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Dienstag, 30.01.2018

Die Eiche steht

Die Baumwurzeln wurden durch Schachtarbeiten beschädigt. Stadt und Baufirma haben nun genaue Absprachen getroffen.

Von Uta Büttner

Die Wurzeln der alten Eiche im neu entstehenden Coswiger Wohngebiet an der Grenzstraße sind durch Schachtarbeiten verletzt worden. Doch der Schaden ist kleiner als zunächst angenommen. Das ergab ein Gutachten.
Die Wurzeln der alten Eiche im neu entstehenden Coswiger Wohngebiet an der Grenzstraße sind durch Schachtarbeiten verletzt worden. Doch der Schaden ist kleiner als zunächst angenommen. Das ergab ein Gutachten.

© Norbert Millauer

Coswig. Etwa 100 Jahre steht die mächtige alte Eiche an der Grenzstraße in Coswig. Der Stammumfang beträgt 2,55 Meter, der Baumkronendurchmesser etwa 16 Meter. „Dieser Baum ist mit Abstand der wertvollste auf dem derzeit neu entstehenden Wohngebiet“ zwischen Grenzstraße, Kötitzer Straße und Am Güterbahnhof in Coswig, sagt Stadtrat Thomas Werner-Neubauer (Grüne). Deshalb wurden bereits im Erschließungsvertrag zwischen der Stadt und dem Käufer, der Firma Ökowert, genaue Maßnahmen, vor allem zum Schutz der Stieleiche und zweier weiterer besonderer Bäume, verankert. So umfasst laut Vertrag der zu schützende Wurzelbereich die Kronenausdehnung zuzüglich 1,50 Meter.

Doch daran wurde sich bei den ersten Schachtarbeiten im vorigen Jahr nicht gehalten. So entstanden zwei Gräben für Medien wie Gas, Strom, Wasser, Abwasser zu nahe an den Wurzelbereichen. Einer davon verläuft rechtwinklig zur Grenzstraße in nur etwa 1,60 Meter vom Stamm der Eiche entfernt. Wurzeln wurden dabei abgerissen. Wie viele und wie hoch der entstandene Schaden ist, war zunächst unklar und musste dringend geklärt werden. Denn es war davon auszugehen, dass keine Statik mehr gegeben war. Thomas Werner-Neubauer schätzte ein, dass Wurzeln mit einem Durchmesser von sechs bis acht Zentimetern abgerissen wurden.

Die Stadt musste eingreifen und verhängte zunächst einen Baustopp, weil die Baumaßnahmen nicht ausreichend abgestimmt wurden. So weiß zwar auch Bauamtsleiter Wolfgang Weimann, dass ein Eingreifen in den Wurzelbereich in dem neuen Wohngebiet nicht ausbleibt, doch „die Frage ist, wie stark. Das muss so behutsam wie möglich erfolgen“. Auch gefiel der Stadt nicht, dass zwei Gräben geschachtet wurden. Aber „der Bauherr zeigte sich mehr als einsichtig“, sagt Wolfgang Weimann. So gab es inzwischen genaue Absprachen zwischen Stadt und Ökowert. Unter anderem wird es nur einen Graben für die Medien geben, und zwar so dicht wie möglich an der Grundstücksgrenze.

Zudem sollte ein Baumgutachten in Auftrag gegeben werden, was Ende Dezember durch Ökowert erfolgte. Seit gestern liegt es nun vor. Daraus ergibt sich, dass der Wurzelschaden nicht so groß ist wie zunächst angenommen. So sind lediglich zwei sogenannte Starkwurzeln mit einem Durchmesser größer fünf Zentimeter beschädigt. Trotz der Wurzelverletzungen, allerdings vornehmlich der Feinst- und Feinwurzeln, schätzt der Gutachter, Forstingenieur Joachim Steglich, den Baum als standsicher ein.

Allerdings bestehe ein erheblicher Schaden, der sich auf die Vitalität des Baumes auswirke. Der Gutachter empfiehlt deshalb eine zeitnahe Bestreichung der beschädigten Wurzeln mit Wundverschlussmittel und das Glattschneiden abgerissener Wurzeln. Außerdem sind laut Gutachten Maßnahmen zur Anregung neuen Wurzelwachstums vorzunehmen. Ökowert wird laut Geschäftsführer Sascha Hippe für diese Arbeiten die Firma Garten- und Baumpflege Tobias Knibbe für Landespflege aus Coswig beauftragen. Weiterhin empfiehlt der Gutachter nach Zustimmung der Stadtverwaltung ein baldiges Zuschütten des Grabens.

Sascha Hippe gibt zu: „Das hätte alles wesentlich besser laufen müssen. Da ist uns ein kleiner Planungsfehler passiert.“ So sei in den textlichen Ausführungen im Bebauungsplan auf den Umgang mit den bestehenden Bäumen und deren Wurzelbereiche in den privaten Grundstücken nur ungenau Bezug genommen worden. Doch „in einer guten Zusammenarbeit mit der Stadt Coswig wurden die Anforderungen an den Baumschutz in den privaten Bereichen noch mal eindeutig besprochen. Wir hoffen, dass wir nun allen Interessenvertretern gerecht werden“, sagt Sascha Hippe.

Schlussfolgerungen für die Zukunft hat Ökowert als ausführendes Unternehmen gezogen. „Da bezüglich der Bäume und des Wurzelschutzes bei öffentlichen Erschließungen und privaten Bauausführungen unterschiedliche Vorgaben existieren, haben wir beschlossen, bei zukünftigen Plangebieten mit Bestandsbäumen die Anforderungen des Wurzelschutzes in den textlichen Festsetzungen zum Bebauungsplan zu integrieren. Wir gehen davon aus, dass damit zukünftig solche Schäden weitgehend ausgeschlossen werden“, sagt Sascha Hippe.

Das Alter der Stieleiche schätzte der Gutachter Joachim Steglich in Anlehnung an das Bestimmungsbuch von Alan Mitchell, Die Wald-und Parkbäume Europas (Paul Parey Verlag).