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Mittwoch, 10.02.2016

Die Flüchtlingsbibliothek

Bei der Diakonie können Asylbewerber nun selbstständig Deutsch lernen, anstatt nur rumzusitzen. Auch Meißner haben dafür gespendet.

Von Dominique Bielmeier

Schülerin Laura Lässig vom Franziskaneum liest mit Freundin Donya und deren Mutter Maliha Qalandari in einem der gespendeten Bücher in der Migrationsberatung der Diakonie.
Schülerin Laura Lässig vom Franziskaneum liest mit Freundin Donya und deren Mutter Maliha Qalandari in einem der gespendeten Bücher in der Migrationsberatung der Diakonie.

© Claudia Hübschmann

Meißen. Zwei bis drei Stunden könne die Wartezeit bei der Migrationsberatung der Diakonie in der Meißner Wolyniezstraße schon einmal dauern, sagt Sabine Eckelmann vom Bündnis Buntes Meißen. Bisher haben die Asylbewerber diese Zeit mit dem Blick auf kahle Wände oder auf ihr Handy irgendwie totschlagen müssen. Nun sind die Wände nicht nur in Lindgrün und Hellgrau gestrichen, sondern in der Ecke des Raumes, in dem auch Deutschkurse stattfinden, steht auch dieses Regal.

Rund 120 Titel fasst das weiße Möbelstück in Landhausoptik, sie sind mit silbernen Zahlenaufklebern am Buchrücken durchnummeriert. Sprachführer zum Selbststudium sind darunter, Bildwörterbücher, Lexika oder Belletristik auf Arabisch und in anderen Sprachen – alles sehr hochwertiges Material, so Eckelmann. 100 dieser Bücher erreichten die Migrationsberatung aus Frankfurt, im Flur des Hauses stehen noch die Kartons, in denen sie verpackt waren.

Sieben Stunden lang gestrichen

Unter dem Motto „Bücher sagen Willkommen“ richten der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, die Frankfurter Buchmesse und die LitCam – eine „internationale Kampagne zur Alphabetisierung, Grund- und Medienbildung“ – in einer gemeinsamen Initiative „Lese- und Lernecken“ in der Nähe von Flüchtlingsunterkünften ein. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels unterstützte die Aktion mit einem Spendenaufruf, die Frankfurter Buchmesse bot im vergangenen Jahr kostenlose Eintrittskarten und Veranstaltungen für Flüchtlinge auf der Messe an. Ziel der Aktion ist Integration durch Bildung.

Eine solche Leseecke gibt es auf Initiative von Sabine Eckelmann nun auch in Meißen; deutschlandweit ist es nach Hamm (Westfalen), Berlin, Leipzig und zwei in Frankfurt erst die sechste. Neben den Spenden aus Frankfurt haben auch viele Meißner zum Beispiel Kinderbücher oder Spiele für die Flüchtlinge an die Diakonie geschenkt. Auch das Regal ist eine solche Spende.

Am obersten Brett erklärt ein Zettel auf Arabisch, wie die kleine Bibliothek funktioniert: Die Bücher sollen vor Ort gelesen und danach wieder in das Regal zurückgestellt werden. Es gibt jedoch auch die Möglichkeit, sich einen Sprachkurs zum Beispiel längerfristig auszuleihen, sagt Sabine Eckelmann. Die Diakonie führe dann eine Ausleihliste dazu.

Handabdrücke an der Wand

Die Abiturientin Laura Lässig, die bei der Eröffnung der Bücherecke am Dienstagvormittag mit vor Ort ist, hat in einer etwa siebenstündigen Aktion zusammen mit zwei Freunden den Raum in der Wolyniezstraße gestaltet, erzählt sie. Auf einer Seite ziehen sich nun graue und grüne Streifen waagerecht über die Wand, die gegenüberliegende Seite ist mit Handabdrücken in diesen Farben verziert.

An die Migrationsberatung der Diakonie können sich Asylbewerber wenden, die nicht mehr in Erstaufnahmeeinrichtungen leben. Sozialpädagogen wie Kerstin Grimmer helfen dann beispielsweise beim Ausfüllen von Formularen oder beantworten Fragen zur Schulanmeldung der Kinder.

www.buecher-sagen-willkommen.de