erweiterte Suche
Mittwoch, 30.08.2017

„Die Chance ist größer als null“

Tilo Kießling (Linke) will im Bundestag für mehr soziale Gerechtigkeit sorgen.

Von Andreas Weller

Tilo Kießling mag Gorbitz. Die Plattenbauten gelten zwar als sozialer Brennpunkt, doch das Viertel sei dennoch schön. Eine bessere Verteilung des Geldes soll den Brennpunkt entschärfen.
Tilo Kießling mag Gorbitz. Die Plattenbauten gelten zwar als sozialer Brennpunkt, doch das Viertel sei dennoch schön. Eine bessere Verteilung des Geldes soll den Brennpunkt entschärfen.

© Sven Ellger

Nach mittlerweile 22 Jahren im Stadtrat hat Tilo Kießling (Linke) Lust auf mehr. Der Politiker möchte in den Bundestag und dort „für Stabilität in der Gesellschaft sorgen“, wie er sagt. Der Bundestag sei zwar eine andere Ebene: „Aber die Mechanismen sind gleich“, ist er sich sicher. Die soziale Spaltung könne er aber am besten von dort aus bekämpfen.

Diese Spaltung werde bereits in seinem Wahlkreis Dresden/Bautzen deutlich. In Wachwitz etwa wohnen die reichsten Menschen und in Gorbitz die ärmsten. „Ich möchte eine bessere Durchmischung. Die Leute sollen nicht wegen ihres geringen Einkommens in Gorbitz wohnen müssen, sondern weil sie es wollen.“ Denn das sei ein schöner und durchdacht geplanter Stadtteil. Um Geld gerechter zu verteilen, gebe es – wie bei vielen Themen – mehrere Ansätze. Die Linke fordert beispielsweise einen Mindestlohn von zwölf Euro und ein niedrigeres Mietniveau. „Wir wollen im Bund auf die Regeln und Gesetze im Interesse der Mieter einwirken.“ Deshalb solle jedes Gesetz geprüft werden, ob durch kleine Veränderungen Verbesserungen für die Bürger erreicht werden können.

Auf Bundesebene im Zweifel auch Regierungsverantwortung zu übernehmen, davor hat Kießling keine Angst: „Ich habe die Linke in Dresden ja auch bereits in die Mehrheit im Stadtrat geführt.“ Da war er hier noch Parteichef. Und auch wenn es im Bund um das große Ganze geht, also Gesetze für die Bürger umzusetzen und Regeln für das Zusammenleben aufzustellen, könne man als Abgeordneter doch immer auch etwas für „Spezialzwecke“ erreichen. „Das funktioniert dann aber eher durch Erfahrung und Kontakte in Ministerien“, so der 46-Jährige. So könne es beispielsweise auch beim Fernsehturm in Wachwitz laufen. Der Bund könnte als Aktionär auf die Telekom einwirken. „Ich wundere mich nur, dass die Dresdner Bundestagsabgeordneten das offenbar noch nicht getan haben.“

Kießling gehe es darum, ein Bündnis mit den Menschen im Wahlkreis einzugehen. „Dazu gehört es auch, Projekte zu unterstützen. Die erste Aufgabe als Abgeordneter ist, zu schauen, was man tun kann.“ So bürgernah versucht der dreifache Vater, der in der Neustadt lebt, auch seinen Wahlkampf zu machen. Insgesamt gibt es 68 Termine, an denen Interessierte ihn an jeweils einem bestimmten Ort zum persönlichen Gespräch treffen können.

„Es würde den meisten Menschen besser gehen, wenn sie die Linke wählen“, ist Kießling überzeugt. Ausnahme sind die „Superreichen“, denen sie höhere Steuern abknöpfen würden, um das Geld gerechter zu verteilen. Deshalb kämpft der Geschäftsführer des Jugendhilfeträgers Roter Baum auch um das Direktmandat. „Die Chance ist zumindest größer als Null!“ Zumal Kießling nur sich selbst und den Wählern verpflichtet sei. Denn er hat keinen Platz auf der Landesliste der Linken, über die Kandidaten nach Anzahl der Zweitstimmen Abgeordnete werden können. „Das Direktmandat würde mir eine große Freiheit geben“, so Kießling. So könne er sich auch zu einzelnen Punkten des Wahlprogramms der Linken abgrenzen. Welche er konkret meint, sagt er aber lieber nicht.

BISHER ERSCHIENEN:

Andreas Lämmel (CDU):
„Wir lassen uns von Pegida nicht die Tagesordnung diktieren“

Christoph Blödner (FDP):
„Wir brauchen keine neuen Gesetze“

Anka Willms (AfD):
„Ich bin rechts, aber nicht radikal“