zusammenarbeit mit dem Heimatkreis Kesselsdorf schon oft Vorträge über dieses Thema gehalten“, erklärt der ehemalige Hauptkommissar und fügt hinzu: „Die Schlacht ist alleine deshalb interessant, weil sie die Feindschaft zwischen Sachsen und Preußen begründete und den Verlauf der Geschichte stark beeinflusste.“

Buders kostenfreie Wanderung beginnt am Sonnabend um 12 Uhr vor der Gaststätte „Schützenhaus“ in Steinbach. Die Besucher sollten gutes Schuhwerk anziehen, denn es geht für vier Stunden über Stock und Stein. Kalt wird es auch, aber sicher nicht so klirrend wie im Jahr 1745, als die Hügel rund um Kesselsdorf weiß waren vom Schnee, der in den Vortagen fiel.

Die über 60 000 Soldaten zitterten auf beiden Seiten bereits seit Stunden in ihren Röcken, als der preußische Heerführer Leopold von Anhalt-Dessau um 14 Uhr den Befehl zum Angriff gab. Die folgenden Stunden sollten die entscheidenden der Schlacht werden und die Niederlage der Sachsen und Österreicher besiegeln.

Doch zunächst schien es, als liege das Kriegsglück bei den Sachsen. Der sächsische Feldherr Friedrich August Graf von Rutowski ahnte, dass die Preußen zuerst Kesselsdorf attackieren würden und stellte sieben Grenadierbataillone zur Verteidigung des Dorfes ab. Die sächsische Artillerie verschanzte sich unweit der heutigen Kreuzung von Wilsdruffer Straße und Grumbacher Straße mit 21 Kanonen.

So erlebten die preußischen Soldaten ihr blaues Wunder, als sie aus Nordwesten kommend versuchten, Kesselsdorf zu stürmen. Die Sachsen ließen einen Hagel aus Kugeln niedergehen. Drei Grenadierbataillone und das persönliche Infanterie-Regiment von Anhalt-Dessau wurden zurückgeworfen und erlitten schwere Verluste.

Doch eine Fehlentscheidung des sächsischen Generals der Artillerie von Wilster in Kesselsdorf machte den Vorteil der Sachsen zunichte. Er befahl den Truppen in Kesselsdorf, die im Rückzug befindlichen preußische Infanterie niederzumachen und Kanonen aus einer gegnerischen Stellung zu erbeuten. Die sächsischen Truppen stießen dabei soweit vor, dass die Batterien in Kesselsdorf nicht mehr das Feuer auf die Preußen eröffnen konnten. Dies nutzte Leopold von Anhalt-Dessau, um die Kavallerie angreifen zu lassen, die die feindlichen Truppen überrannte. Die Preußen flankierten daraufhin die sächsische Armee von Norden kommend, und den Sachsen blieb nichts als der ungeordnete Rückzug.

„Was damals geschehen ist, können wir uns heute kaum noch vorstellen“, sagt Bude und fügt hinzu: „Krieg ist immer schlimm, aber dass in wenigen Stunden so viele Menschen in so kurzer Zeit sterben, gibt es heute kaum noch.“