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Montag, 12.06.2017

Der Dino-Doktor vom Saurierpark

Jeden früh um sechs taucht Tom Glöß in die Urzeit ab. Das braucht Geschick. Und manchmal auch Nerven.

Von Jana Ulbrich

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Einsatz am Wackelzahn: Tom Glöß ist im Saurierpark Kleinwelka der Mann für alles: Jeden Morgen heißt es kontrollieren, reparieren, reinigen und ausprobieren, ob auch wirklich die Kacke dampft. Foto: SZ/Uwe Soeder
Einsatz am Wackelzahn: Tom Glöß ist im Saurierpark Kleinwelka der Mann für alles: Jeden Morgen heißt es kontrollieren, reparieren, reinigen und ausprobieren, ob auch wirklich die Kacke dampft. Foto: SZ/Uwe Soeder

© uwe soeder

  • Einsatz am Wackelzahn: Tom Glöß ist im Saurierpark Kleinwelka der Mann für alles: Jeden Morgen heißt es kontrollieren, reparieren, reinigen und ausprobieren, ob auch wirklich die Kacke dampft. Foto: SZ/Uwe Soeder
    Einsatz am Wackelzahn: Tom Glöß ist im Saurierpark Kleinwelka der Mann für alles: Jeden Morgen heißt es kontrollieren, reparieren, reinigen und ausprobieren, ob auch wirklich die Kacke dampft. Foto: SZ/Uwe Soeder
  • Echte Dino-Experten können den Park bei einer spannenden Wissensrallye erkunden. Die Unterlagen dafür gibt es kostenlos im Internet oder an der Kasse. Die richtigen Antworten gibt es im Anschluss von den Mitarbeitern. Foto: Saurierpark
    Echte Dino-Experten können den Park bei einer spannenden Wissensrallye erkunden. Die Unterlagen dafür gibt es kostenlos im Internet oder an der Kasse. Die richtigen Antworten gibt es im Anschluss von den Mitarbeitern. Foto: Saurierpark
  • Garantiert unvergesslich ist eine Geburtstagsparty im Saurierpark, bei der erfahrene Freizeitpädagogen für Spannung, Spaß und Abenteuer sorgen. Viele altersgerechte Angebote können direkt auf der Homepage gebucht werden. Foto: SZ/Uwe Soeder
    Garantiert unvergesslich ist eine Geburtstagsparty im Saurierpark, bei der erfahrene Freizeitpädagogen für Spannung, Spaß und Abenteuer sorgen. Viele altersgerechte Angebote können direkt auf der Homepage gebucht werden. Foto: SZ/Uwe Soeder
  • Gleich neben dem Saurierpark lädt der Irrgarten Kleinwelka zum Wettlauf durchs riesige Hecken-Labyrinth. Wer schafft es ohne Hilfe zur Riesenrutsche am Ziel? Das ist nicht weniger spannend, kostet aber gesondert Eintritt. Foto: SZ/Uwe Soeder
    Gleich neben dem Saurierpark lädt der Irrgarten Kleinwelka zum Wettlauf durchs riesige Hecken-Labyrinth. Wer schafft es ohne Hilfe zur Riesenrutsche am Ziel? Das ist nicht weniger spannend, kostet aber gesondert Eintritt. Foto: SZ/Uwe Soeder

Schon wieder ein Zahn locker! Tom Glöß holt die Zange aus der Hosentasche und seufzt. Immer wieder dasselbe: lockere Zähne, abgegriffene Haut, abgebrochene Krallen. Einem der kleinen Raubsaurier aus dem Jura fehlte vor Kurzem sogar ein Vorderbein. „Der größte Feind des Sauriers ist eine allzu forsche Kinderhand“, sagt Glöß und schmunzelt. „Kinder wollen nun mal alles ganz genau erkunden.“ Das sollen sie hier ja auch. Anfassen ist erlaubt im Saurierpark Kleinwelka, wo es keine Absperrungen gibt und die Urzeit buchstäblich hautnah zu erleben ist.

Für das, was den Kinderhänden nicht standhält, ist dann Tom Glöß zuständig. Die Kollegen nennen ihn hier alle den „Dino-Doktor“. Man ahnt, was der Mann zu tun hat bei den mehr als 200 lebensechten Urzeitviechern, die hier alle wieder auferstanden sind. Fürs Reparieren hat Tom Glöß allerdings erst am Vormittag Zeit. Jetzt, kurz nach sechs in der Frühe, muss er sehen, dass er um die Runden kommt.

Zu viert sind die Saurierpark-Mitarbeiter an diesem Morgen, und gerade mal drei Stunden Zeit bleiben ihnen, um das ganze 16 Hektar große Gelände auf Vordermann zu bringen, ehe Punkt neun der Besucheransturm beginnt. Bis dahin muss hier alles picobello sauber sein. Jedes Spiel- und Klettergerät muss kontrolliert, jede Wasserdüse ausprobiert, jeder Bewegungsmelder freigelegt werden. Der Freizeitpark vor den Toren Bautzens ist heute längst nicht mehr nur Dino-Gucken. Hier ist mittlerweile so viel Spannung und Abenteuer, Beschäftigung und Bewegung, dass ein einziger Tag gar nicht mehr ausreicht, um alles sehen und ausprobieren zu können.

Tom Glöß braucht jetzt aber erst einmal eine halbe Stunde für die Ausgrabungsstätte. Und Kraft! Man glaubt ja nicht, wie tief Kinder buddeln können, um das Saurierskelett freizulegen. Metertiefe Löcher haben sie gestern wieder in den Sand gegraben! Tom Glöß muss die jetzt alle wieder zuschaufeln und die Fläche so ebnen, als hätte es hier noch nie Ausgrabungen gegeben. Und er muss auch gleich noch einen halben Eimer Saurierzähne vergraben. Die können die nächsten kleinen Archäologen dann tagsüber wieder ausbuddeln. Wer einen findet, darf ihn behalten. Um die 150 Saurierzähne werden jeden Tag gefunden und dann als stolze Trophäe um Kinderhälse getragen.

Tom Glöß steht der Schweiß auf der Stirn. Nach der Ausgrabungsstätte ist der Kletterurwald dran, eine gewaltige Netzkletteranlage überm Teich, durch die sich nur die Schwindelfreien wagen. Glöß und seine Kollegen müssen auch schwindelfrei sein. Jeden Morgen müssen sie einmal durch und kontrollieren, ob alle Aufhängungen und Scharniere festsitzen. Die Netzkletteranlage ist ein Ort für die Mutigen. „Hier oben ist schon manche große Klappe ganz kleinlaut geworden“, weiß Tom Glöß und schaukelt sich locker und geübt über die Hängebrücke. Er macht das ja jeden Tag. Aber erst die „Vergessene Welt“! „Die muss man erlebt haben“, schwärmt der 59-Jährige. „So etwas gibt es nicht noch einmal in Deutschland“, ist er sich sicher. Und er ist es, der sich jetzt darum kümmern muss, dass das Erlebnis auch richtig funktioniert. Wer sich in die Sperrzone der verlassenen Forscherstation traut, traut nämlich seinen Sinnen nicht mehr.

Ist das hier wirklich Jurassic Park in echt? Hat es jetzt nicht gerade in den Büschen hier geraschelt? Und da vorne, da läuft doch ein Saurier! Gut versteckte Bewegungsmelder sorgen dafür, dass unter den Füßen die Erde bebt, der Urvogel auffliegt und die Eier im Gelege noch warm sind. Nur Tom Glöß kann die Technik entdecken. Jeden Morgen prüft er, ob auch alles funktionieren kann. Heute wechselt er die Geruchspatrone im großen Dinokackhaufen. Der soll ja stinken, als hätte ihn ein Saurier gerade frisch hinterlassen. Die Leute werden sich die Nase zuhalten. Tom Glöß ist richtig begeistert von all dem hier. „Ich hab wirklich den schönsten Arbeitsplatz der Welt“, sagt der 59-Jährige. Und gerade freut er sich so diebisch wie ein kleiner Junge, dass der Haufen mit der neuen Patrone nun wieder herrlich stinkt. Der Rest ist jetzt aber Betriebsgeheimnis.

Zum Mittelpunkt der Erde

Und es ist schon kurz nach acht. Tom Glöß muss sich beeilen. Fast im Laufschritt geht es zu den Wasserspielen in der Raumfahrerstation. Nach jedem heißen Sommertag sieht es hier aus, als hätte der galaktische Nebel Kieselsteine gespuckt. „Was Kinder an einem Tag so alles fertigbringen“, stöhnt Glöß und beginnt alle Düsen und die ganze galaktische Fläche von den Steinchen zu befreien. Dann probiert er alle Wasserspiele vorsichtshalber noch mal aus. Funktioniert wieder perfekt. Noch schnell einmal durchs Wurmloch und in die Raumstation: Leuchten alle Lämpchen, Lichter und Laser? Und fährt die Kapsel auch wirklich auf Knopfdruck zum Mittelpunkt der Erde?

Kurz vor neun können sich Tom Glöß und seine drei Kollegen vom Parkpflege-Team wieder auf die Schultern klopfen: Alles geschafft. Der Ansturm kann beginnen. Und Tom Glöß hat jetzt Zeit für den Wackelzahn. Er wird ihn am besten gleich mit einem Metallstift einsetzen. Das hält länger. Der große Stegosaurus braucht auch eine Nachbesserung. Allzu forsche Kinderhände versuchen immer wieder, sich an den großen Rückenschuppen hinaufzuziehen. Da leidet die Haut! Aber wie streicht man einen, der schon Millionen Jahre tot ist, und von dem keiner so genau weiß, wie er wirklich aussah? Tom Glöß hat sich entschieden und ein mattes Taubengraublau gemischt. „So“, sagt der Dino-Doktor und pinselt los.