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Montag, 25.01.2016

Der Horror-Arzt aus Schweden

Ein 38-Jähriger sperrt eine junge Frau in einen schalldichten Bunker, will sie besitzen. Doch sie entkommt dem Höllentrip. Denn der Täter macht einen Fehler.

Von Julia Wäschenbach

Mit dieser Maske tarnte sich der Täter während der Fahrt.
Mit dieser Maske tarnte sich der Täter während der Fahrt.

© dpa

Es hätte ein romantisches Date werden sollen. Doch was Mitte September 2015 mit Champagner und in Schokolade getauchten Erdbeeren begann, endete für eine junge Schwedin mit einem Höllentrip.

Martin T., ein 38 Jahre alter Arzt, hielt sie tagelang in einem bunkerartigen Verlies in Südschweden gefangen. Die Beweggründe für seine perfide Tat: „Er wollte eine Freundin haben“, sagt Staatsanwalt Peter Claeson. Dass der Horror nur eine knappe Woche dauerte, hat sie einer verschlossenen Wohnungstür zu verdanken, die den Täter in Panik versetzte.

Ab Montag steht T. in Stockholm vor Gericht. Der Allgemeinmediziner aus Schweden hatte der Anklage zufolge fünf Jahre lang an dem Bunker neben seinem Haus in der Region Schonen gebaut – einem schalldichten Gefängnis aus Beton, versehen mit zwei Sicherheitstüren und versteckt in einem unscheinbaren Holzhaus. Dann schritt der 38-Jährige zur Tat. Mit der arglosen Frau verabredete er sich in deren Wohnung in Stockholm, überraschte seinen Flirt mit Champagner und Erdbeeren. Was die Frau nicht wusste: Die Früchte waren mit einem Betäubungsmittel getränkt, das sie bewusstlos machte.

„Wir gehen davon aus, dass er sie in der Wohnung vergewaltigt hat“, sagt Claeson. Anschließend soll er die betäubte Frau in einen Rollstuhl verfrachtet und im Auto nach Südschweden gefahren haben. Besonderer Gruselfaktor: Bei der Fahrt soll er für sich und sein Opfer zwei Gummimasken mit den Gesichtern einer alten Frau und eines alten Mannes benutzt haben. So wollte der Täter offenbar verhindern, erkannt zu werden.

In Schonen angekommen, sperrt er die junge Frau in das karge Verlies. Wenn sie den Bunker etwa zum Duschen verlässt, muss sie Handschellen tragen. Nachts legt sich T. zu ihr ins Bett. „Er wollte ungeschützten Sex mit ihr haben“, sagt Staatsanwalt Claeson. Deshalb erfindet er auch eine Identität für die Frau, lässt in dem Krankenhaus, in dem er arbeitet, Blutproben anfertigen – um sicherzugehen, dass sie keine ansteckenden Krankheiten hat. Er zwingt sie, die Pille zu nehmen.

Weil der Arzt nach Überzeugung der Anklage plant, seine neue „Freundin“ jahrelang gefangen zu halten, fährt er ein paar Tage später zurück nach Stockholm, um ihre Sachen abzuholen. „Dort fand er die Wohnungstür verriegelt vor“, erzählt Claeson. Freunde hatten die junge Frau vermisst gemeldet. In so einem Fall tauscht die schwedische Polizei die Schlösser an der Wohnung aus, so dass die Verschwundene sich melden muss, wenn sie zurückkommt. Dass die Frau gesucht wird, alarmiert den Täter. Er holt die Entführte aus dem Versteck und bringt sie zur Polizeiwache nach Stockholm. „Sie sollte der Polizei erzählen, dass sie in Ordnung und kein Opfer eines Verbrechens geworden ist“, sagt Claeson. Doch das Vorhaben geht schief. Ein Beamter wird misstrauisch und nimmt die Frau zur Seite, um allein mit ihr zu sprechen. „Da hat sie ihm die wahre Geschichte erzählt.“

Dass ihr Albtraum damit endete, hat nach Überzeugung des Staatsanwalts möglicherweise andere Frauen vor einem ähnlichen Schicksal bewahrt. Denn der Mann soll weitere Entführungen geplant haben. Geahnt hatte das anscheinend niemand. T. galt laut schwedischen Medien als freundlicher und respektierter Arzt. (dpa)

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