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Montag, 19.10.2015 10 Jahre Dresdner Frauenkirche

Der Neumarkt wandelt sich weiter

Dresden versucht den Spagat zwischen Rekonstruktion und Moderne. So hat die Frauenkirche ein neues Umfeld erhalten.

Von Bettina Klemm/Iris Hellmann

Vor 25 Jahren ragten am Neumarkt die Ruinen der Frauenkirche in die Höhe, ringsum war Leere. Die einst dort stehenden barocken Wohngebäude waren wie das Gotteshaus nach der Bombennacht vom 13./14. Februar 1945 weitestgehend zerstört, die Trümmer wurden in der Nachkriegszeit nahezu komplett beseitigt. Als 2005 die wiederaufgebaute Frauenkirche geweiht wurde, stand sie noch allein da. „Wie ein Phantom“, sagte Eberhard Burger, der Mann, der den Wiederaufbau der Kirche geleitet hatte, einmal in einem Interview. „Aber jeder Edelstein braucht eine Fassung. Für mich sind das die Quartiere am Markt“, lautete das Urteil des Baumeisters. Vier der sogenannten Quartiere rund um die Frauenkirche sind bereits errichtet. Ein weiteres ist im Bau und vier sind in der Vorbereitung.

So originalgetreu wie möglich

Die sogenannten Quartiere sollten und sollen auf den historischen Grundrissen entstehen. Da jedoch nicht jedes der einst 250 Häuser tatsächlich wieder nach altem Vorbild aufgebaut werden kann, versucht die Stadt Dresden den Spagat zwischen Rekonstruktion und zeitgenössischer Ergänzung. 60 Häuser wurden als Leitbauten ausgewiesen, das bedeutet, sie sollen in ihren Fassaden und Grundstrukturen originalgetreu errichtet werden. Bei den Neubauten fordert die Stadtverwaltung Architekturwettbewerbe. Eine Gestaltungskommission berät bei der Auswahl. Doch ihr Urteil sorgt regelmäßig für Aufregung und Diskussion. Seit 16 Jahren wacht auch die Gesellschaft historischer Neumarkt Dresden, ein ehrenamtliches Gremium, über den Wiederaufbau des Platzes. Einst war sie als Protestorganisation entstanden, um den Bau eines modernen Gewandhauses zu verhindern. Inzwischen gilt sie als sachlicher Ratgeber. Ohne Investoren wie beispielsweise die Baywobau Dresden wäre der Wiederaufbau nicht geglückt. Das Unternehmen schuf zunächst eine gemeinsame Tiefgarage für alle künftigen Bauvorhaben. Es folgte das Hotel de Saxe und später das Gebiet „Juwel an der Frauenkirche“ daneben. Mit dem Hotelbau an der Schlossstraße und dem Wohnquartier Löwenhof hat die Baywobau eine der letzten großen Kriegslücken geschlossen. Nun möchte das Unternehmen auch noch den vorderen Teil der Schlossstraße vollenden.

Ein lebendiges Viertel

Unmittelbar hinter dem Kulturpalast hat die Firma Kimmerle bereits mit dem Bau ihres „Jüdenhofs Dresden“ begonnen. Auf diesem Quartier wird das Dinglingerhaus originalgetreu wiedererrichtet. Diskussion gibt es aber noch um die Häuserfront gegenüber vom Kulturpalast. Hier möchte Kimmerle historisierend bauen, die Stadt aber modern. Auf der großen Fläche vor dem Polizeipräsidium will im kommenden Jahr die CG Immobilien Gruppe GmbH & Co.

KG das Palais Hoym wieder entstehen lassen. Das „Quartier Hoym“ soll ein lebendiges Viertel werden. Das Palais wird später als Hostel genutzt. Daneben entstehen etwa 225 Mietwohnungen. Insgesamt will die CG-Gruppe 131 Millionen Euro in das Projekt investieren.

Die Gesellschaft historischer Neumarkt Dresden schlägt vor, dass nicht nur das Palais Hoym wieder aufgebaut wird, sondern auch die Fassade des Palais Riesch an der Rampischen Straße. Die CG-Gruppe befinde sich dazu

derzeit mit allen Beteiligten, unter anderem auch mit ihrem Architekten, in einem regen Meinungsaustausch, teilte die Pressesprecherin des Unternehmens, Anastasia Lebedev, mit. Auch mit der Kommune führe man auf verschiedenen

Ebenen und Ämtern intensive Gespräche, so Lebedev weiter.

Für das Quartier vor dem Johanneum soll eine vom Opern-Architekten Gottfried Semper geschaffenen Ladenzeile wieder entstehen. Das hatte die Firma USD, die den größten Teil dieses Areals besitzt, im Frühjahr 2013 erklärt. Die Klage eines weiteren Grundstückeigentümers verzögerte jedoch das Projekt. Daneben, auf dem Eckgrundstück vom Neumarkt 13 zur Frauenstraße, wo einst das Kaufhaus „Bothen“ stand, will der Nobelpreisträger Günter Blobel ein Gebäude mit Wohnungen und einer Kunstgalerie im Erdgeschoss bauen.