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Dienstag, 31.12.2013

Der Fluch des Goldes

Der Entdecker des größten je gefundenen Goldschatzes aus der römischen Kaiserzeit fühlt sich betrogen. Noch immer.

Von Marcel Burkhardt

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Einige der Goldmünzen aus dem Trierer Schatz sind heute weltweit einzigartig, so wie ihr Finder Erich Eixner.
Einige der Goldmünzen aus dem Trierer Schatz sind heute weltweit einzigartig, so wie ihr Finder Erich Eixner.

© Marcel Burkhardt

  • Einige der Goldmünzen aus dem Trierer Schatz sind heute weltweit einzigartig, so wie ihr Finder Erich Eixner.
    Einige der Goldmünzen aus dem Trierer Schatz sind heute weltweit einzigartig, so wie ihr Finder Erich Eixner.
  • Einige der Goldmünzen aus dem Trierer Schatz sind heute weltweit einzigartig, so wie ihr Finder Erich Eixner.
    Einige der Goldmünzen aus dem Trierer Schatz sind heute weltweit einzigartig, so wie ihr Finder Erich Eixner.

Diese fein geprägten Herrschergesichter: Nero, Hadrian, Marc Aurel. Exakt 2.518 antike Münzen sind es. Zu bestaunen ist der kostbare Haufen Gold im Rheinischen Landesmuseum in Trier. Der vor 20 Jahren gefundene Schatz ist ein Segen für die Stadt an der Mosel, aber das ist nur die halbe Wahrheit. Der Entdecker des Schatzes, Erich Eixner, sagt heute: „Ehrlich währt am dümmsten.“

Der 65-jährige pensionierte Techniker der Bundeswehr hat ein druckfrisches Buch dabei, ein Geschenk des Museums. Jahrelang hat Karl-Josef Gilles, Leiter des Trierer Münzkabinetts, an dem Werk über den Goldschatz gearbeitet. Erich Eixner ist dennoch nicht glücklich damit. „Da wird behauptet, ich wäre auf das Gelände eingedrungen, so ein Blödsinn“, sagt er.

Der Hobby-Archäologe fühlt sich in eine falsche Rolle gedrängt. Dabei habe er nichts Unrechtes getan. „Ich hatte eine mündliche Erlaubnis, dort suchen zu dürfen.“ An der Stelle, an der die Münzen mehr als 1.800 Jahre lagen, sollte ein Parkhaus entstehen. Zuvor hatten dort schon Archäologen des Landesmuseums den Boden durchsucht. „Die Museumsleute waren aber längst fertig, eine Baufirma hat alles plattgemacht“, erinnert sich Eixner. Bagger hatten bereits mit dem Ausschachten von Löchern für Fundamente begonnen. Womöglich war es die letzte Chance, noch etwas zu finden. „Also bin ich am Feierabend mit meinem Metalldetektor hingefahren“, sagt Eixner. Er war nicht allein. Fünf, sechs Männer suchten mit ihm gemeinsam. Die Baustelle sei zwar umzäunt gewesen, aber seit Wochen schon offen.

Eixner steigt in eines der Löcher und beginnt zu suchen. „Dschüm, Dschüm“, imitiert er das Geräusch seines Metalldetektors. „Das Gerät schlug immer intensiver aus, und ich hab dann angefangen zu hacken. Auf einmal flogen mir lauter Goldmünzen entgegen.“

Eixner kneift sich jetzt ein paar Mal und lacht. „Ich hab mich wirklich in den Hintern gezwickt, ob ich träume“, sagt er. Aber er konnte sie doch fühlen, diese schweren Münzen. Erst später wird klar, dass einer der Bagger wohl den Deckel eines Bronzegefäßes aufgerissen hat.

„Ich dachte: Was machst du jetzt? Es war schon dunkel, das Museum zu, und beim Pförtner wollte ich den Schatz nicht abgeben.“ Also rafft er alles, was er findet, zusammen – rund 2.000 Goldmünzen. Er füllt sie in einen Plastikeimer. Was da nicht reinpasst, packt er in eine Tüte und fährt nach Hause. Eine Weile betrachtet er den Schatz auf seinem Küchentisch. Nicht eine Sekunde lang habe er aber daran gedacht, das Gold zu behalten. Noch in der Nacht ruft er beim Münzexperten des Rheinischen Landesmuseums an: „Herr Gilles, ich hätte da ein paar Goldmünzen für Sie.“

„Das ist es, was ich ihm positiv anrechnen kann“, sagt ebenjener Karl-Josef Gilles heute. „Andere hätten uns den Fund nie und nimmer in der Vollständigkeit vorgelegt.“ Aber dann wird er streng: „Herr Eixner verharmlost sein Tun. Ich will seinen tollen Fund nicht niedermachen, aber er hätte da überhaupt nicht suchen dürfen.“ Sogar eine Anzeige des Bauunternehmens habe Eixner gedroht. Nur die damalige Museumleitung habe das verhindert.

Gilles beharrt darauf, dass die wissenschaftliche Arbeit noch nicht abgeschlossen gewesen sei. „Am nächsten Tag wären wir höchstwahrscheinlich selber auf den Schatz gestoßen. Der Herr Eixner ist uns zuvorgekommen, bei Nacht und Nebel eingestiegen und auf das Gefäß mit dem Gold gestoßen. Eixner selbst sieht das anders. „Am nächsten Tag wäre Beton in das Loch gekommen, da hätte niemand mehr was gefunden, so sieht’s aus.“

Für die Wissenschaft ist der Schatz von unschätzbarem Wert. „Der Fund enthält ja eine ganze Reihe von Münzen, die weltweit nur ein einziges Mal belegt sind“, sagt Marcus Reuter, seit anderthalb Jahren Direktor des Rheinischen Landesmuseums. Allein der Materialwert des Goldes liege bei circa 640.000 Euro, wobei der Marktwert „sicher mehr als zehnmal so hoch“ sei.

Natürlich ist Eixner das immer bewusst gewesen. „Mir kommt das hier manchmal so vor, als hätte ich denen eine Tüte Hundedreck abgegeben. Dabei wären die ohne meinen Fund ein Provinzmuseum geblieben. Aber es gibt keine Anerkennung.“

Rund 20.000 Mark bekam Eixner damals. Anfangs sei noch von einer Million die Rede gewesen. Zwischen ihm und dem großen Geld standen jedoch Recht und Gesetz. Vereinfacht heißt es, dass „herrenlose“ Schätze von wissenschaftlichem Wert dem Staat zufallen.

Der Archäologe Marcus Reuter sagt dazu: „In der Regel einigen sich Schatzfinder und Staat gütlich. Das heißt: Es ist nicht so klischeehaft, dass der böse Staat dem ehrlichen Finder seinen Schatz abnimmt und der Entdecker leer ausgeht.“ In manchen Fällen bekämen sie den Fund sogar komplett zurück, „weil der Schatz wissenschaftlich nicht so wertvoll ist, dass er in einem Museum für die Nachwelt unbedingt erhalten bleiben sollte“.

In der Schatzsucher-Szene herrscht aber Skepsis. Es heißt, inzwischen würde kam noch jemand von sich aus wertvolle Schätze melden. Auch Reuter beschäftigt die Frage, wie viele antike Funde der Gesellschaft verloren gehen, weil die Entdecker sie über dunkle Kanäle zu Geld machen.

„’Was warst du für’n Idiot? Du hättest reich sein können!‘ Was meinen Sie, wie oft ich mir diesen Satz anhören durfte?“, fragt Eixner und verzieht den Mund. Was also, wenn er noch mal in eine Lage wie damals käme. Er und das Gold. Eixner atmet durch. „Ach, ich wüsste schon, was zu tun ist.“ Dann lächelt er und fragt: „Was würden Sie machen?“

Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

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  1. dyndre53

    Ja ja, der Fluch des Goldes! Ich stelle mir nur vor, was man den in ein paar Jahren, Jahrhunderten noch finden wird von den aus dem Nichts geschaffenen Papier-EUROS und -Dollars und Computergeldzahlen alias "Kontoguthaben". Edelmetalle waren zu jener Zeit wahre Werte, denn sie selbst waren der WERT. Gerade in Form von Münzen-ein Tauschmittel eben. Die eigentliche Funktion eines "echten Geldes". Nicht die eines Falschgeldes wie diesen Papierlappen wo EURO draufsteht, aber nicht mehr "Banknote"! Der innere Wert von Papiergeld sind ca.10Cent Herstellungskosten. In unserem Schneeballsystem von FORDERUNGEN, hier als Schuld, da als Guthaben, ist die einzige WERTerhaltung das VERTRAUEN in dieses Betrugssystem! Die SICHERHEIT sind die Bürger (von "bürgen") und die Steuerzahler. Zweck: Das planmäßige Verschieben der globalen Sachwerte hin zu den Rothschilds und Goldmanns dieser Welt. Die Vasallen in den Regierungen nennen das dann zB. PRIVATISIERUNG von Volksvermögen (Infrastruktur).

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