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Freitag, 13.10.2017

Der erste Schneemann der Saison ist da

Der Circus Alexander gastiert am Görlitzer Kidrontal. Er kommt ganz ohne Raubtiere aus.

Von Ingo Kramer

Janine Sperlich und Carlos Alexander vom Circus Alexander treten fast jeden Abend als Elsa, die Eiskönigin und Schneemann Olaf auf. Noch bis nächste Woche Sonntag ist der Zirkus auf dem Festplatz Kidrontal zu erleben.
Janine Sperlich und Carlos Alexander vom Circus Alexander treten fast jeden Abend als Elsa, die Eiskönigin und Schneemann Olaf auf. Noch bis nächste Woche Sonntag ist der Zirkus auf dem Festplatz Kidrontal zu erleben.

© Pawel Sosnowski

Görlitz. Für Superlative ist der Circus Alexander immer gut. „Wir haben Rotschecken, die kleinste Pferderasse der Welt“, sagt Direktor Gino Lauenburger, der unter dem Künstlernamen Gino Alexander auftritt. Er selbst ist mit seinen 29 Jahren nach eigener Aussage der jüngste Zirkusdirektor Europas. Und die zahlreichen Artistik- und Tier-Nummern der insgesamt 27 Darsteller seien in Ostdeutschland allesamt einzigartig, etwa die von Elsa die Eiskönigin und Schneemann Olaf. Wenn Gino Alexander von den Nummern berichtet, könnte er stundenlang reden, berichtet von Stücken, bei denen die Artisten in zehn Meter Höhe in der Luft schweben oder vom fliegenden Pferd Pegasus, das mit Flügeln und viel Glitzer für Aufsehen sorgt, obwohl es nicht wirklich fliegt. „Dieses Pferd lässt Kinderaugen leuchten“, schwärmt der Chef.

In Görlitz spielt der Circus Alexander aus Berlin zum allerersten Mal. Premiere war am gestrigen Donnerstagabend. Bis nächsten Sonntag ist der Zirkus am Kidrontal zu erleben. „Uns gibt es seit fünf Jahren als Circus Alexander“, sagt der Direktor, der mit seinen Brüdern Carlos (24) und Amando (18) schon die siebente Zirkus-Generation in der Familie ist. Gino trainiert Tiere, seit er fünf Jahre alt ist. Aufgewachsen ist er im Zirkus seines Vaters Alexander und seiner Onkel. Der Vater starb vor fünf Jahren, die Onkel touren seither vornehmlich durch Österreich. Gino aber gründete nach dem Tod des Vaters seinen eigenen Zirkus, benannte ihn nach dem Vater, mit dem Untertitel „Ostdeutscher Landescircus“, denn er tourt stets durch Ostdeutschland. Zuletzt war er in Pirna zu Gast, hat dort zwölf Vorstellungen mit insgesamt über 13 000 Besuchern gegeben. In Görlitz hofft Gino Alexander auf ähnliche Resonanz. Die Stadt sei in der Szene dafür bekannt, dass nur zwei Zirkusse pro Jahr zugelassen werden. Das macht es begehrt, hier auftreten zu dürfen. „Andere Städte lassen fünf Zirkusse pro Jahr zu“, sagt er.

Torsten Tschage, Leiter des Amtes für Bau und Liegenschaften, bestätigt die Limitierung. Die Stadt bekomme im Schnitt sechs bis acht Anfragen für Gastspiele im Jahr. In der Regel werde das Kidrontal für zwei Gastspiele bereitgestellt – je eines im ersten und zweiten Halbjahr. Der Platz sei wegen der anliegenden Medien am besten geeignet. „In der Vergangenheit gab es aber auch Gastspiele von kleinen Zirkussen in der Stadt“, sagt der Amtsleiter. Die Kleinen wurden zum Beispiel als Schulprojekt deklariert und hatten ihren Standort auf privaten Flächen, auch bei Kommwohnen. Absagen erteilt die Stadt, wenn die Termine nicht passen, andererseits auch für nicht zuverlässige Zirkusse, erklärt Tschage: „Das betrifft Zirkusse, mit denen wir schlechte Erfahrungen gemacht haben.“ Manche hätten Zahlungsschwierigkeiten, würden zu spät überweisen oder Betriebskostenabrechnungen gar nicht zahlen, bei anderen sei die Sauberkeit und Ordnung beim Verlassen des Platzes nicht gegeben.

Zudem gab es laut Tschage auch in Görlitz schon Kritik von Tierschützern: „Ein Zirkus, der sich bei uns 2014 für ein Gastspiel beworben hatte, wurde aus Gründen des Tierschutzes nicht berücksichtigt.“ Gino Alexander sagt, er habe bisher kaum Probleme mit Tierschützern gehabt. Fast 30 Tiere gehören zum Circus Alexander, darunter Pferde, Esel und Lamas, allerdings keine Raubtiere. „Den Tieren geht es wirklich gut bei uns“, sagt der Direktor: „Sie haben mehr Auslauf als vorgeschrieben und bekommen gutes Futter.“ In jeder Stadt komme das Veterinäramt vorbei, auch in Görlitz war es am Donnerstagvormittag auf dem Platz. Gino Alexander findet das gut: „Dann wissen wir, dass alles richtig ist.“

An sich sei das Zirkusgeschäft aber schwierig geworden, es gebe viele Auflagen, der Zirkus habe zahlreiche Wagen zu unterhalten und zu bewegen, die Spritpreise seien hoch, die Konkurrenz groß. „In Deutschland gibt es über 200 Zirkusse“, so der Direktor. Hinzu komme, dass die Saison nur acht Monate gehe – plus drei Wochen Weihnachtszirkus, diesmal in Naumburg. Da muss genug Geld erwirtschaftet werden, um über den Winter zu kommen. Doch noch können die Zirkusleute davon leben. Vor allem aber macht es ihnen Spaß, als Elsa die Eiskönigin und Schneemann Olaf die Kinder zu begeistern oder mit den acht kleinen Pferden, die nur 65 bis 73 Zentimeter messen, das Publikum zu unterhalten. Donnerstags klappt das besonders gut: Da haben alle Kinder freien Eintritt.

Termine in Görlitz: Montag, Donnerstag und Freitag, jeweils 17 Uhr, Sonnabend, 14 und 17 Uhr, diese Woche Sonntag, 14 Uhr, nächste Woche Sonntag, 11 Uhr (letzte Show in Görlitz), Dienstag und Mittwoch sind Ruhetage.