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Mittwoch, 27.01.2016

Der Treck gen Westen geht zu Ende

Im Osten auf Wanderschaft – wie Umzüge die demografische Landkarte zwischen Rügen und Erzgebirge verändern.

Von Peter Heimann, Berlin

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© dpa (Symbolfoto)

Fast zwei Millionen Ostdeutsche sind seit der Maueröffnung in den Westen gegangen. Dieser sehr einseitige Wanderungsstrom scheint zu Ende zu gehen. Jetzt ziehen mehr Menschen aus den alten Ländern und dem Ausland in die ostdeutschen Flächenländer als von dort weg. Von dieser Trendwende profitieren aber nur 15 Prozent aller 2 696 ostdeutschen Gemeinden, wie eine neue Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung zeigt – vor allem Städte. Die überwiegende Mehrheit verliert weiterhin Einwohner durch Abwanderung. Die Experten: „Die Kluft zwischen den Wachstums- und Schrumpfregionen wird größer.“

Nicht jeder Ostdeutsche, der wegzieht, hat aber das gleiche Ziel. Im Laufe eines Lebens verändert sich der Wunsch-Wohnort, die Notwendigkeit und die Bereitschaft umzuziehen. Die Wissenschaftler haben deshalb unterschiedliche Wanderungsmuster ausgemacht. Die SZ erklärt Details:

Die Großstadtwanderer

Die regionalen Unterschiede bei der demografischen Entwicklung verstärken sich zusehends, schreiben die Experten. Viele „Wanderer“ folgen dem Ruf der Zentren – und zogen in eine der neun Großstädte des Ostens mit mehr als 100 000 Einwohnern. Die gewannen dadurch 2013 ein Prozent mehr Einwohner, zehn pro 1 000. Während im Jahr 2000 jeder sechste Einwohner des Ostens in einer dieser Städte lebte, war es 2013 bereits jeder Fünfte. Gemeinden mit weniger als 10 000 Einwohnern verlieren hingegen weiter an Bevölkerung. Schlusslicht bleiben weiterhin die kleinen Dörfer. Gemeinden mit weniger als 1 000 Einwohnern stellen aber schon jetzt nur noch fünf Prozent der Bevölkerung.

Die Bildungswanderer

Der Wanderungsstrom der Bildungswanderer in die Großstädte wird stärker. Die 18- bis 24-Jährigen verlassen vermehrt die ländlichen Regionen, insbesondere die abgelegenen. Rund 40 Prozent der ostdeutschen Bildungswanderer, die innerhalb Deutschlands umgezogen sind, haben sich 2011 für eine Ost-Großstadt entschieden. 80 Prozent von ihnen lebten zuvor in einer kleineren Gemeinde. Neben großen Uni-Städten wie Dresden, Leipzig oder Jena ziehen auch kleinere Städte Bildungswanderer an, sofern sie eine Hochschule haben, beispielsweise Ilmenau oder Schmalkalden. Langfristig können die kleineren Städte die jungen Zugezogenen jedoch nicht halten. Die meisten ziehen nach dem Studium weiter.

Die Berufswanderer

Auch die Menschen im Alter zwischen 25 und 29, die aus beruflichen Gründen wechseln, zieht es in die ostdeutschen Großstädte. Die höchste Anziehungskraft haben dabei Leipzig und Potsdam. Trotzdem, so die Studie, sind die Berufswanderer die einzige Altersgruppe, bei der mehr Menschen den Osten verlassen haben als zugewandert sind. Ein Ende der Abwanderung sei aber auch bei dieser Gruppe dank der Attraktivität der Ost-Städte absehbar. Der Trend zeige, dass im Osten wieder wirtschaftsstarke, urbane Zentren entstanden sind, die für die weitere Entwicklung der neuen Länder von großer Bedeutung seien. Sie könnten zu Wachstumsinseln in einem schrumpfenden Umfeld werden.

Die Familienwanderer

Ganz anders verhalten sich die Familienwanderer. Sie ziehen eher innerhalb der bisherigen Wohnregion um, als in eine völlig andere Ecke Deutschlands abzuwandern. Kleine Kommunen sind bei den 30- bis 49-Jährigen mit Nachwuchs beliebter als große, städtische Gemeinden. Selbst abgelegene können attraktiv sein. Allerdings können die Familienwanderer den Verlust der ländlichen Regionen bei den Bildungs- und Berufswanderern nicht ausgleichen. Die Wissenschaftler empfehlen solchen Gemeinden, ihr familienfreundliches Umfeld zu erhalten: Starre Vorgaben wie Mindestgrößen für Schulen seien zu überdenken. Längeres gemeinsames Lernen, zeitweiser Fernunterricht, Zwergschulen oder flexible Betreuungszeiten in Kitas seien Möglichkeiten, Angebote an die demografischen Veränderungen anzupassen.

Die Ruhestandswanderer

Im Vergleich zu den jüngeren Altersgruppen können sich Ruhestandswanderer ab 65 Jahren deutlich seltener für einen Umzug erwärmen. Dennoch sind auch sie mobiler geworden. Es zieht sie jedoch weniger in Großstädte. Häufig ist das Ziel das lokale Versorgungszentrum in der Heimatregion. Brandenburg und Meckpomm locken besonders Ruhestandswanderer an.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 15 Kommentare

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  1. Berg

    Diese "pfiffigen Lösungen" liegen auf der Hand: auch unter den Flüchtlingen kommen manche vom Lande und würden wieder aufs Land ziehen, in Gebäude, die sie selber wieder herrichten, mit eigenem Vieh und eigenem Acker. Syrische Ortsteile - warum denn nicht?

  2. Wähler

    Mensch @Berg kommt es ihnen nicht selber komisch vor, immer den gleichen Unsinn zu propagieren? Syrische Gettos in Deutschland? Syrische Ortschaften? Mit Moschee und Koran als Gesetz statt Grundgesetz? Laut den Willkommensfreunden wollen doch die meisten Syrier wider in ihre Heimat. Wenn die Kanzlerin erst einmal weltweit für Frieden gesorgt hat, sind die Flüchtlinge doch alle schnell wieder weg. Oder?

  3. Horstl

    @2 Das muss beginnende Demenz sein.Alle Welt weiß das die alles andere vorhaben bloss keine Landwirtschaft hier betreiben. Ganz davon abgesehen das Land mitterweile immer unbezahlbarer geworden ist und ausser Berg keiner was zu verschenken hat.Ach nein er fantasiert ja auch nur davon.

  4. Berg

    Ach was, Ihr Gehtnichter. Eure ständigen Beschwörungen eines sog. "Gettos" sind doch nur hilflose Ausreden. Dass mal ein, zwei Asylantem im (deutschen!) Ortschaftsrat sitzen, wird unter den wohlwollenden Lausitzern kein Problem sein. Und es werden doch wohl auch ein paar Handwerker, Metzger, Ärzte, Lehrer usw. unter den Asylbewerbern sein. Wir sprechen uns wieder, wenn in Oppach, Neugersdorf oder am Olbasee ein Dutzend syrische Familien eingezogen sind - meinetwegen eben auch keine Bauern.

  5. Max Mustermann

    „Inzwischen sind viele Arbeitgeber deshalb bereit, Gehälter zu zahlen, die dem Westniveau entsprechen.“ Toll!!! Nach der kurzen Zeit .... Ich bin begeistert!

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