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Samstag, 19.01.2013

Die Edelziege aus Plauen

Mit Luxusmode aus feinstem Cashmere sorgt die Mongolin Saruul Fischer für Furore auf der Fashion Week in Berlin.

Von Michael Klug

Gar nicht zickig: Designerin Saruul Fischer will mit Cashmere-Wolle eine Brücke aus Sachsen in ihre Heimat bauen. Foto: dapd
Gar nicht zickig: Designerin Saruul Fischer will mit Cashmere-Wolle eine Brücke aus Sachsen in ihre Heimat bauen. Foto: dapd

Plauen. „Edelziege“ – schon der Name des kleinen Modelabels lässt einen schmunzeln. Sofort tauchen Bilder auf von eleganten Damen mit divenhaften Allüren. Das Wortspiel passt: Pullover, Kleider, Röcke oder Schals sind ausschließlich aus dem Unterhaar der Cashmere-Ziege gemacht. Sie gilt bis heute als der exklusivste aller Wolllieferanten. Die Gründerin und Designerin der „Edelziege“ heißt Saruul Fischer. Die gebürtige Mongolin hat vor fünf Jahren das Unternehmen im sächsischen Plauen aus der Not heraus aufgebaut.

In diesem Jahr präsentierte die 37-Jährige erstmals ihre Kollektion auf der Fashion Week und schickt sich an, den europäischen Markt mit ihren ökologischen Textilien zu erobern. Gemessen an der Reaktion der 300 Zuschauer im Berliner Umspannwerk dürfte dem Erfolg von Edelziege nichts im Weg stehen. Begeistert reagierte das Publikum auf die klassischen Schnitte, gedeckten Farben und den edlen Cashmere-Look.

„Es ist äußerst luxuriös und trotzdem tragbar“, sagt eine Studentin im Anschluss in die knapp halbstündige Show. Und die Journalistin eines Schweizer Öko-Magazins attestierte Fischers Kollektion absolute Marktreife. „Häufig ist reine Öko-Kleidung nicht alltagstauglich. Für Saruul Fischer gilt das nicht.“

Mehr Lob dürfte sich eine junge Modeschöpferin bei ihrem ersten Auftritt auf einer ernst zu nehmenden Modenschau nicht wünschen können. Für die Plauener Modeschöpferin Fischer nimmt damit aber auch ein Leben eine Wende, die etwas Aschenputtelhaftes hat.

Es war 1986, als Saruul Wandan mit ihren Eltern von der Hauptstadt Ulan Bator in die DDR zog. Der Vater arbeitete als Dolmetscher, doch als die Wende kam, starb er, und die Familie verarmte. Saruul Fischer schaffte dennoch das Abitur und studierte Kommunikationswissenschaften. Sie verliebte sich, wurde schwanger und zog nach Plauen im Vogtland.

„Ich hatte in der Zeit große Sehnsucht nach zu Hause und suchte nach einem Weg, mein Leben in Deutschland mit der Heimat zu verbinden“, sagt sie. Diesen Weg fand sie in einer Kombination aus Kreativität, ihrem Interesse für Mode und der exklusivsten Ressource der Mongolei, der Cashmere-Wolle.

Plötzlich sei ihr klar gewesen, was sie machen will, sagt Fischer. Sie fuhr in die Mongolei und suchte nach Partnern, mit denen sie ihren Plan von einem Modelabel für Cashmere-Mode umsetzen kann. Fündig wurde sie bei kleinen Strickereien, die nicht unter dem Margendruck westlicher Großabnehmer stehen. Zudem legte sie Wert auf soziale Arbeitsbedingungen für die meist weiblichen Arbeiter. In einer gleichaltrigen Designerin aus Ulan Bator fand sie überdies eine Mitstreiterin, die das nötige technische Know-How besitzt.

Bei ihrer Mode integriert sie sogar jene Plauener Nadelspitze, für die die Stadt einst berühmt wurde. Und sollte sich ihre Geschäftsidee, Kleidung aus reinem Cashmere in Europa zu verkaufen, durchsetzen, würde sie sich für beide Lebenswelten freuen. „Wenn es mir gelingt, Arbeitsplätze in der Mongolei und in Deutschland zu schaffen, könnte ich jedem etwas zurück geben“, sagt Fischer bescheiden. (dapd)

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