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Donnerstag, 28.09.2017

Dicke Fische aus dem Töpelwinkel

Die Forellen von Fisch-Schnek werden gern gegessen. Aber Räuber und heiße Sommer machen dem Erzeuger das Leben schwer.

Von Jens Hoyer

Matthias Schnek hält am Mühlgraben im Töpelwinkel eine Lachsforelle in den Händen. Nach drei Jahren ist sie etwa drei Kilo schwer und schlachtreif. Beim Fischerfest in Limmritz gibt es die Delikatessen aus dem ‚Töpelwinkel wieder zu kosten.
Matthias Schnek hält am Mühlgraben im Töpelwinkel eine Lachsforelle in den Händen. Nach drei Jahren ist sie etwa drei Kilo schwer und schlachtreif. Beim Fischerfest in Limmritz gibt es die Delikatessen aus dem ‚Töpelwinkel wieder zu kosten.

© Dietmar Thomas

Döbeln. Der Kunde verlangt vier Forellen. „Aber nicht so große“, sagt er. Matthias Schnek geht eine Etage hinunter in den Schlachtraum. Mit wenigen Handbewegungen nimmt er die Forellen aus. „Darin habe ich Übung. Wenn sie schon tot sind, schaffe ich acht Stück in der Minute“, sagt er.

Bis vor Kurzem tummelten sich die silbrigen Fische mit dem markanten Regenbogenstreifen noch draußen im Mühlgraben bei den Artgenossen, die in Hälternetzen ihre Runden ziehen. Nach zwei Jahren haben die Regenbogenforellen Speisefischgröße und 400 bis 600 Gramm Gewicht. Nach drei Jahren sind es dann schon drei Kilo. Und aus den Forellen sind Lachsforellen geworden. Im Grunde sind das die gleichen Fische, erklärt der Fischwirt. „Wir stellen aber das Futter um.“ Die Forellen bekommen Pellets mit Beta-Carotin zu fressen. Der rote Farbstoff ist in Möhren enthalten, aber auch in kleinen Krebsen, von denen zum Beispiel die Lachse ihr rötliches Fleisch bekommen. „Wenn sie das nicht fressen, haben alle Salmoniden weißes Fleisch“, sagt Schnek.

In den „R-Monaten“ ab dem Herbst geht das Geschäft der Fischhändler erst richtig los. Dann eröffnet Fisch-Schnek auch seinen Laden an der Marktstraße in Döbeln wieder. In den Sommermonaten ist der geschlossen, weil die Nachfrage dann nachlässt, erzählt Matthias Schnek. Im Sommer kaufen die Leute die Forellen lieber schlachtfrisch im Töpelwinkel.

Neben der Forelle ist der Karpfen immer noch der Lieblingsfisch der Deutschen. Die kauft der Händler von anderen Fischerzeugern zu, ebenso wie Stör, Hecht, Wels und Schleie, von denen nur vergleichsweise geringe Mengen verkauft werden. Alle Forellen kommen aus der eigenen Produktion. Die Aufzucht erfolgt im Teich in Limmritz. Die Setzlinge haben 20 bis 25 Gramm und werden dann aufgepäppelt. Aber das ist nicht immer einfach und das aus mehreren Gründen. Es werde für die Fischwirte immer schwieriger, über die Runden zu kommen, sagt Schnek

Das Problem in der Zschopau sind die gestiegenen Wassertemperaturen. In heißen Sommern wird den Forellen der Sauerstoff knapp. „In den beiden vergangenen Jahren gab es Verluste von 35 bis 40 Prozent“, sagt Matthias Schnek. „Wenn die Fische sterben, haben wir schon eine Menge Geld investiert. Die Tonne Fischfutter kostet 1 400 Euro. Und davon brauchen wir einige.“

Schnek erklärt ein grundsätzliches Problem: Nach dem Umbau der Wasserkraftanlage an der Talsperre Kriebstein wird in den Sommermonaten mehr warmes Oberflächenwasser in den Fluss eingeleitet. Früher sei mehr vom kühlen Tiefenwasser in den Fluss gelangt, erklärt Schnek. Zehn Kilometer unterhalb der Sperrmauer macht sich dieser Umstand bemerkbar. Dieses Jahr sei es aber dank des wechselhaften Wetters besser gelaufen.

„Wir sind von der Natur abhängig“, erzählt Schnek. Und damit meint er nicht nur die Wassertemperaturen. Raubmöwen, Graureiher und manchmal auch der Kormoran holen sich ihren Anteil. Auch der Mink, der eingeschleppte Amerikanische Nerz, ist ein bedeutender Fischräuber. Mittlerweile sei er von anderen Invasoren verdrängt worden: den Waschbären. „Die holen sich Fische en gros, die klettern sogar in die Netze hinein. In Limmritz haben sie uns sogar die Futtersäcke aufgerissen. Wir mussten die Halle mit einem Weidezaun sichern“, sagt Matthias Schnek. Sein Eindruck: Auch unter den Vögeln hat der Räuber gründlich aufgeräumt. Einem Entenpaar in der Fischanlage wurde viermal das Nest ausgeräumt. „Für Waschbären gibt es keine Abschussprämien, deshalb haben die Jäger kein großes Interesse, sie intensiv zu bejagen. Jeder Schuss kostet Geld“, sagt Schnek.

Am 7. und 8. Oktober wird Fisch-Schnek seinen Kunden wieder auftischen. Dann gibt es am Limmritzer Viadukt das Fischerfest in seiner 26. Auflage. Viele Sorten Fisch sind im Angebot, lebend und küchenfertig, geräuchert, als Fischbrötchen und in Form von Fischsuppe aus der Feldküche. Dazu gibt es noch Ponyreiten und ein Karussell für die Kinder.