erweiterte Suche
Samstag, 16.02.2013

Der lange Lauf des Martin Blessing

Der Commerzbankchef muss bis 2016 das Geldinstitut wieder profitabel machen. Er verzichtet schon mal auf Bonus.

Von Jörn Bender und Bernd Zeberl

Da wird der Mund schon mal trocken, denn viel Positives hat Commerzbankchef Martin Blessing nicht zu verkünden. Die kriselnde Bank dämpft nach einem erneut schwachen Geschäftsjahr die Hoffnung auf schnelle Besserung. Foto: dpa
Da wird der Mund schon mal trocken, denn viel Positives hat Commerzbankchef Martin Blessing nicht zu verkünden. Die kriselnde Bank dämpft nach einem erneut schwachen Geschäftsjahr die Hoffnung auf schnelle Besserung. Foto: dpa

Die Commerzbank ist – mal wieder – im Umbruch. Konzernchef Martin Blessing lässt sich von der Dauerkrise die Stimmung nicht vermiesen. Auf die Frage, ob ihm sein Job noch Spaß mache, antwortet der Manager am Freitag salopp: „Yo!“. Manch anderer verliert unterdessen die Geduld mit Blessing und der Commerzbank, an der der Staat noch immer mit Milliarden beteiligt ist.

In der Politik mehren sich Zweifel, dass das Institut, das nach der Dresdner-Übernahme als zweiter „nationaler Champion“ neben der Deutschen Bank gedacht war, den richtigen Kurs eingeschlagen hat. Die Ratingagentur Standard & Poor’s droht mit Herabstufung der Bonität, viele Aktionäre haben nach fünf Jahren ohne Dividende und mickrigem Aktienkurs die Hoffnung auf Besserung verloren.

Blessing weiß um die Befindlichkeiten und verzichtet angesichts eines Gewinneinbruchs auf magere sechs Millionen Euro Überschuss im vergangenen Jahr demonstrativ auf einen Bonus. „Entscheidend ist das Nettoergebnis. Das ist mit sechs Millionen Euro zwar noch positiv, ich fand es aber nicht so positiv, dass ich dafür eine variable Vergütung bekommen sollte“, erklärt der Manager. Schließlich stehe er an der Spitze der „Verantwortungspyramide“.

Für Aufregung sorgt, dass das Festgehalt des Managers, der sich als „Staatsbanker“ und Chef einer zur Großsparkasse geschrumpften Großbank verulken lassen musste, zugleich nicht mehr auf 500 000 Euro beschränkt ist, sondern wieder 1,3 Millionen Euro beträgt. Und das in Zeiten, in denen bis zu 6000 Vollzeitstellen gekappt werden sollen.

„Wer als Banker immer noch die Deckelung von Vorstandsgehältern ablehnt und gleichzeitig Arbeitsplätze abbaut, hat offenbar den Schuss nicht gehört“, kritisierte SPD-Vorstandsmitglied Ralf Stegner im Gespräch mit „Handelsblatt Online“. Unions-Fraktionsvize Michael Meister erklärte, ob und wie weit Blessings Umbaukonzept trage, müsse man abwarten. Alles andere sei „ureigenste Aufgabe“ der Organe der Commerzbank AG. Ziel der Politik sei unverändert eine „werthaltige“ Veräußerung des 25-Prozent-Anteils an dem Institut, sagte Meister dem „Handelsblatt Online“: „Ein Blick auf den aktuellen Aktienkurs zeigt, dass wir noch ein gutes Stück von diesem Ziel entfernt sind.“

Um seinen Job macht sich Blessing augenscheinlich bislang keine Sorgen. „Ich bin auch oft in Berlin. Das mit der großen Unzufriedenheit – da muss ich irgendwas verpasst haben“, gibt der einstige McKinsey-Mann zu Protokoll. Vom Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus-Peter Müller fühle er sich „voll unterstützt“.

Müller hatte gesagt, aus Sicht des Kontrollgremiums sei „entscheidend, dass der Vorstand die von ihm selbst gesetzten Ziele bis 2016 erreicht“: Das Privatkundengeschäft profitabel machen, die Stellung bei Firmenkunden sichern, im Investmentbanking die Rolle als Nischenanbieter ausbauen. „Wenn der Vorstand seine Ziele ohne sehr triftige Gründe verfehlt und die erwartete Leistung nicht bringt, muss der Aufsichtsrat handeln. Das ist ja ein ganz normaler Vorgang“, sagte Müller. Eigentlich kann es mit der deutschen Nummer zwei nur noch aufwärtsgehen. Equinet-Analyst Philipp Häßler sieht Potenzial zumindest beim Aktienkurs: „Wir denken, dass der richtige Moment für ein Investment in die Commerzbank gekommen ist.“ Das Marktumfeld habe sich in den vergangenen Monaten deutlich verbessert, Anleger dürften mehr und mehr auf die für 2014 und 2015 zu erwartenden Ergebnisse schauen. Vorstandschef Blessing macht sich nach knapp fünf Jahren an der Konzernspitze mit Hiobsbotschaften in Serie – Staatseinstieg, Eurohypo-Abwicklung, Schuldenschnitt Griechenland – keine Illusionen mehr: „Der Weg ist lang.“ (dpa)

Leser-Kommentare

Insgesamt 0 Kommentare

    Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.