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Freitag, 25.11.2016 01:00 Uhr

Der Vorhang fällt

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Renate Fiedler kennt jeden Winkel im Meißner Theater. Auch den kleinen unsichtbaren Sehschlitz am Inspizientenpult. Dessen Geheimnis hat die scheidende Geschäftsführerin jetzt „gelüftet“. | Foto:T. Riemer
Renate Fiedler kennt jeden Winkel im Meißner Theater. Auch den kleinen unsichtbaren Sehschlitz am Inspizientenpult. Dessen Geheimnis hat die scheidende Geschäftsführerin jetzt „gelüftet“. | Foto:T. Riemer
  • Renate Fiedler kennt jeden Winkel im Meißner Theater. Auch den kleinen unsichtbaren Sehschlitz am Inspizientenpult. Dessen Geheimnis hat die scheidende Geschäftsführerin jetzt „gelüftet“. | Foto:T. Riemer
    Renate Fiedler kennt jeden Winkel im Meißner Theater. Auch den kleinen unsichtbaren Sehschlitz am Inspizientenpult. Dessen Geheimnis hat die scheidende Geschäftsführerin jetzt „gelüftet“. | Foto:T. Riemer

„Wenn sich für mich im Januar 2017 als Theatergeschäftsführerin der letzte Vorhang im Meißner Theater schließt, dann...“ Renate Fiedler hat schon ein paar Stichpunkte zu Papier gebracht, die sie bewegen werden, die sie loswerden will. „Freude und Erfüllung“ empfindet sie nach fast 13 Jahren. In dieser Zeit, so hat sie errechnet, hat sich der „wunderbare taubenblaue Samtvorhang“ rund 1 500 Mal für über 400 000 Besucher geöffnet. Sie sei dem Mitarbeiter-Team dankbar für die „konstruktive und schöpferische Zeit des Miteinanders“. Sie wünscht dem Theater weitere 165 Jahre Bestand und ihrer Nachfolgerin Ann-Kristin Böhme „toi, toi, toi“ für die nächsten Theaterjahre in Meißen. Danken möchte sie allen Theaterbesuchern, den Amateurgruppen und den Mitgliedern des Theater-Freundeskreises für die Treue, Verbundenheit und Offenheit „in guten wie in schlechten Zeiten“. Aus. Vorbei.

Wirklich? Natürlich nicht. Denn Renate Fiedler wäre nicht Renate Fiedler, wenn sie solch einen eher „schmucklosen“ Abgang aus „ihrem“ Theater wählen würde. Nein, sie hat noch ganz und gar nicht abgeschlossen mit diesem schönen Teil ihres Berufslebens. Jeder Winkel des Hauses am Theaterplatz ist ihr vertraut. Und fast jeder Raum weckt Erinnerungen, Gefühle, kleine Geheimnisse.

„Von dieser Stelle hängt fast alles bei einer Vorstellung ab. Und dort stehe ich auch selbst sehr gern“, sagt Renate Fiedler. Vom sogenannten Inspizientenpult gleich neben der Bühne, unsichtbar für die gebannten Besucher, nämlich hat man den besten Überblick während einer Vorstellung. Das Pult gibt den Blick frei für die Bühne – und einen Teil des Publikums. Renate Fiedler lüftet das Geheimnis: Ein kleiner verschließbarer Sehschlitz macht es möglich, unscheinbar, aber für sie eine Art Stimmungsbarometer. Denn der Schlitz lässt Einblicke in die Gefühlswelt des Publikums zu. Rein zufällig steht die große Pult-Uhr auf 23 Uhr. Irgendwann wird Renate Fiedler wohl um diese Zeit zum letzten Mal hier stehen.

„Ich gehe mit Freude, Gelassenheit und Wehmut“, sagt die gerade 65 gewordene Intendantin. Sie ist zufrieden mit dieser Feststellung und dem Blick auf eine „wunderbare Zeit“. Nach und nach habe sie gemerkt, dass der Job an die Physis geht. Der tägliche Aufwand für Verwaltungsangelegenheiten, Spielplan-Verträge, Planungen. Und es ist kein Geheimnis, dass Renate Fiedler, je näher eine Vorstellung rückt, umso mehr „unter Strom“ steht. Jedes Detail muss stimmen – von der Weintemperatur im Foyer bis zur Künstlergarderobe.

Letztere ist „ein geheimnisvoller Ort“, sagt die Chefin mit verschmitztem Lächeln. Renaste Fiedler hat fast alle Künstler im Hause persönlich begrüßt und gesprochen. „Es gibt verschiedene Künstlertypen: die aufgeregten mit großem Lampenfieber oder auch ganz extravagante“, sagt sie. Iris Berben, die jüngst in der Domstadt gastierte, habe sie als hochkonzentrierte, freundliche, sympathische Künstlerin empfunden. „Je berühmter sie sind, umso einfacher werden sie wieder“, sagt die Intendantin und erinnert sich daran, dass Armin-Mueller-Stahl vom Künstler-Büfett bescheiden einen Kräutertee erbat. Andere seien weniger „pflegeleicht“ gewesen. Da war so manche Catering-Bitte für die Garderobe überzogen, scherte sich nicht jeder ums Rauchverbot im ganzen Gebäude. Aber da hatten sie, was nicht anders zu erwarten ist, die Rechnung ohne die Hausherrin gemacht!

„Das Theater braucht jetzt einen Generationswechsel“, sagt Renate Fiedler. Sie wird im Januar ihre Nachfolgerin einarbeiten und ihr – darauf kann man wetten – ein intaktes Haus mit exzellenten Voraussetzungen übergeben. Dann fällt der letzte Vorhang. Endgültig.

„Ich habe viele Ideen, an die ich aber jetzt noch nicht denken kann und will“, plaudert Renate Fiedler ein wenig zu ihren Zukunftsplänen. Konkret ist da noch gar nichts. „Das schwankt zwischen Ehrenamt oder auch einer Sommertätigkeit bei den Salzburger Festspielen“, sagt sie. „Alles ist offen.“

Fest steht wohl: Renate Fiedler wird nicht „gar nichts“ tun. Höchstens kürzertreten. „Natürlich werde ich etwas machen. Aber mit weniger Druck.“ Und im Theater Meißen wird sie dann nicht mehr hinter, sondern vor der Bühne sein. Im Sitzen.

Theater Meißen

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