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Sonntag, 19.11.2017

Der feine Unterschied

Die Eislöwen gewinnen mit 4:2 gegen Schlusslicht Bad Tölz. Trotzdem ist Torwart Marco Eisenhut der Mann des Spiels.

Von Sven Geisler

Drin ist das Ding. Marius Garten überwindet den Tölzer Torwart Andreas Mechl und trifft zum 3:0 für die Eislöwen.
Drin ist das Ding. Marius Garten überwindet den Tölzer Torwart Andreas Mechl und trifft zum 3:0 für die Eislöwen.

© Robert Michael

Es ist nicht unbedingt üblich, dass der Trainer einen Spieler hervorhebt. Bei den Dresdner Eislöwen ist das in dieser Saison jedoch schon ein paar Mal passiert – und meist nannte Franz Steer den Keeper. Marco Eisenhut gebührte auch am Sonntagabend nach dem 4:2 (1:0, 2:1, 1:1) gegen die Löwen aus Bad Tölz ein Extralob, nicht nur, aber vor allem wegen seiner Parade gegen den früheren Dresdner Marcel Rodman in der 30. Minute. „Den hat schon jeder drin gesehen“, meint Steer. „In solchen Schlüsselsituationen unterscheidet sich ein guter Torwart von einem durchschnittlichen. Sonst hätte es kippen können.“

Statt des Anschlusstreffers für die Gäste aus Oberbayern fällt kurz darauf das 3:0 durch Marius Garten, der seinen Treffer danach so schildert: „Nach Alleingang kläglich vergeben, aber irgendwie den Nachschuss doch noch reingewurschtelt.“ Die Dresdner haben diesmal das Schussglück auf ihrer Seite, wobei die Führung zur ersten Drittelpause glücklich ist, denn sie kommen nur schwer ins Spiel. Das hat weniger damit zu tun, dass die 0:4-Niederlage vom Freitagabend in Heilbronn nachwirkt, als vielmehr mit dem Gegner. Der Aufsteiger und Tabellenletzte agiert sehr kompakt und kampfstark.

Mehr stochern als spielen

„Bad Tölz war im ersten Drittel besser“, erkennt deshalb auch Garten an. Aber Eisenhut macht von Anfang an den Unterschied, pariert unter anderem gegen Philipp Schlager zweimal klasse. Die Eislöwen werden nur selten gefährlich, weil sie die Scheibe zu oft verlieren, kaum eine Kombination zum Abschluss bringen. „Wir konnten keinen Druck erzeugen, sind nicht ins Laufen gekommen“, monierte Steer. Das war mehr stochern als spielen. Doch nach dem Schuss von Verteidiger Tomas Schmidt, der von der blauen Linie abzieht, fälscht Alexander Höller zum 1:0 ab (17.).

Nachdem erst Nick Huard auf 2:0 (25.) und dann Garten auf 3:0 (31.) erhöht hatten, schien die Partie gelaufen zu sein. Der Trainer wusste allerdings, dass der Zwischenstand nicht das Kräfteverhältnis ausdrückte. „Tölz hat das wirklich sehr gut gemacht, sehr diszipliniert gespielt.“ Und sich schließlich auch belohnt. Der Treffer durch Chris St. Jacques ließ den Gästen nach zwei Dritteln die Hoffnung, in Dresden zu punkten. „Es ist normal, dass man sich ab und zu ärgert“, meint Eisenhut zu den Nachlässigkeiten im Dresdner Spiel, aber: „Ich bin nicht bekannt dafür, dass ich laut werde und rumschreie. Ich versuche, ruhig zu bleiben“, sagt der 23-Jährige, der vor der Saison aus Ingolstadt zu den Eislöwen gewechselt ist. „Wenn es etwas zu besprechen gibt, machen wir das natürlich. Aber man kann man auch normal miteinander reden.“

Als Shawn Boutin auf der Strafbank sitzt, erzielt Johannes Sedlmayr in Überzahl den Anschlusstreffer für Bad Tölz (50.). Danach haben die Dresdner die Partie aber besser im Griff, versäumen es allerdings, sie zu entschieden. Das gelingt erst, als Gäste-Trainer Rick Boehm seinen Torwart vom Eis nimmt. 17 Sekunden später trifft Matt Siddall von der rechten Bande ins leere Tor (59.). „Tölz war auf Augenhöhe, hatte gute Chancen“, sagt Eisenhut. „Wir wussten, dass es nicht das allerschönste Spiel wird, aber wichtig ist, dass wir vier Tore erzielt und drei Punkte geholt haben.“

Dieser Pflicht- und Arbeitssieg vor 2 031 Zuschauern ist für die Eislöwen so etwas wie eine Befreiung, denn zuvor hatten sie dreimal verloren – bei 2:13 Toren. „Die letzten Spiele waren bitter für uns gelaufen, umso wichtiger ist es, mal wieder gewonnen zu haben“, sagt Garten. Die Gelegenheit, nachzulegen, gibt es gleich am Mittwoch, 17 Uhr. Allerdings kommt mit Ravensburg dann ein anderes Kaliber in die Dresdner Energieverbundarena. „Sie haben einen guten Lauf, eine sehr kompakte Mannschaft“, mahnt Steer – und erinnert an das 2:5 im ersten Duell Mitte Oktober.