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Donnerstag, 05.10.2017

„Die besten Spieler werden immer weggekauft“

Das frühere Mittelfeld-Ass Ralf Hauptmann kümmert sich heute bei Dynamo Dresden um den Fußball-Nachwuchs.

Von Manfred Müller

Ralf Hauptmann ist Initiator und Leiter der Dynamo-Dresden-Fußballschule am Messering 4.
Ralf Hauptmann ist Initiator und Leiter der Dynamo-Dresden-Fußballschule am Messering 4.

© SZ/Thomas Lehmann

Schönfeld. Moderator Gert Zimmermann hatte beim Schönfelder Fußball-Podium eine Idee. Dynamo-Sportdirektor Ralf Minge kennt den ehemaligen Dresdner Stammtorhüter und Publikumsliebling Stanislaw Tschertschessow ziemlich gut. Dieser ist mittlerweile zum russischen Nationaltrainer aufgestiegen und dürfte Wladimir Putin gut kennen. Putin war als KGB-Mann in Dresden stationiert und hat sowohl ein Herz für die Stadt und wohl auch für den Fußball. Da dürfte es doch nicht so schwer sein, über Russlands Präsidenten den Energieriesen Gazprom, an dem der Staat eine Aktienmehrheit hält, als Financier zu gewinnen. Was in Leipzig mit Red Bull derzeit bestens funktioniert, sollte doch auch in Dresden zu machen sein.

So viel Welt-Fußballpolitik im kleinen sächsischen Örtchen Schönfeld entlockte Ralf Hauptmann dann doch ein ironisches Lächeln. Der heute 49-Jährige spielte zwischen 1981 und 1993 bei Dynamo Dresden. Als der begabte Mittelfeldspieler den Zenit seines Könnens erreichte, ging es mit Dynamo leider gerade steil bergab, sodass er zum Bundesligisten Köln wechselte. Nach dem Ende seiner Laufbahn leitete Hauptmann von 2008 bis 2010 das Dresdner Nachwuchsleistungszentrum und danach bis zum heutigen Tag die Fußballschule der SG.

„Wir brauchen nicht bloß Kaviar und Champagner“, hielt er den Zimmermann´schen Träumen vom großen Geld entgegen. „Wir brauchen vor allem eine gut funktionierende Nachwuchsarbeit.“ Zumal sich Dynamo mit dem Problem aller aufstrebenden Fußballvereine konfrontiert sehe: Die besten Spieler werden regelmäßig von finanziell potenteren Klubs weggekauft. Ralf Hauptmann ging seine ersten fußballerischen Schritte bei Stahl Riesa, jenem Verein, bei dem Vater Reinhard über die Jahre den Status einer Kicker-Legende erreicht hatte. Schon als Jugendlicher wechselte er zu Dynamo, wo er später in die Fußstapfen des Mittelfeld-Asses Reinhard Häfner trat.

Mittlerweile greifen die Hauptmann´schen Fußball-Gene bereits in dritter Generation. Sohn Niklas (21) hat den Sprung ins Dresdner Zweitliga-Team geschafft. Veranlagung sei aber nur das eine, sagt Vater Ralf. Um in der Bundesliga bestehen zu können, brauche es auch Ehrgeiz und eine gewisse Härte. Da sei es gar nicht so schlecht, vom Trainer ab und zu mal einen Tritt in den Hintern zu bekommen. Hauptmann weiß, wovon er spricht. Hat er doch etliche Jahre seiner Dynamo-Zeit unter Eduard Geyer absolviert, der als berüchtigter Schleifer galt. Bei seinen drei Söhnen hat sich der Fußballlehrer allerdings zurückgehalten. „Der Wille, etwas zu erreichen, muss von innen kommen“, sagt er. Bei Niklas sei das der Fall, er brauche die väterlichen Kommentare eigentlich nicht.

Das erste Schönfelder Fußball-Podium nach der Sommerpause war mit 35 Gästen etwas spärlich besucht. Aber die verbrachten mit dem sachlich und eloquent auftretenden Ralf Hauptmann einen angenehmen Abend. Dass die Bundesligaträume der Dynamo-Fans noch nicht erfüllt werden konnten – was soll´s! Die Mannschaft habe trotzdem eine Traum-Saison gespielt, und wenn es im Moment nicht so gut laufe, liege das auch an der finanziellen Situation des Vereins. Die sei nun mal nur drittligatauglich. Ein wenig Geduld und Optimismus müsse man da schon mitbringen. Das sahen auch die Schönfelder nicht anders, und so endete der Abend ausgesprochen harmonisch.

Zum nächsten Fußball-Forum, das am 26. Oktober stattfindet, kommt entweder der frühere Oberliga- und Bundesliga-Schiedsrichter Bernd Heynemann oder der DDR-Nationaltorwart René Müller nach Schönfeld.

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