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Der deutsch-tschechische Anteil

Die Eislöwen ehren erst Petr Sikora und besiegen dann Kaufbeuren – auch dank seiner Nachfolger.

18.09.2017
Von Maik Schwert

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ch-tschechische Anteil
Petr Sikora und Tochter Natalie lächeln in die Kamera. Im Hintergrund hängt das Trikot mit der 22 unterm Dach.

© Matthias Rietschel

Der Mann des Abends stand bereits vor dem ersten Bully fest: Petr Sikora. Die Dresdner Eislöwen ehrten den Angreifer, der von 2001 bis 2006 sowie zwischen 2007 und 2009 bei ihnen spielte. Er fuhr mit Tochter Natalie und Sohn Petr in einem alten, offenen Skoda in die Arena. Vor dem Duell gegen den ESV Kaufbeuren, bei dem der Stürmer von 2009 bis 2011 unter Vertrag stand, zogen die Dresdner sein Dress mit der Nummer 22 unter das Hallendach.

„Ich bin immer noch ein bisschen aufgeregt“, sagte er und scherzte: „Vielleicht habe ich zu wenig Bier getrunken.“ In dem Jersey mit der Schnapszahl lief der Publikumsliebling beinahe 400--mal für die Eislöwen auf und punktete gut 400-mal für sie. Er ist immer noch ihr Topscorer sowie nach René Kraske und Sami Kaartinen der dritte Profi, den die Dresdner auf diese Art würdigten. Sie vergeben sein Trikot seit dieser Saison nicht mehr. Das gab es im Fanshop als T-Shirt für die Anhänger – und Sikora in der zweiten Drittelpause Autogramme für viele der 2 408 Fans. Sie feierten ihn noch einmal mit Sprechchören und einem Transparent: „Du gehst – wir zollen Dir Respekt.“ Da musste er sich einige Tränen aus den Augen wischen. „In Dresden habe ich sieben wunderbare Jahre verbracht, mich sehr wohl und wie zu Hause gefühlt“, sagte der 46-Jährige. 2005 und 2008 stieg er mit den Eislöwen aus der Ober- in die 2. Bundesliga auf. 2006 führte Sikora sie da sogar bis ins Halbfinale. 2008 vertrat er die Eislöwen beim DEL-All-Star-Game in ihrer Arena. In seiner letzten Dresdner Saison absolvierte der gebürtige Tscheche den Einbürgerungstest und bekam die deutsche Staatsbürgerschaft.

Derzeit stehen drei Deutsch-Tschechen bei den Eislöwen unter Vertrag: Petr Macholda spielt seit 2013 für sie. Tomas Schmidt, der jetzt zugunsten von Sikora auf die 22 verzichtet, folgte 2015. Martin Davidek greift seit 2016 für die Dresdner an. Er war ihr Pechvogel beim mit 1:3 verlorenen Saisonauftakt am Freitagabend bei den Kassel Huskies, bei denen Sikora von 2011 bis 2013 unter Vertrag stand. Davidek verletzte sich im ersten Drittel am linken Fuß. Der Arzt diagnostizierte am Sonnabend eine Überdehnung der Bänder. Davidek fehlte am Sonntag. Er kehrt wohl Mitte dieser Woche ins Training zurück.

Dafür stand Dominik Grafenthin nach seinem Infekt wieder im Kader und steuerte ein Tor zum 4:2-Erfolg gegen Kaufbeuren bei. „Ich freue mich natürlich über den Sieg“, sagte Eislöwen-Trainer Franz Steer. „Spielerisch war es aber keine Glanzleistung.“ Seine Schützlinge brachten das Forechecking nicht so aufs Eis, wie sie sich das vorgenommen hatten. „Unser Goalie Marco Eisenhut hat wieder eine hervorragende Partie gezeigt.“ Auch das Über- und Unterzahlspiel funktioniert immer besser. Die Dresdner erzielten zwei Treffer im Powerplay und kassierten kein Tor mit einem Mann weniger auf dem Eis.

Dort steht Sikora auch nach seinem Karriereende als Spieler 2016 in Memmingen. Jetzt ist er Nachwuchstrainer beim tschechischen Erstligisten HC Ocelari Trinec: „Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen macht mir Spaß.“ Sikora liebt das typische tschechische Eishockey und lehrt es. Er lässt Kombinationen spielen und vermittelt das Passspiel. Sein Arbeitsort liegt 22 Kilometer von seiner Heimatstadt entfernt. Von Dresden aus sind es zwar 475 Kilometer, aber dennoch war die Strecke deutlich kürzer als bei seinen anderen deutschen Vereinen. Diese Nähe gefällt auch seinen Nachfolgern bei den Eislöwen. Deren Trainer schätzt an ihnen ihre Routine. Macholda ist mit 35 Jahren der älteste und mit seiner fünften Saison in Dresden auch der dienstälteste Eislöwen-Profi. „Spieler wie er reden nicht bloß. Sie tun auch etwas für uns“, sagte Steer, und so ist Macholda auf dem besten Weg zum Publikumsliebling – wie sein Vorgänger Sikora.