erweiterte Suche
Donnerstag, 17.11.2016

Der Stadt fehlen Planer für neue Radwege

Der Fahrradclub schlägt Alarm: Im neuen Haushalt gibt es kein Geld für mehr Mitarbeiter. Dabei sind dieses Jahr schon drei Radfahrer in Dresden gestorben.

Von Kay Haufe

37

Dresden könnte in zehn Jahren doppelt so viele Radwege haben wie heute, sagt das neue Konzept. Dumm nur, wenn keiner die Radwege plant.
Dresden könnte in zehn Jahren doppelt so viele Radwege haben wie heute, sagt das neue Konzept. Dumm nur, wenn keiner die Radwege plant.

© dpa

Die Ausgangssituation ist so günstig wie nie: Gerade hat die Verwaltung das neue Radwegekonzept vorgelegt, nach dem ein rund 830 Kilometer langes Hauptroutennetz für den Alltagsverkehr entstehen soll. Bisher können Radfahrer nur 400 Kilometer Strecke nutzen. Etwa 45 Millionen Euro wären nötig, um das Konzept umzusetzen. Davon könnten 30 Millionen aus Fördertöpfen kommen. Doch was so gut klingt, kann wohl nicht umgesetzt werden.

Denn in Dresden fehlen Planer, die Radwege und Verbindungen konzipieren. Bereits im laufenden Haushalt konnten nur drei von zwölf vorgesehenen Radprojekten gebaut werden, weil es für die anderen keine Entwürfe gab. Mindestens sechs neue Planerstellen fordert deshalb der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC). „Doch im neuen Haushaltentwurf für 2017/18 ist überhaupt kein Geld dafür vorgesehen“, sagt der Dresdner ADFC-Chef Nils Larsen. Er hofft nun, dass die Stadtratsfraktionen die Prioritäten im Haushalt ändern. Immerhin belegt Dresden bundesweit den Spitzenplatz bei Radfahrunfällen. Bis zu 100 Fahrer würden im Jahr schwer verletzt. Dieses Jahr starben bereits drei. Das liegt aus Sicht des ADFC an veralteter oder nicht vorhandener Radinfrastruktur.

Die CDU sieht durchaus die Chance, die das neue Radwegekonzept bietet. „Es wäre wünschenswert, mehr für Radfahrer zu tun. Nur hat die Verwaltung selbst überhaupt kein Geld für zusätzliche Planer vorgesehen. Und wir haben keine Haushaltsposition gefunden, wo das Geld herkommen könnte“, sagt Gunter Thiele, der verkehrspolitische Sprecher seiner Fraktion. Ihm sei klar, dass viele Fördermittel winken. Das gelte auch für alle anderen Verkehrsbauten. „Diese müssen bis zum nächsten Doppelhaushalt warten, dann sind unsere Schwerpunkte andere .“

So lange will Johannes Lichdi von den Grünen nicht warten. „Wir stimmen deshalb dem Haushalt in seiner jetzigen Form nicht zu“, sagt der Verkehrsexperte seiner Fraktion. Er wisse, dass auch andere Teile von Rot-Grün-Rot dem Radverkehr in Dresden mehr Priorität einräumen wollen. „Bisher hat es Straßenbauamtschef Reinhard Koettnitz nicht geschafft, das zur Verfügung stehende Geld zu verbauen, weil die Planer fehlten. Das kann nicht so weitergehen“, sagt Lichdi.

Leser-Kommentare

Seite 1 von 8

Insgesamt 37 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. leser

    Spannend, dass Herr Larsen genau auf 6 Planer kommt. Wie hat er das den ermittelt? - Sicherlich weiß er auch wo die alle eingesetzt werden sollen. Der Stadtrat hat es in der Hand zusätzlich zum Geld auch Stellen zu beschließen, die zusätzlich geschaffen werden müssen. Achtung Spoiler [Das Kostet Geld und die brauchen auch ein Büro zum sitzen inkl Rechner, Stuhl, Schreibtisch,... ]

  2. kein Radler

    Solange es keine verbindliche PFLICHT gibt, diese Radwege auch zu benutzen, die auch streng überwacht wird, ist jede Investition in Radwege ÜBERFLÜSSIG. Der feine Herr Larsen soll doch nach Dänemark zurückgehen, wenn es ihm hier nicht passt. Dort auf dem platten Land kann er so viele Radwege bauen, wie er will.

  3. Olli

    Das Verkehrskonzept der Zukunft alleine ist das Automobil definitiv nicht, das Fahrrad ist in der City ein sehr gutes Fortbewegungsmittel, es bietet viele Vorteile und sollte bewusst gefördert werden. Doch auf den Straßen herschen oft chaotische Zustände, weil vieles einfach nicht eindeutig markiert ist, mal darf der Gehweg benutzt werden mal nicht, oft fehlt ein logistischer Anschluss an weiterführenden Radwegen, deshalb ist es für eine wachsende Stadt unerlässlich gute Radinfrastrukturen zu schaffen. Dann wird auch das Autofahren entspannter.

  4. Stefan

    Wie beim Geld ist es eine Frage der Prioritäten. Die vorhandenen Planer müssten halt statt Straßen Radwege planen. Und überhaupt ist diese Abgrenzung unverständlich. Bei jedem kommunalen Verkehrsbauprojekt sollten eigentlich stets die Belange aller Verkehrsarten berücksichtigt werden, auch die der Fußgänger, die regelmäßig ignoriert werden. Aber die Dresdner Verwaltung plant und baut immer noch an einer Stadt, die schnell durchfahren werden kann. Für bestimmte Leute im Rathaus sind Häuser, Radler, Fußgänger daher nichts anderes als Verkehrshindernisse, die zum Wohle des motorisierten Verkehrsflusses weichen müssen.

  5. Aleister Crowley

    Ja wieder mal Posten schaffen - ohne Waffen. Die sechs Pöstchen sollten aber unbedingt mit potentiellen Verkehrsexperten besetzt werden (Soziologen, Psychologen, Theaterwissenschaftlern, Ökologen - möglichsts alle Studienabbrecher).

Alle Kommentare anzeigen

Seite 1 von 8

Ihr Kommentar zum Artikel

Bitte füllen Sie alle Felder aus.

Verbleibende Zeichen: 1000
Text Bitte geben Sie die abgebildete Zeichenfolge ein