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Mittwoch, 16.03.2011

Der Dresdner stellt seine Habe gern zur Schau

Seit neun Jahren verwaltet Michael Dutz Vermögen ostdeutscher Kunden. Der Gründer der Adlatus AG kennt also die Eigenheiten beim Umgang mit Geld.

Von Lars Radau

Das alte Sprichwort, sagt Michael Dutz und lächelt fein, hat zumindest einen wahren Kern. „In Chemnitz wird Kapital erarbeitet, in Leipzig gehandelt – und in Dresden verprasst.“ Der 44-jährige Manager weiß, wovon er spricht: Als Gründer und Vorstand der Vermögensverwaltung Adlatus AG beschäftigt sich der Diplom-Kaufmann seit etlichen Jahren mit den Vermögensverhältnissen ostdeutscher Kunden.

Und tatsächlich, sagt Dutz, stellten etwa erfolgreiche Dresdner ihren Reichtum mitunter weitaus offensiver zur Schau als vergleichbare Klienten in Chemnitz oder Zwickau. „Mitunter werden aber auch Statussymbole vorgeführt, bei denen man gar nicht genauer hinter die Leasing-Raten oder die Finanzierung schauen möchte“, ergänzt sein Vorstands-Kollege Sören Weigelt. Einen Moment später schauen sich Dutz und Weigelt fast ein wenig erschrocken an – Diskretion und Zurückhaltung gehören eigentlich zu den Grundtugenden ihres Geschäfts.

Doch immerhin dürften die flapsigen Bemerkungen empirisch gut unterfüttert sein: Bevor Dutz zusammen mit seinem Partner Stephan Geupel 2002 Adlatus gründete, war er – wie auch die meisten anderen der insgesamt 20 Mitarbeiter der Vermögensverwaltung – lange für verschiedene Großbanken tätig. „Dort ging es vor allem und fast ausschließlich um Vertrieb“, sagt Michael Dutz. Die zweite Hälfte des Satzes muss sich der Gesprächspartner dazudenken: Kunden bekamen deshalb oft Produkte vermittelt, die nicht zwingend zu ihnen passten – aber gute Provision versprachen. Adlatus, nach eigenen Angaben „größte unabhängige Vermögensverwaltung in den neuen Bundesländern“, verfolgt einen anderen Ansatz. Das Unternehmen versteht sich als „Begleiter und Berater“ – im Idealfall lebenslang. Deswegen bezahlen die reichlich 1500 Kunden jährlich feste Gebühren für die Betreuung, bei Bedarf ergänzt um eine erfolgsabhängige Komponente. Adlatus, sagt Dutz, verwaltet aktuell mehr als 300 Millionen Euro Kundenvermögen – und das soll nach Möglichkeit nicht schrumpfen.

Westler erbt, Ostler schuftet

„Unser Kerngeschäft ist extrem konservativ“, sagt Michael Dutz, „das oberste Gebot lautet, die Vermögen unserer Mandanten zu erhalten.“ Denn die seien, anders als in Westdeutschland, in der Regel hart erarbeitet – und nicht mitunter schon über Generationen vererbt. „Diese Entwicklung wird zwar in Ostdeutschland auch noch kommen“, sagt Sören Weigelt. Aber aktuell prägten noch immer vor allem erfolgreiche Selbstständige und Unternehmer, die aus einer guten Idee florierende Firmen aufbauten, die Szene.

Dass der Vermögensaufbau in den neuen Bundesländern in der Regel erst seit rund 20 Jahren läuft, spiegele sich zudem in den Durchschnittswerten wieder. Im Schnitt, sagt Michael Dutz, verfüge der Ostdeutsche über ein Barvermögen von rund 30 000 Euro. Rechne man Immobilienbesitz hinzu, seien es rund 70 000 Euro. Für Westdeutschland könne man diese Werte „locker verdoppeln“. Aber auch in der Spitze seien die Verhältnisse noch sehr unterschiedlich: „Es gibt natürlich auch etliche Millionäre in Ostdeutschland“, sagt Dutz. Doch weder deren absolute Zahl noch die Höhe der Vermögen oder die Dichte sehr wohlhabender Menschen seien „in Dresden oder Zwickau mit Hamburg oder München auch nur entfernt vergleichbar.“ Das sei auf der anderen Seite für Adlatus wiederum ein Vorteil: Kleine Privatbanken oder Abteilungen großer Banken, die sich auf diese Klientel spezialisiert haben, seien deshalb in Ostdeutschland gar nicht erst zu finden oder hätten ihr Geschäft bald wieder aufgegeben.

Kunden fordern Analyse

Denn das, sagt Michael Dutz, gestalte sich im Osten oft auch inhaltlich wesentlich anspruchsvoller: „Der ostdeutsche Anleger hat einen hohen Erklärungsbedarf und einen hohen Erklärungsanspruch“, hat der selbst im thüringischen Saalfeld geborene Vermögensverwalter festgestellt. Flapsig gesagt reiche es nicht, mit hohen Renditen zu wedeln. Gefragt sei eher die „tiefgründige Analyse und Erläuterung“ aller Chancen und Risiken.

Dass sich Rendite und gründliche Analyse indes mitnichten ausschließen, belegt Adlatus am eigenen Beispiel: Seit mehreren Jahren nimmt die Firma am „Depot-Contest“ des Nachrichtensenders n-tv und des Wirtschaftsmagazins Focus Money teil. Vermögensverwaltungen und Anlageberater messen sich hier untereinander mit dem Erfolg ihrer Musterdepots am Kapitalmarkt. 2010 hatte Portfolio-Manager Sören Weigelt auf Werte gesetzt, die sich mit strategischen Rohstoffen, den so genannten seltenen Erden befassen – und den Wettbewerb mit großem Abstand gewonnen. Auch in der diesjährigen Runde, sagt Weigelt, spiele das Adlatus-Depot vorne mit. Die generelle Prognose für die wirtschaftliche Entwicklung, betont Michael Dutz, falle bei Adlatus aber weniger spektakulär und spekulativ aus: „Wir rechnen mit einer deutlichen Erholung am Aktien- und Immobilienmarkt.“