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Montag, 17.07.2017

Der Kilt wird zum Kult

Im Kloster werfen Männer mit Baumstämmen. Ihre Stärkung ist original schottisch, aber gewöhnungsbedürftig.

Von Marcus Moeller

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Beim Baumstammwurf kommt es nicht auf die Weite an, sondern, dass der Stamm eine Drehung vollzieht, um danach möglichst gerade wie ein Uhrzeiger auf zwölf Uhr liegenzubleiben.
Beim Baumstammwurf kommt es nicht auf die Weite an, sondern, dass der Stamm eine Drehung vollzieht, um danach möglichst gerade wie ein Uhrzeiger auf zwölf Uhr liegenzubleiben.

© Dietmar Thomas

  • Beim Baumstammwurf kommt es nicht auf die Weite an, sondern, dass der Stamm eine Drehung vollzieht, um danach möglichst gerade wie ein Uhrzeiger auf zwölf Uhr liegenzubleiben.
    Beim Baumstammwurf kommt es nicht auf die Weite an, sondern, dass der Stamm eine Drehung vollzieht, um danach möglichst gerade wie ein Uhrzeiger auf zwölf Uhr liegenzubleiben.
  • Die Konzentration ist dem Wettkämpfer beim Gewichtweitwurf, für den er auch viel Kraft braucht, anzusehen.
    Die Konzentration ist dem Wettkämpfer beim Gewichtweitwurf, für den er auch viel Kraft braucht, anzusehen.
  • Die Dresden Pipes and Drums unterhalten die Gäste im Kloster Buch mit traditioneller schottischer Musik.
    Die Dresden Pipes and Drums unterhalten die Gäste im Kloster Buch mit traditioneller schottischer Musik.

Klosterbuch. Es ist schon komisch: Mitten in Sachsen – dort wo sich nach wie vor Einige vor fremden Kulturen fürchten – adaptieren Deutsche die Kultur von Schotten und Iren. Mehr noch: Sie verlieben sich in sie, entwickeln sie gar weiter. Zumindest für ein Wochenende. Und das in diesem Jahr schon zum sechsten Mal in Klosterbuch. Sollte ein waschechter Schotte unter den Tausenden Gästen des „Pipes, Drums & More“ – Festivals vom Mittelsächsischen Kultursommer (Miskus) gewesen sein, dürfte er sich wohl erstaunt gedacht haben: „Crazy bloody Germans.“

Es ist nämlich gar kein so übles Imitat, das die Deutschen dort abliefern. Im Gegensatz zu den sehr modernen, aber oftmals seelenlosen „Irish Pubs“ auf europäischem Festland trifft „Pipes, Drums & More“ die richtige Mischung aus schottisch-irischer Authentizität und Eigenidentität eines Festivals.

Jörn Hänsel vom Miskus wundert das große Besucherinteresse nicht. Er selbst habe sich schließlich auch schon ein wenig verliebt in die bunten Kilts, den Whiskey und die Dudelsackharmonien: „Es ist jedes Mal sehr ergreifend, wenn Hymnen wie Scotland the Brave auf Dudelsäcken ertönen.“

Das Wörtchen „more“ wird bei der Veranstaltung, die von nun an im Zweijahresrhythmus abwechselnd mit dem Gugge-Ma-Festival stattfinden wird, offenbar großgeschrieben. Neben musikalischen Inselexperten wie etwa den Pipebands „Dresden Pipes & Drums“ und „Crest of Gordon“ wird der Umfang des Festivals von Mal zu Mal variiert und erweitert. „Wir arbeiten stets daran, neue Attraktionen einzubauen und das Ganze zu erweitern“, sagt Jörn Hänsel. In diesem Jahr ist beispielsweise das Schauschafhüten mit schottischen Border Collies hinzugekommen, bei den Highland Games wirken am Sonntag echte Masters mit, die zuweilen gar aus den Niederlanden anreisen und das Haggis wird erstmals im Original aus Schottland importiert.

Uwe Schimmel hat sofort herausgeschmeckt, dass das Haggis nicht von hier sein kann. Der Erfinder der Highland Games in Trebsen, den größten Highland Games Deutschlands, ist mittlerweile ein Schottlandexperte. 1990, kurz nach der Wende, sei ihm das erste Mal eine CD der schottischen Band „Wolfstone“ in die Hand gefallen. Da wurde Schimmel hellhörig. Nach der schottisch-irischen Musik verliebte er sich schließlich in die Kultur des gesamten Landes und ist mittlerweile Mitglied bei den Mac Leods, einer von mehreren deutsch-schottischen Gesellschaften.

Bei den Klosterbucher Highland Games, die Schimmel moderiert, finden sich neben originalen schottischen Disziplinen einige Eigenkreationen. Fassrollen, Baumstammslalom, Hufeisenwerfen, Steinheben und Strohsackhochwurf hören sich allerdings dennoch ziemlich schottisch an. Von den fünf schottischen Originaldisziplinen wird einzig auf das Hammerwerfen verzichtet. „Dafür ist das Gelände nicht groß genug, da die Hammer sehr unberechenbar und weit fliegen können.“, sagt Uwe Schimmel.

Eine nicht ganz ungefährliche Disziplin ist auch das Baumstammwerfen, bei dem es nicht etwa um Weite, sondern um Genauigkeit geht: Der Baumstamm soll vertikal so gestoßen werden, dass er eine Drehung vollzieht, um danach möglichst gerade wie ein Uhrzeiger auf zwölf Uhr zu liegen. Einer der Ersten, die dieses Kunststück heute mit einem längeren Baumstamm schaffen, ist Niclas Jordan von den „Black Eagles“ aus Petersberg bei Halle. Zum vierten Mal treten sie bereits in Klosterbuch an. Von den acht Männern war bisher immerhin einer schon einmal in Schottland. Man wünsche sich schon, nach Schottland zu reisen, aber das liege noch in weiter Ferne. Und so konzentrieren sie sich vor allem auf das Sportliche. „Viele spielen Fußball, ich gehe lieber Baumstammwerfen“, sagt Niclas Jordan. Es sei eben mal etwas Anderes, das nicht jeder mache. Auf die Idee kamen die Petersberger durch ihre Frauen: „Die wollten uns mal im Kilt sehen.“