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Freitag, 19.09.2014

Die Folgen des Giftnebels

Die Behörden ermitteln im Pflanzengift-Skandal auf den Mahlitzscher Bio-Feldern. Seit ein Landwirt auf benachbarten Feldern Herbizide verteilte, stimmt etwas mit dem Bio-Gemüse nicht.

Von Dieter Hanke

8 Sorge auf Biohof Mahlitzsch

Mit dem Gemüse stimmt etwas nicht, seit ein benachbarter Landwirt Herbizide einsetzte.
Mit dem Gemüse stimmt etwas nicht, seit ein benachbarter Landwirt Herbizide einsetzte.

© MDR

Der Unkraut-Giftskandal auf den Gemüsefeldern des Mahlitzscher Bio-Hofes zieht Kreise. Besorgte Bürger fragen sich, wieso es passieren konnte, dass so ein aggressives Pflanzengift in unmittelbarer Nachbarschaft der Öko-Bauern fahrlässig von einem konventionellen Landwirtschaftsbetrieb ausgebracht wurde. „Das widerspricht doch allen Regeln einer guten landwirtschaftlichen Praxis. Dadurch ist die Existenz des Bio-Hofes gefährdet. Auch die vielen Kunden haben jetzt den Nachteil“, sagt Renate Schreiber aus Meißen.

Grünen-Kreisrat Peter Wunderwald: „Solche Pflanzenschutzmittel sind doch tickende Zeitbomben. Ihr Einsatz ist ein Verbrechen an der Natur und den Menschen. Nicht umsonst erkrankt doch jeder dritte Bürger in Deutschland an Krebs. Es ist unverständlich, wieso gerade in Nachbarschaft solcher sensiblen Stellen wie die Bio-Felder die Chemiekeule eingesetzt wird“, bemerkt der Kreisrat. Er wolle im Kreistag Meißen dieses Problem ansprechen.

Im Bio-Hof Mahlitzsch herrscht weiterhin Erntestopp. Tomaten, Radieschen, Kohlrabi, Salat, Kohl und weiteres Gemüse sind schon überreif. Die Verluste nehmen zu. „Wir versuchen die Engpässe zu überbrücken, so gut es geht. Andere Bio-Betriebe helfen uns, liefern uns Gemüse zu“, sagt Landwirtschaftsmeister Nikola Burgeff. Der Bio-Hof in Mahlitzsch hat 30 Naturkostläden und weitere Einrichtungen für Bio-Produkte in Dresden als Kunden sowie auch 1.500 Familien in der Landeshauptstadt und benachbarten Kreisen, die mit der Mahlitzscher Ökokiste Gemüse erhalten. Auch Handelspartner wie Naturkost Erfurt haben jetzt große Ausfälle.

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Das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie ermittelt in diesem Fall, wie Sprecherin Karin Bernhardt sagte. Unabhängige Experten haben Proben von Pflanzen und der Böden genommen. Die Bio-Gemüsefelder erstrecken sich auf insgesamt 8,5 Hektar, wo offenbar Giftnebel des Mittels Echelon niederging.

„Die Ergebnisse stehen noch aus“, so die Sprecherin. Auf jeden Fall würden aber Verstöße gegen das Pflanzenschutzgesetz und gegen die Auflagen zum Ausbringen dieses Herbizides vorliegen, die das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) festgelegt hat. So wurden die Abstandsgrenzen von 50 Metern von diesem Betrieb nicht eingehalten Bernhardt: „Das hat Konsequenzen, vermutlich droht dem Landwirt ein Bußgeld“, so Bernhardt. Die Ökobauern hatten beim Landesamt diesen Umweltfrevel angezeigt. Der Landwirtschaftsbetrieb Wolters aus Mochau, der diese Schäden verursacht hat, informierte auch das Amt über den Vorfall.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 8 Kommentare

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  1. elbgeist

    Bei dem Drama um den Bio-Hof wird leicht übersehen daß noch viel mehr Privatgrundstücke an die Felder von den Agrarbaronen grenzen. Welche Auswirkungen hat denn der regelmäßig versprühte Giftcocktail auf die Bewohner - oder atmen die den Nebel nicht ein - und auf das was in deren Gärten wächst. Schön zu sehen waren die frischen Traktorspuren kurz vor der Getreideernte - wenn noch das letzte Unkrautpflänzchen weggespritzt wird, Tage später kommt dann der Mähdrescher und hat garantiert nur Getreide vorm Mähbalken - Guten Appetit.

  2. Johanna

    @ elbgeist: das Ganze ist noch schlimmer! Ich habe gehört, daß das Getreide vor der Ernte nicht wegen des Unkrautes gespritzt wird sondern damit die Getreidekörner gleichmäßiger reifen. Das Vernichten des Unkrauts ist dann nur eine willkommene Nebenwirkung aus dem Giftcoctail.

  3. mike

    "Der Landwirtschaftsbetrieb Wolters aus Mochau, der diese Schäden verursacht hat, informierte auch das Amt über den Vorfall." - dann war es hoffentlich nur Gedankenlosigkeit, wobei die Konsequenzen trotzdem zu tragen sind (Bußgeld, Schadenersatz). Aber eigentlich sollte doch inzwischen jedem klar sein, daß solch ein Giftzeugs nicht auf die Felder gehört.

  4. olidd

    So schlimm das alles auch, wie kommt der Herr Kreisrat auf die Idee, dass jeder 3. Deutsche an Krebs erkrankt? Das wären so 26Mio kranke. Man kann gern Fakten ins Feld führen, aber nicht so etwas.

  5. nonmigrant

    Es wird höchste Zeit dass man die Subvention der Agrarindustrie beendet. Sie vergiftet mit Ihren Pestiziden, Fungiziden, Insektiziden und Pflanzenschutzmitteln die Luft, den Boden und das Wasser. Sie reduziert die Artenvielfalt und zerstört die Kulturlandschaft und die Bodenfruchtbarkeit. Mit ihrer Großfeldwirtschaft provoziert sie Hochwasser und Sturzfluten, die Eigentum und Gesundheit der Menschen gefährdet und mit Ihrer industriellen Tierhaltung setzt sie antibiotikarestistente Mikroben frei und betreibt professionelle Tierquälerei. Und damit das alles so weitergeht hat man die Umweltbehörden dem Sächsischen Landwirtschafts-ministerium unterstellt, welches in seiner im Sinne der Agrarlobby ausgeübten Dienstaufsicht diese in ihren Machenschaften vor den öffentlichen Interessen schützt. Das Problem ist nicht der Landwirt der in dieses Rattenrennen gepreßt wird, sondern die Regierung die ihn nicht davor schützt.

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