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Samstag, 20.02.2016

Der erste Grippe-Tote im Landkreis

Die Grippewelle hat den Landkreis erreicht. Die gefährlichen Viren kommen aus Australien bis zu uns.

Eine tropfende Nase wie bei dieser Frau ist eines der Symptome der Krankheit. Sie kann allerdings sehr schwer verlaufen und auch tödlich enden.
Eine tropfende Nase wie bei dieser Frau ist eines der Symptome der Krankheit. Sie kann allerdings sehr schwer verlaufen und auch tödlich enden.

© dpa

Pirna. Die Grippewelle hat nun auch im Landkreis die ersten drastischen Folgen. „Wir haben einen Todesfall festzustellen“, sagt Ute Paul, Referatsleiterin Hygiene und Sozialmedizinischer Dienst im Landratsamt. Dabei soll es sich um eine Person mittleren Alters handeln. Wohnort und Geschlecht wurden von dem Gesundheitsamt nicht bekannt gegeben.

Schon vor einer Woche sind eine 44-jährige Frau und ein 58-jähriger Mann aus Ostsachsen an einer typischen Grippe-Komplikation gestorben – an Lungenentzündung. „Bei allen in Sachsen verstorbenen Patienten handelt es sich um Menschen mit schweren Vorerkrankungen“, sagt Paul. „Daher sollten diese Patienten regelmäßig geimpft werden.“

Insgesamt wurden dem Gesundheitsamt des Landkreises in dieser Grippesaison 55 bestätigte Influenza-Fälle gemeldet. Allein in den ersten beiden Februarwochen erkrankten 26 Menschen. „Wir verzeichnen also einen sehr deutlichen Anstieg in der letzten Zeit“, sagt Ute Paul. Die Zahl der Influenza-Erkrankten sei allerdings stets um ein Vielfaches höher, weil bei Weitem nicht alle Erkrankten mikrobiologisch untersucht werden.

Auch im Helios-Klinikum Pirna ist die Virusgrippe ein Thema. „Die Anzahl der Patienten, die in der aktuellen Saison wegen einer Grippeerkrankung bei uns stationär behandelt wurden, bewegt sich noch im einstelligen Bereich“, so Sprecherin Kristin Wollbrandt. Es sei sogar etwas weniger als 2014/2015. „Es handelte sich vor einem Jahr und auch in dieser Saison vorrangig um Influenza-A-Erkrankungen“, erklärt die Sprecherin.

Das Gesundheitszentrum Raupennest Altenberg registriert hingegen einen für diese Jahreszeit leicht erhöhten Krankenstand. Seit Ende Januar plagten sich insgesamt 28 Patienten mit Erkältungskrankheiten herum, auch zehn Mitarbeiter meldeten sich deshalb krank, sagt Anke Gundel vom Raupennest. Die Tendenz sei aber wieder rückläufig.

Von Entwarnung kann aber noch keine Rede sein. Deswegen werden in Kliniken und Einrichtungen auch Mitarbeiter nochmals ausdrücklich von Hygienespezialisten auf den Umgang mit Desinfektionsmitteln und so weiter hingewiesen. Auf Händeschütteln werde auch möglichst verzichtet, heißt es.

Impfen aktuell kaum noch sinnvoll

Im Klinikum Pirna stammten nach Angaben von Kristin Wollbrandt die behandelten Patienten aus allen Altersgruppen. Die Gesundheitsämter verzeichnen aber insgesamt, dass Grippeinfektionen in diesem Jahr auch auffallend bei vielen jungen Menschen zwischen 25 und 44 Jahren ohne Vorerkrankung schwer verlaufen.

Eine Variante der H1N1-Viren sei unterwegs. Dies werde in Deutschland, aber auch in weiteren europäischen Ländern beobachtet, sagt Medizinerin Paul. „Wir in unserer Region stellen entsprechend langdauernde, sehr unangenehme Verläufe mit vielen Begleitsymptomen und bakteriellen Zusatzinfektionen fest“, sagt sie.

In Europa zirkulieren nach Angaben des Gesundheitsamtes hauptsächlich Influenza-B-Viren des Victoria-Stamms, der in diesem Jahr besonders auf der Südhalbkugel, unter anderem in Australien, aktiv war, so die Medizinerin. „Die Globalisierung macht nicht am Äquator halt.“ Diese Influenza-B-Victoria-Linie sei nicht in dem in Deutschland am häufigsten verwendeten 3-fach-Influenza-Impfstoff enthalten, aber in dem 4-fach-Impfstoff des Gesundheitsamts des Landkreises. Bisher haben sich in der Saison etwa 380 Menschen im Gesundheitsamt impfen lassen.

Der Umgang mit Grippeimpfungen ist sehr unterschiedlich, wie Apotheker Axel Sonntag beobachtet. Er ist einer der Notdienstverantwortlichen im Landkreis. Während mancherorts die Menschen sehr gut durchgeimpft seien – „das ist noch alte Schule“ – sei das anderswo nicht so ausgeprägt. Jüngere Ärzte würden diese Impfung weniger anbieten, so Sonntag. Das Angebot an Impfstoffen sei derzeit noch völlig ausreichend. Die Jahreszeit, in der eine Impfung am sinnvollsten wäre, ist allerdings schon vorbei. Das sollte vor Beginn des Winters und der damit verbundenen Grippesaison geschehen. (SZ/sca/ks/fh/wei)