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Freitag, 17.11.2017

Der Mann für die wichtigen Momente

Matt Siddall kehrt nach einer Verletzung schneller zurück als gedacht und will bei den Eislöwen ein Leader sein.

Von Sven Geisler

Matt Siddall will seine Erfahrung bei den Eislöwen einbringen und einer sein, an dem sich andere orientieren können.
Matt Siddall will seine Erfahrung bei den Eislöwen einbringen und einer sein, an dem sich andere orientieren können.

© Robert Michael

Er kann so ein Spieler sein, wie ihn sich der Trainer wünscht. Franz Steer vermisst bisher bei den Dresdner Eislöwen in dieser Saison einen, der in den entscheidenden Momenten den Unterschied ausmacht. „Es ist wichtig, dass du jemanden hast, wenn das Spiel auf der Kippe steht, der die Scheibe ins Tor haut“, sagt der Chefcoach – und er schaut auf Matt Siddall. Der Kanadier, der im Sommer aus Österreich nach Sachsen gekommen ist, meldet sich einsatzbereit für die Spiele am Freitag in Heilbronn und am Sonntag, 17 Uhr, zu Hause gegen die Tölzer Löwen.

Es grenzt an ein medizinisches Wunder, dass der 33-Jährige nur einen Monat nach einer schweren Adduktorenverletzung schon wieder auf dem Eis steht. Doch Teamarzt Lars Stephan schwört auf die Wirkung der Kernspinresonanztherapie, durch die der körpereigene Heilungsprozess unterstützt wird. Eine Stunde dauert die Behandlung täglich, und das ist auch ein Grund, weshalb Siddall während der Reha sogar weniger zu Hause war. „Das hat mir meine Frau bestätigt“, sagt er.

Rena und der im Frühjahr geborene Sohn Jack Otto sind mit nach Dresden gezogen. Außerdem gehört der sieben Jahre alte Roger zur Familie, ein Rhodesian Ridgeback. Als der im August ausgebüxt war, suchten 20 Eislöwen einen Jagdhund. „Ja“, erzählt der Besitzer, „durch ihn habe ich Ecken von Dresden kennengelernt, in die ich sonst vielleicht nicht gekommen wäre.“ Siddall ist viel mit ihm unterwegs und begeistert von den Parks in der Stadt.

Doch so sehr er es mag, mit dem Hund spazieren zu gehen, so sehr hat er das Eis vermisst. „Es ist immer schwierig, zusehen zu müssen, wenn die Mannschaft spielt.“ Deshalb ist er froh, dass er früher als gedacht wieder dabei sein kann, mit dem Okay des Arztes, weil Siddall schmerz- und beschwerdefrei ist. Auch der Trainer hat keine Bedenken, ihn gleich wieder einzusetzen. „Er wird sicher hundertprozentig Gas geben“, meint Steer, er weiß aber auch: „Das geht meist zwei, drei Spiele gut, dann fällst du normalerweise in ein Loch nach so einer Pause.“ Diese Phase muss Steer in Kauf nehmen, denn er braucht Siddall. „Wenn man sich anschaut, wie viele Tore unsere ausländischen Spieler geschossen haben, sind das zu wenig.“

Von Verteidiger Shawn Boutin (ein Tor/vier Vorlagen) sei nicht zu erwarten gewesen, dass er in der Scorerliste weit oben steht, Nick Huard (5/8) sei eher der Vorbereiter und Juuso Rajala bisher kein Knipser. Das hätte Harrison Reed sein sollen, und tatsächlich traf der Angreifer in den beiden Spielen nach seiner Rückkehr zu den Eislöwen je einmal. Allerdings brach sich der Kanadier den Außenknöchel, musste operiert werden und fällt auf unbestimmte Zeit aus. Umso wichtiger ist es, dass Siddall dem Team wieder helfen kann, der in den neun Partien vor seiner Verletzung viermal getroffen und einmal vorbereitet hatte.

Dabei ist er nicht nur als Torschütze gefragt, sondern als einer, der vorangeht, und er sieht sich selbst als Leader. „Wir haben einige Typen mit Führungsqualitäten, besonders die Jungs, die schon länger im Verein sind“, sagt Siddall. „Ich bin einer der älteren Spieler und möchte meine Erfahrungen auf meine Weise einbringen. Ich will jemand sein, an dem sich die Jüngeren orientieren können.“ Dafür müsse er auf dem Eis „körperlich präsent“ sein und möglichst oft den Puck vors Tor bringen. Wie oft er ihn ins Tor bringen will, verrät er jedoch nicht. „Wetten werden nur geheim entgegengenommen“, meint er und lacht.

Mit seiner offenen und bestimmten Art kann Siddall, der seine Karriere in Vancouver begonnen hat, zweifellos ein Fixpunkt im Team der Eislöwen werden. „Genau solche leidenschaftlichen Jungs brauchen wir“, hatte Steer schon bei der Verpflichtung des „bulligen Stürmers“ gesagt. Wie jeder andere werde er nach einer Pause ein paar Einsätze brauchen, um den Rhythmus wiederzufinden, meint der Trainer; aber: „Er kann Spiele entscheiden.“

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