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Dienstag, 12.01.2016

Der Nahverkehr der Zukunft

Egal ob Bus oder Bahn: Auf die Fahrgäste kommen in den nächsten Jahren einige Veränderungen zu.

Von Tobias Wolf

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Smart per Telefon und elektrisch angetrieben: Digitalisierung und Innovation verändern den öffentlichen Nahverkehr.
Smart per Telefon und elektrisch angetrieben: Digitalisierung und Innovation verändern den öffentlichen Nahverkehr.

© norbert neumann

Dresden steht an der Schwelle eines neuen Nahverkehrszeitalters. Einige Zukunftstechnologien kommen heute schon zum Einsatz, zumindest im Testbetrieb. Andere etablieren sich schleichend im Alltag. Die SZ gibt einen Überblick über die wichtigsten Entwicklungen.

Genauere Planung für Fahrgäste: Digitaltechnik gibt Echtzeitinformation

Nichts dürfte Fahrgäste mehr nerven, als an der Haltestelle zu stehen und Bus oder Bahn kommen unpünktlich. An vielen Stationen im Stadtgebiet gibt es schon digitale Informationstafeln, die die Ankunft bis auf die Minute genau anzeigen. Längst nicht alle Haltestellen sind damit ausgestattet. Das soll sich ändern. Laut DVB-Sprecher Falk Lösch sollen an allen Stationen moderne Systeme installiert werden, die dafür umgebaut oder komplett erneuert werden.

Auch die Fahrten mit den Öffentlichen können Fahrgäste immer einfacher planen. Mit Computer oder Smartphone lassen sich Verbindungen minutengenau ausrechnen, einschließlich der Zeit, die man für den Fußweg zur Haltestelle benötigt. Zuspätkommen geht dann nur noch, wenn Bus oder Bahn unpünktlich sind.

Neue Strecken: Verkehrsnetz wird mit neuen Straßenbahnen erweitert

Den Anblick rappelvoller Busse, die morgens ihre Runden drehen, sind die Fahrgäste der Studentenlinie 61 gewöhnt. Das soll sich in Zukunft ändern. Bis 2021 sollen die Busse zwischen Strehlen und Löbtau durch eine neue Straßenbahnlinie ersetzt werden. In den Waggons ist deutlich mehr Platz als in Gelenkbussen.

Dieses Jahr beginnt der Bau des ersten Abschnitts an der Oskarstraße. 2018 geht es an der Nossener Brücke und der Nürnberger Straße weiter. Zwischen Nürnberger Platz und Wasaplatz rollen erst 2019 die Bagger. Auf insgesamt 2,8 Kilometern wird sich die Achse vom Nürnberger Platz, über den Zelleschen Weg und die Caspar-David-Friedrich-Straße stark verändern. Vor allem zum Umbau des Zelleschen Weges gibt es Streit, weil eine Autospur auf jeder Seite wegfallen soll.

Zwischen Plauen und dem Johannstädter Uni-Klinikum soll eine Bahn die Buslinie 62 ersetzen, die ebenfalls stark von Studenten frequentiert wird. Die Pläne liegen derzeit aber auf Eis. Die Verlängerung der Straßenbahnlinie 11 über Bühlau nach Weißig ist vorerst gestoppt. Zu teuer und nicht sinnvoll urteilen die Planer, auch weil in dem Gebiet trotzdem Busse gebraucht werden. Definitiv gebaut werden soll aber eine neue Gleisschleife in Bühlau.

Mehr Platz: In moderne Stadtbahnen passen komfortabel mehr Menschen

Die Straßenbahnflotte der Zukunft braucht mehr Platz auf der Straße. Fahren in Dresden bislang 2,30 Meter breite Bahnen, sollen diese in Zukunft auf das europäische Normalmaß von 2,65 Meter wachsen. Das schafft mehr Raum in den Waggons für Fahrgäste, Kinderwagen, Fahrräder, Rollstühle und Rollatoren. Derzeit sind Straßenbahnen der Baujahre 1996 bis 2010 auf Dresdens Straßen im Einsatz. Bei einer Lebensdauer von rund 20 Jahren könnten ab dem kommenden Jahr die ersten neuen Waggons angeschafft werden. Denkbar ist laut DVB aber auch ein Ersatz der alten Wagen ab 2019. Damit die breiten Bahnen auf der Straße nebeneinander passen, wird seit einigen Jahren der Abstand der Gleise vergrößert, zuletzt beispielsweise auf der Bautzner, der Schandauer und der Wehlener Straße. Für Dresden muss jedoch ein spezieller Typ angeschafft werden, der unten schmaler ist als oben, so DVB-Sprecher Lösch. Sonst kommen die Bahnen nicht an den Bahnsteigen vorbei, die für die heutigen Maße gebaut wurden. Das hat den Vorteil, dass alte und neue Bahnen quasi nebeneinander weiterrollen können.

Handy oder Chipkarte: Elektronische Tickets ersetzen Fahrkarten aus Papier

Für Besitzer von Smartphones hat die Zukunft schon begonnen. Sie kommen schon heute komplett ohne Papier aus. Um die elektronischen Tickets zu nutzen, ist eine Anmeldung beim Anbieter Handy Ticket Deutschland nötig. Danach können Einzelfahrten, 4er-Karte und Tagestickets ausgewählt werden.

Für die Inhaber von Monats- und Jahreskarten ist die Ära der Papiertickets schon seit 2015 zu Ende. Ihre Fahrscheine sehen nun aus wie eine Kreditkarte. Über 50 000 Chipkarten sind schon ausgegeben. Noch folgen sollen die ermäßigten Monatskarten sowie bis Ende 2016 das Jobticket. „Ob wir auch das Wochenticket, die 4er-Karte und den Einzelfahrschein auf Chip umstellen werden, ist noch nicht klar“, sagt DVB-Sprecher Lösch. „Deshalb fahren wir zweigleisig mit Chip und Papier.“

In Zukunft könnte die Chipkarte auch automatisch mit Zusatzangeboten aufgepeppt werden, beispielsweise mit zeitlich befristeten Rabattaktionen bei Kaufhäusern. Schon jetzt gibt es mit den Chipkarten Rabatt auf Carsharing und die stadtweit ausleihbaren SZ-Mietfahrräder.

Besseres Klima: Elektrobusse verringern Umweltbelastungen in der Stadt

Straßenbahnen fahren seit über 120 Jahren mit elektrischem Antrieb. Langfristig sollen auch die Busse mit Strom fahren. Das senkt Schadstoffemissionen, weil die Fahrzeuge keine Abgase ausstoßen. Mit heutigen Batterien sind bereits Reichweiten von über 100 Kilometer möglich, genug, um zwei komplette Linienfahrten zu absolvieren. Derzeit fahren 18 Hybridbusse mit einer Kombination aus Diesel- und Elektromotor durch Dresden. Der einzige nur mit einer Batterie betriebene Elektrobus verbindet seit Juni Mickten mit Übigau.

Die Ladestation an der Endhaltestelle Dreyßigplatz pumpt während des maximal vier Minuten dauernden Stopps Strom in die Batterie – ein Konzept, dass für viele Endpunkte funktionieren könnte. DVB-Busbetriebschef Robert Roch zufolge sei es sogar denkbar, dass Busse mit Dachbügeln ausgestattet werden könnten und damit während der Fahrt Strom über die Straßenbahnoberleitung tanken können. Erprobt wurde das jedoch noch nicht. Wirklich umweltfreundlich ist das Ganze auch nur dann, wenn der Strom für den Bus mit regenerativen Energieträgern erzeugt wird.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 44 Kommentare

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  1. DVB_ist_viel_zu_teuer

    ÖPNV ist für alle da. Mir will nicht einleuchten welche Vorteile es für alle(!) Bürger hat, dass künftig nur noch die mitfahren dürfen die ein Smartphone besitzen, bereit sind dauerhaft gespeicherte Routenprofile von sich anfertigen zu lassen und einwilligen wollen mit einem dritten Unternehmen eine Geschäftsbeziehung einzugehen, welches künftig meine Bankverbindung kennt und mit Sicherheit Gebühren erhebt, wenn auch nur gegenüber der DVB. Mir kann keiner erzählen, dass der Betrieb eines virtuellen Tickets oder einer Chipkarte preiswerter ist als die Papierform, das ist alles reine Kostentreiberei ohne Mehrwert. Und wenn es nicht mehr möglich ist anonym die Tram zu nutzen, fahr ich künftig eben schwarz und guck während der Fahrt mal was da alles unverschlüsselt übertragen wird.

  2. Max

    Bei allen Komplimenten für das Engagement der DVB muss aber auch erwähnt werden, dass die Einführung von „elektronischen Lösungen“ auch Nachteile bietet: Die neuen Chipkarten (Monats- und Jahreskarten) sehen alle gleich aus. So kann man z.B. in einem Haushalt mit mehreren Karten nicht mehr unterscheiden, welches nun die ermäßigte Karte der Kinder, welches die Monats- und welches die Jahreskarte ist. Hier hilft nur Beschriften, wofür aber kein Platz ist. Auch haben es Kontrolleure deutlich schwerer: Früher reichte ein Blick aufs Papierticket, heute muss jede Karte extra in ein Lesegerät eingefügt werden. Und der Fahrgast „zittert“ jedesmal, denn die Gültigkeit ist ja nicht mehr offensichtlich…

  3. Jens

    Leider wird mit keinem Wort das Zeil einer Reduzierung der Fahrzeiten erwähnt. Neben den hohen Kosten ist das der Hauptgrund, warum viele den ÖPNV meiden. Die Wartezeiten der Tram, z.B. am Pirnaischen Platz, treiben manchen ins Auto, mit dem man in Dresden (auch statistisch) heute schneller ans Ziel kommt als noch vor Jahren...

  4. Michael H.

    Das Jobticket muß endlich für alle Arbeitnehmer kommen, nicht nur für die aus Ministerien, der Stadtverwaltung und Großbetrieben.

  5. Sven

    Liebe DVB, bitte übertreibt es nicht mit den "elektronischen Lösungen": Nicht alle haben ein Smartphone! Gerade ältere Leute brauchen den DVB. Papieraushänge (mit festen Fahrzeiten) und für alle lesbare Papiertickets haben auch Vorteile. Elektronische Abfahrpläne der einzelnen Linien, wie z.B. am Hp. Strehlen, sind teuer, schwerer lesbar als Papieraushänge, oft ausgefallen -- was deren Vorteil sein soll, erschließt sich mir nicht... (Der Nutzen der Echtzeitinformation dagegen ist unbestritten, aber um die geht es hier ja nicht.)

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