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Mittwoch, 24.02.2016

Der Herausforderer

Londons Bürgermeister Boris Johnson will Großbritannien aus der EU führen. Dabei verfolgt er sein ganz persönliches Ziel.

Von Jochen Wittmann, London

Sein Markenzeichen: Wuschelfrisur und Knitteranzüge.
Sein Markenzeichen: Wuschelfrisur und Knitteranzüge.

© REUTERS

Boris Johnson hat sich entschieden. Lange saß der charismatische Politiker zwischen den Stühlen und hatte sich geziert: Jetzt ist das Stück „Warten auf Boris“ endlich vorbei. Der 51-Jährige erklärte, dass er im kommenden Referendum für den Brexit, den britischen Austritt aus der EU, streiten wird. Die Entscheidung ist nur in zweiter Linie seinen Bedenken gegenüber Brüssel geschuldet. Vor allem ist es ein Karriereschritt: Er will David Cameron als Chef der Konservativen Partei und Premierminister ablösen.

Johnson ist ein Ausnahmekönner. Welcher Politiker im Königreich kann sich schon rühmen, dass die Leute ihn allein am Vornamen erkennen? Nur Boris kann es. Früher nannten ihn die Boulevardblätter wegen seiner vielen außerehelichen Eskapaden „Bums-Boris“. Heute ist das eher vergessen, und er heißt nur noch „Boris“. Oder auch „Bo-Jo“. Da schwingt eine gewisse Zärtlichkeit mit. Kein Zweifel: Die Briten mögen ihn. Oder wie es Johnson selbst einmal ausdrückte: „Männer, die Frauen lieben, werden von Frauen geliebt.“ Alexander Boris de Pfeffel Johnson, wie sein voller Name heißt, ist der einzige konservative Politiker im Land, der über alle Parteigrenzen hinweg ankommt.

Mit seinem wuscheligen blonden Haarschopf und seinen verknitterten Anzügen hat der ehemalige Journalist so etwas wie ein Markenzeichen geschaffen. Aber vor allem sind es sein Mundwerk, sein Mutterwitz und seine Respektlosigkeit, die ihm Sympathien einbringen. Selbst wenn er sich hin und wieder im Ton vergreift und Witzeleien über Schwarze macht oder gleich ganze Städte beleidigt. Über Portsmouth hat er einmal gelästert: „ein Ort, der zu voll ist mit Drogen, Fettleibigeit und Labour-Abgeordneten“. Und Papua Neuguinea charakterisierte er durch „Orgien des Kannibalismus und Häuptlingsmorde“. Die Briten mögen ihn trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb. Jetzt wirft Johnson für die Brexit-Kampagne sein Gewicht in die Waagschale.

Sein Optimismus, seine Schlagfertigkeit und sein Humor werden die Wunderwaffen sein, mit denen den Briten ein Alleingang nicht nur machbar erscheinen, sondern wünschenswert gemacht werden soll.

Dabei ist es für Boris Johnson gar nicht so entscheidend, ob er das Referendum gewinnen wird. Sein eigentliches Ziel ist die Nachfolge von Cameron. Denn selbst wenn er verlieren sollte, würde er doch bei der euroskeptischen Parteibasis als der noble Streiter gelten, der seine Prinzipien über alles stellt. Und die Basis hat das Sagen bei der nächsten Chefwahl.

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