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Mittwoch, 04.10.2017

„Der Friedwald verdrängt die Friedhöfe nicht“

Die Landtagsabgeordnete Marion Junge (Die Linke) appelliert an Kirche, Kommune und Träger des geplanten Bestattungswaldes.

Die Debatte um den Bestattungswald geht weiter.
Die Debatte um den Bestattungswald geht weiter.

© Sebastian Willnow

Kamenz. Die Diskussion um den geplanten Bestattungswald am Vogelberg zwischen Brauna und Kamenz nimmt weiter Konturen an. Die Landtagsabgeordnete und Stadträtin der Linken, Marion Junge, schaltete sich nun mit einer Pressemitteilung ein. Sie glaubt im Gegensatz zur Cunnersdorfer Pfarrerin Claudia Wolf, dass der Bestattungswald den Friedhöfen nicht schaden wird. „Ich behaupte, dass der Friedwald nicht die Friedhöfe verdrängt, weil diese naturnahe Bestattungsform nur von einer Minderheit (deutschlandweit vier Prozent) angenommen wird“, sagt die Politikerin.

Die Pfarrerin Claudia Wolf hatte sich zuvor in einem Beitrag der SZ besorgt gezeigt. Sie befürchtet, dass gerade kleine Friedhöfe, wie der in Cunnersdorf, durch den geplanten Bestattungswald finanzielle Probleme bekommen. Die Kirchgemeinde Cunnersdorf kümmert sich um den Friedhof, müsste ihn aber an die Gemeinde Schönteichen zurückgeben, wenn er sich nicht mehr selbst trägt. In einer hessischen Gemeinde war die Zahl der Beerdigungen innerhalb einiger Jahre zum Beispiel um 20 Prozent zurückgegangen.

Marion Junge zitiert andere Erfahrungen aus der Gemeinde Bispingen. „Der Friedwald stellt dort keine Konkurrenz zu den in der Gemeinde befindlichen kirchlichen und kommunalen Friedhöfen dar.“ Die Stadträtin hat sich zusammen mit der Kamenzer Bürgerinitiative „Für einen Bestattungswald im Stadtwald Kamenz“ bereits in den vergangenen Jahren für einen Bestattungswald im stadteigenen Forst stark gemacht. Das Vorhaben scheiterte aber bekanntlich an der Gemeinde Haselbachtal, die nicht die Verantwortung für den Bestattungswald übernehmen wollte.

Die Stadträtin sieht in dem geplanten Bestattungswald bei Brauna eine zweite Chance für das Projekt in der Region. „Kirche, Kommune und Träger sollten nicht weiter gegeneinander arbeiten, sondern den Wunsch der Menschen nach einer heimatnahen Grabstätte im Wald respektieren und zeitnah umsetzen“, sagt sie. Nun ist der Gemeinderat Schönteichen gefragt. Er soll die Richtung mit einer Grundsatzentscheidung vorgeben. (SZ)