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Freitag, 25.01.2013

Der Blonde schlägt zurück

Jahrzehntelang machten sich seine Kollegen über Heino lustig. Jetzt nimmt er sich selbst die Rockelite vor.

Von Henry Berndt

Das Letzte, Dreck, Schunkel-Opa – der Rockerkrieg mit Heino wird mit harten Worten geführt. Zumindest in der Bild-Zeitung. Zitiert wird allerdings keiner der vermeintlich wütenden Musikerkollegen. Aber besser ein inszenierter Streit, als gar keiner. Nur so kann Heino mit 74 Jahren noch mal zum bösen Buben umfunktioniert werden, nach fast 50 Jahren im Showgeschäft und 50 Millionen verkauften Tonträgern. Heinos schlagkräftige Antwort gibt die „Bild“ gleich mit dazu: „Ich lasse mir von niemandem das Singen verbieten. Jahrelang hat man mit meiner Person Schabernack getrieben – jetzt zeige ich den Leuten mal, was man aus ihren Liedern machen kann.“

Der blonde Barde bringt ein wahrhaft skandalöses Album namens „Mit freundlichen Grüßen“ heraus, auf dem er ohne Gnade deutsche Rock- und Pop-Bands covert – darunter die Ärzte und Rammstein. Am Ringfinger der rechten Hand trägt Heino jetzt einen schwarzen Totenkopfring. Ein gelbes Banner auf dem CD-Titel nimmt schon mal vorweg: „Das verbotene Album“.

Auf Nachfrage bestätigt das Heino-Management, dass es bereits mehrere erboste Anrufe von Künstlern bei der Plattenfirma gegeben habe. Namen? Fehlanzeige. Es steht zu vermuten, dass die meisten Rockstars dann doch genügend Humor haben, um die Heino-Versionen ihrer Hits akzeptieren zu können – oder zumindest ignorieren.

Zu kaufen gibt es die Platte ab dem 1. Februar. Bislang ist erst einer der zwölf Songs im Internet zu hören: „Junge“ von den Ärzten klingt, mal abgesehen von Heinos typisch rhythmischem Gesang, gar nicht so ultravolkstümlich, wie man denken könnte. Lustig hört sich das schon irgendwie an, ja, aber überraschend wenig peinlich. Das Kultpotenzial kann man der Version jedenfalls nicht absprechen.

Die Titelliste des Albums verspricht noch mehr Höhepunkte: „Haus am See“ von Peter Fox etwa, „MfG“ von den Fantastischen Vier und „Sonne“ von Rammstein. Es ist ein Projekt, „das Tradition und Zeitgeist vereint“, wie es in der Ankündigung heißt.

Eine Genehmigung für die gewagten Coverversionen holte sich Heino bei den Künstlern übrigens tatsächlich nicht, wie sein Management gestern bestätigte. „Er möchte sich natürlich auch einen Spaß erlauben“, sagte Heino-Manager Jan Mewes. „Er möchte den Kollegen, die ihn jahrelang (...) veräppelt haben, einfach auch mal einen Spiegel vorhalten.“ Allerdings sei das Album keinesfalls nur als Witz, sondern auch als Hommage an die deutsche Rock- und Pop-Musik zu verstehen.

Vor rechtlichen Konsequenzen fürchtet sich das Management offenbar nicht. Solange man Songs nicht verändere, dürfe jeder Lieder nachsingen, weiß man da. Nur dazu passende Musikvideos dürften ohne Genehmigung nicht veröffentlicht werden. Und da die ausgewählten Lieder sowieso nicht mehr verbessert werden könnten, habe Heino sie einfach so gelassen, wie sie sind. „Die Treue zu den ursprünglichen Arrangements ist auch ein Indiz für die Wertschätzung, die Heino den Songs gegenüber verspürt“, heißt es. Da freut man sich doch schon auf das Rammstein-Cover. Vielleicht kann Heino ja Till Lindemanns rollendem ‚r’ die Krrrone aufsetzen?

Die Band distanzierte sich gestern von jeglichem „Rockerkrieg“. Auf ihrer Homepage heißt es: „Rammstein hat sich hierzu nicht geäußert. Die im Text genannten Zitate, die der Band in den Mund gelegt werden, spiegeln ausdrücklich nicht das Meinungsbild von Rammstein wider.“ Ähnliches ließen die Ärzte aus Berlin über ihre Plattenfirma Action Records verlauten. Soviel zum Thema „Wut-Beben“. (mit dpa)

Das Album „Mit freundlichen Grüßen“ erscheint am 1. Februar bei Sony Music.

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