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Der etwas andere Garten

Die Freunde des Coswiger Interkulturellen Gartens beenden die Saison mit einem Herbstfest. Es ist offen für alle.

07.10.2017
Von Uta Büttner

 andere Garten
Zufrieden mit dem Ergebnis. Die Ernte im Interkulturellen Garten Coswig ist in diesem Jahr üppig ausgefallen. Die Vereinsmitglieder und Interessenten (v.l.) Johannes Hoppe, Cornelia Obst, Matthias Arnold und die Deutschinderin Jaspal Kauer präsentieren stolz das Gemüse.

© Matthias Schumann

Coswig. Nikolai und Waheed unterhalten sich angeregt. Der eine spricht russisch, der andere urdu – National- sowie Amtssprache in Pakistan. Wie sie sich verstehen, bleibt das Geheimnis der beiden. Dann lachen sie, klatschen sich auf die Schulter. Der Russe sagt: „da, da“, der Pakistani „tike“ – was „ja“ heißt.

Wie sich die Männer da verständigen, weiß auch Cornelia Obst nicht. Aber sie freut sich genau über diese kleinen Begegnungen. Denn das war das Anliegen der Gartenbauingenieurin, als sie 2009 gemeinsam mit Almut Böttcher den Interkulturellen Garten in Coswig gründete. Soziale Kontakte knüpfen, ins Gespräch kommen, fremde Kulturen kennenlernen. Und zwar bei gemeinsamer Arbeit und Begeisterung für die Natur. Der Lohn: sich wohlfühlen und eine reiche Ernte – so wie in diesem Jahr.

Immer mittwochs und samstags jeweils drei Stunden treffen sich auf der Jaspisstraße 42 zahlreiche Einheimische, Aussiedler und Migranten zum gemeinsamen Gärtnern, Schwatzen, Lernen oder auch Kochen. Der Garten ist für jeden offen. „Matthias Arnold kommt immer mal vorbei und kauft etwas“, sagt Cornelia Obst. Andere bringen kostenfrei ihren Grünschnitt her oder informieren sich über in Deutschland eher selten wachsende Pflanzen. So hat der Verein ein Lehrbeet am Eingang des Gartens angelegt. Zu finden ist dort unter anderem das in Südamerika beheimatete Süßkraut oder die Artischocke.

„Wir wollen Menschen zusammenbringen, voneinander lernen“, sagt Obst. So ist die Inderin Jaspal Kauer bereits seit einigen Jahren dabei. „Wir haben schon so viel über das Leben in ihrer Heimat erfahren. Beispielsweise, dass Mädchen angehalten werden, still zu sitzen und nicht zum Spielen rauszugehen und etwa Fahrrad zu fahren. Das habe Jaspal erst in Deutschland gelernt. „Sie fühlt sich wohl bei uns, und wir sind froh, dass sie da ist.“

Manchmal ist aber auch zu wenig Zeit zum Gedankenaustausch. Denn die etwa 4 700 Quadratmeter große Anbaufläche muss bewirtschaftet werden. „Da wird es ganz schön hektisch, vor allem, wenn wir verkaufen“, erzählt Cornelia Obst.

Der Stand muss vorbereitet, das Gemüse frisch geerntet werden. Deshalb gibt es seit Mai immer am letzten Sonnabend im Monat nach getaner Arbeit einen Treff unter dem Nussbaum im Garten. „Hier können wir in Ruhe reden.“ Denn der Garten ist auch Anlaufpunkt bei Sorgen und Problemen – für Deutsche und Migranten, betont die Vereinsvorsitzende. Meist kann jemand einen Tipp geben oder direkt helfen. Und wenn es regnet, können sich die Hobbygärtner zurückziehen – in ihr kleines „Vereinshaus“, einen Unterstand mit ein paar angebauten Seitenwänden, damit der Wind nicht so durchpfeift. Darunter steht ein langer Holztisch, der genug Platz für Bastelnachmittage bietet.

Im Frühjahr hat sich der Verein zwei Bienenvölker mit insgesamt 100 000 Bienen zugelegt. So verkauft er neben Gemüse und Kräutern auch Honig. Zweimal im Jahr wird dieser geschleudert. „Wir hoffen, dass die Bienen über den Winter kommen. Unsere Idee war eigentlich auch, diese Insekten Kindern zu zeigen“, berichtet die Vereinsvorsitzende. Überhaupt wünscht sich der Verein mehr Kinder und Jugendliche in seinem Garten. Ideen zu Kooperationen mit Partnern gibt es, doch die Zeit für die Organisation fehlt. Deshalb freut sich Cornelia Obst über jeden neuen Interessenten. Reichlich 20 Mitglieder zählt der Verein derzeit. Eines der neusten Mitglieder ist eine Rentnerin aus Coswig. Sie sei Gärtnerin mit Leib und Seele, erzählt Cornelia Obst.

Am 21. Oktober ist das jährliche Herbstfest zum Ende der Gartensaison geplant. Dann sitzen Hobbygärtner und Gäste gemeinsam um die Feuerschale. Im Lehmofen wird frischer Kuchen gebacken, im sogenannten Dutch Oven eine leckere Suppe mit Kürbis, Chili-Schoten und Möhren gekocht. Dieser Outdoor-Kochtopf oder Feuertopf aus Gusseisen wird mit glühenden Kohlen beheizt. Zuvor, am 14. Oktober, findet in Kooperation mit dem Partner Initiative Coswig – Ort der Vielfalt ein Begegnungstag im Interkulturellen Garten statt. Natürlich wieder offen für alle.

Und wenn die Gartensaison im März 2019 von Neuem beginnt, hofft Cornelia Obst wieder auf ganz viele Neugierige und vielleicht auch ein paar neue Mitstreiter.