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Der Wunschtrainer verlässt die Wohlfühloase

Franz Steer kommt aus Bayern nach Dresden. Die Eislöwen sind erst sein dritter Klub als Coach.

11.05.2017
Von Maik Schwert

htrainer verlässt die Wohlfühloase
Er bleibt bis Donnerstag in Dresden. Franz Steer muss noch einiges klären. Nach der Sommerpause legt er richtig los. Aber Eishockey ist irgendwie immer – und jetzt gerade WM.

© Robert Michael

Der Mann steht für langfristige Engagements. Die Eishockeyklubs, die er bisher betreute, kann Franz Steer an zwei Fingern abzählen: Erding von 1999 bis 2007 und Rosenheim von 2008 bis 2017. „In der Zeit haben die meisten meiner Kollegen einige Stationen mehr auf dem Buckel als ich“, sagt er am Mittwoch bei seiner Präsentation als neuer Coach der Dresdner Eislöwen. Da steht der 58-Jährige aus Geisenhausen in Niederbayern im Presseraum der Energieverbundarena auf der anderen Seite als bisher – als Heim- statt Gästecoach.

Ob er so lange bleibt wie bei den Vereinen in seiner Heimat, kann Steer natürlich nicht sagen. Der unterschriebene Vertrag gilt bis 2018 mit der Option auf noch eine Saison. „Da reden wir im Januar drüber. Wenn es funktioniert, bleibe ich – falls nicht, ist der Trainer der Erste, der fliegt.“

Viel spricht dafür, dass es gutgeht mit ihm und den Eislöwen. „Wir hatten eine riesengroße Anzahl an Bewerbern“, sagt deren Geschäftsführer Volker Schnabel. 40 Interessenten hätte es gegeben. Steer gehörte nicht dazu: „Ich habe mehrere Angebote bekommen und mich nirgendwo beworben.“ Schnabel klärt auf: „Franz war von Beginn an unter allen Kandidaten meine Nummer eins. Ich habe alles auf ihn gesetzt und mit ihm das einzige Gespräch in Dresden geführt. Ansonsten gab es nur noch zwei, drei Telefonate.“ Er nennt einige Gründe, die für Steer sprechen: „Franz ist ein extrem erfahrener Coach. Er identifiziert sich immer zu 100 Prozent mit seinem Klub, fördert die Jugend und kann mit Budgets im Mittelfeld der Liga umgehen.“ Das hat Steer mit den Starbulls bewiesen. Er führte sie 2010 aus der Ober- in die 2. Bundesliga und 2011 zum Pokalerfolg.

Zur Feier des Tages trägt Schnabel extra eine Trachtenjacke, damit Steer sich wie zu Hause fühlt, denn das sei die größte Hürde beim Verhandeln gewesen: ihn aus seiner Wohlfühloase herauszulocken. „Franz trainiert erstmals außerhalb von Bayern.“

In seiner Zeit als Verteidiger war das anders. Da spielte er nach dem Gewinn der Meisterschaft mit Landshut 1983 einige Jahre in Berlin. „Damals war ich noch jung und habe das Leben in der Hauptstadt genossen“, sagt Steer. Jetzt sei es eine andre Herausforderung, die Familie, die ihm „extrem wichtig“ ist, zu verlassen. „Wir haben die Situation lange gemeinsam diskutiert.“ Am Ende rieten ihm sein Stiefsohn Gerrit Fauser, der derzeit für Deutschland bei der WM spielt, und seine Frau, die als Eiskunstlauftrainerin arbeitet, zu diesem Schritt. „Natürlich müssen wir Kompromisse eingehen – mal sehen, wie das klappt.“

Helfen dürfte ihm dabei, dass er einen wichtigen Mann an seiner Seite schon lange kennt: Assistenzcoach Jochen Molling. Beide liefen sich erstmals als Spieler in Berlin und dann als Trainer in Rosenheim über den Weg. „Franz bekommt an der Bande auch künftig Hilfe von unserem Nachwuchschefcoach“, betont Schnabel und ist wieder bei einem Aspekt, den auch Steer heraushebt: „Ich bin ein Freund und Unterstützer eigener Nachwuchstalente. Diesen Prozess müssen wir anschieben. Das kann auch einige Jahre dauern.“ Dresden biete dafür ideale Voraussetzungen.

Er erwartet von den Eislöwen, dass alle von oben bis unten eine Linie fahren. Das sei in Erding und Rosenheim sein Erfolgskonzept gewesen. „Uns bringt kein Profi etwas, der 30 Tore schießt, aber schlecht für die Mannschaft ist. Wir müssen nicht die besten, sondern die richtigen Spieler finden – die, die gut fürs Team sind.“