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Mittwoch, 04.10.2017

Der Retter der Hornzsche

Hans-Jörg Hombsch kämpft im Radeberger Biertheater für ein vom Aussterben bedrohtes Kulturgut.

Von Jens Fritzsche

Im aktuellen Biertheater-Stück „Malzau braut sich“ spielt Hans-Jörg Hombsch seine Bürgermeisterin Gisela diesmal als sanfte, aber ziemlich verschnupfte Dame, die sich mit rauchbaren „Kräutern“ kurieren will.
Im aktuellen Biertheater-Stück „Malzau braut sich“ spielt Hans-Jörg Hombsch seine Bürgermeisterin Gisela diesmal als sanfte, aber ziemlich verschnupfte Dame, die sich mit rauchbaren „Kräutern“ kurieren will.

© Thorsten Eckert

Radeberg. Die Gefahr ist ja groß, die Sache mit dem „Sächseln“ zu übertreiben. Und den Dialekt vielleicht sogar ein wenig ins Lächerliche zu ziehen. Zumindest dann, wenn in irgendeinem Film oder auf irgendeiner Theaterbühne ein Sachse gebraucht wird. Denn dann wird das Sächsisch mitunter unappetitlich gezerrt; und der Sachse muss nicht selten als Trottel durch die Szene „latschen“. In diese Falle ist das Radeberger Biertheater von Beginn an nicht getappt. Sachsens erstes Mundarttheater nutzt seit seiner Geburt im Jahr 2002 die Sprache zwar, um dem sächsischen Mutterwitz die durchaus verdiente Bühnenpräsenz zu verschaffen, aber übertriebene sprachliche Dehn-Übungen gibt es hier nicht. Im Gegenteil, hier wird fast schon liebevoll mit dem Kulturgut Sächsisch umgegangen.

Und das liegt natürlich nicht zuletzt an den Protagonisten. Wie Hans-Jörg Hombsch zum Beispiel. Dessen sächsisches Lieblingswort ist übrigens „Hornzsche“. Der sächsische Fachausdruck für Wohnung schaffte es 2010 bei der Wahl zum sächsischen Wort des Jahres immerhin auf den dritten Platz. „Ich liebe dieses Wort, weil da so viel sächsische Seele drinsteckt – und die gesamte liebevolle Wucht der sächsischen Sprache“, findet der Biertheater-Akteur. Und es bereitet ihm diebische Freude, die Hornzsche möglichst in jedem Programm auf der Bühne im Radeberger Kaiserhof irgendwie mit unterzubringen …

Einen sächsischen Verdienstorden wird es für diesen Einsatz wahrscheinlich nicht geben. Aber darauf ist Hans-Jörg Hombsch auch nicht aus. „Es ist klasse, wenn ich sehe, dass die Leute Spaß haben und uns Sachsen ins Herz schließen“, sagt er. Gerade das ist im Moment ja wohl tatsächlich eine echte Kulturtat, in Zeiten, in denen wir Sachsen nicht gerade den besten Ruf genießen. Zumindest politisch …

Zunächst mal Pflaumentoffel

Geboren wurde Hans-Jörg Hombsch in Dresden, und kam als studierter und wirklich begnadeter Jazz-Musiker sozusagen über den „zweiten Bildungsweg“ zur Schauspielerei. Zunächst hatte er Anfang der 1990er Jahre einige Lieder für das legendäre Bühnenprogramm auf dem Dresdner Striezelmarkt komponiert und war dann auch gleich noch in die Rolle des Pflaumentoffels geschlüpft. Der sächselte natürlich; schließlich ist der Pflaumentoffel ein Dresdner Original. Und weil Hans-Jörg Hombsch die ideale Ideal-Besetzung war, blieb er über all die Jahre der Pflaumentoffel auf der Striezelmarkt-Bühne. Aber natürlich jazzte und rockte er auch weiter in zahlreichen Clubs des Landes; unter anderem mit der bekannten Dresdner Jazz-Band „Jackpot“.

Als dann 2004 im Radeberger Biertheater für das Musik-Comedy-Duo „Bierhähne“ ein neuer Partner von Holger Blum gesucht wurde, fiel die Wahl schnell auf Hans-Jörg Hombsch. Die Macher des Biertheaters waren ja auch die Macher des Striezelmarkt-Programms gewesen; der Karrieresprung vom Pflaumentoffel zum Bierhahn lag da also irgendwie nahe. Aber auch die „Bierhähne“ schlugen von da kräftiger mit den Flügeln, denn durch die Kompositionen und die Musikalität von Hans-Jörg Hombsch schafften die „Bierhähne“ eine hörbare musikalische Mauser. Und natürlich wird bei den Bierhahn-Programmen ebenfalls kräftig gesächselt. Aktuell lassen sie es zum Beispiel mit einer urkomischen Übersetzung von Andreas Gabaliers Hit „Hulapalu“ krachen, die sich Holger Blum ausgedacht hat. „Wir hatten eine Menge Spaß, als wir das bei mir im Studio ausprobiert haben“, verrät Hans-Jörg Hombsch. In diesem Studio – im kleinen Ottendorfer Ortsteil Medingen – ist dabei schon so manche musikalische Sachsen-Perle geschliffen worden …

Auch mal Opfer bringen

Und überhaupt wurde schnell klar, dass in den beiden mehr steckt, als „nur“ ein musikalisches Duo. Der Autor und damalige Hauptdarsteller Peter Flache – der Erfinder der Geschichten aus dem fiktiven Biertheater-Örtchen Malzau – schrieb den beiden Bierhähnen echte Paraderollen auf den Leib. Die sorgen seither in den Malzau-Schwänken für massive Zwerchfell-Massagen im Biertheater-Saal. Und Peter Flache machte Hans-Jörg Hombsch und Holger Blum zum Ehepaar. Auf der Bühne natürlich. Denn dort wird Hans-Jörg Hombsch nun seit Jahren zur boshaft-intriganten Bürgermeisterin Gisela. Die unterjocht nicht nur ihren Mann Harry – also Holger Blum –, sondern auch gleich noch die gesamte biertrinkende Männerwelt des Ortes. Wobei Hans-Jörg Hombsch im aktuellen Biertheater-Stück „Malzau braut sich“ – das aus der Feder von Thomas Rauch stammt – auch mal eine andere Facette der Bürgermeisterin präsentieren kann. Denn diesmal muss er nicht den Drachen spielen, sondern eine von Erkältung geplagte sanfte Gisela. „Eine fast schon liebevolle Frau, die da in ihrer Hornzsche leidet“, schmunzelt er. Und spielt das Ganze auch noch so gekonnt, dass die Zuschauer im Saal wirklich Angst haben, sich anzustecken. Wobei er in diesem Stück auch selbst ein bisschen leidet. Denn allabendlich muss er als Gisela nun in eine Heilung versprechende Zwiebel beißen. „In eine echte, denn die Leute in den ersten Reihen würden merken, wenn wir tricksen“, macht er klar. Tja, für den Erhalt der sächsischen Sprache müsse man eben Opfer bringen.

Und wer weiß, vielleicht klappt es ja doch noch, dass die „Hornzsche“ Sachsens Wort des Jahres wird? „Ich arbeite dran“, sagt Hans-Jörg Hombsch. Und grinst.

www.biertheater.de