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Samstag, 20.02.2016

Der Beschützer Dresdner Denkmale

Hermann Krüger ist tot. Jahrzehntelang setzte er sich mit vielen Bürgern nicht nur für Blasewitz und die Elbhänge ein.

Von Prof. Gerhard Glaser

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Hermann Krüger, Dresdner Stadtkonservator von 1990 bis 2000.
Hermann Krüger, Dresdner Stadtkonservator von 1990 bis 2000.

© Manfred Lauffer

Ein großer Bewahrer Dresdens lebt nicht mehr. Eine beachtliche Trauergemeinde nahm am 10. Februar in der Loschwitzer Kirche Abschied von Dr.-Ing. Hermann Krüger, Dresdner Stadtkonservator von 1990 bis 2000. Nach den ersten freien Kommunalwahlen im Mai 1990 vierundfünfzigjährig in dieses Amt berufen, widmete er sich ihm mit all seiner Kraft und vieljährigen praktischen Erfahrungen als Architekt.

War die Kulturlandschaft Dresden angesichts der katastrophalen wirtschaftlichen Situation am Ende der DDR höchst gefährdet, drohte ihr nach 1990 eine Gefahr ganz anderer Art durch hemmungslose Versuche neuer Landnahme, verbunden mit maximaler Überbauung. Der Charakter von Blasewitz schien auf verlorenem Posten, die Elbhänge sahen einer gänzlichen Versteinerung entgegen. In engem Kontakt mit dem Landesamt für Denkmalpflege hielt Krüger aber mithilfe des, laut Einigungsvertrag, zunächst noch gültigen Denkmalpflegegesetzes der DDR eisern dagegen und hatte es dabei mit seinen Kollegen nicht leicht.

Auf seine Initiative hin erklärte der Stadtrat bald nach Verabschiedung des sächsischen Denkmalschutzgesetzes am 3. März 1993 diese und andere charakteristische Stadtbereiche zu Denkmalschutzgebieten. In diesem Sinne wurde zum Beispiel auch die schrittweise Sanierung der in Dresden gestalterisch besonders qualitätsvollen Siedlungen des sozialen Wohnungsbaus nicht nur als soziale, sondern auch als kulturelle Aufgabe angesehen. Krüger war sich von Anfang an bewusst, dass ein Amt nur dann bestmögliche Wirkung erzielen kann, wenn es sich dabei auf breite Kreise der Bürgerschaft stützt.

Zielgerichtet baute der Stadtkonservator ein ganzes Netzwerk ehrenamtlicher Denkmalpfleger auf, die es nicht nur in der praktischen Arbeit mit den Denkmaleigentümern unterstützten, sondern wesentlich mithalfen, die Denkmale zu popularisieren, wie beispielsweise anfangs die Dorfkerne im Stadtgebiet. Später gediehen diese Schriften zu einer stattlichen Reihe. Erinnert sei nur an die „Verlorenen Kirchen“ oder die „Dresdner Rathäuser“.

Von 1969 bis 1989 arbeitete Hermann Krüger als freier Architekt und Museumsgestalter im Verband Bildender Künstler. Die Festung Königstein und die Albrechtsburg Meißen oder die Lichtenburg in Prettin seien hier besonders genannt, wo er den museologischen Anspruch auf bemerkenswerte Weise mit den Strukturen des Denkmals in Übereinstimmung brachte.

Mit der Umnutzung der ehemaligen Klosterkirche St. Katharinen in Stralsund für das Meeresmuseum durch die Einfügung eines reversiblen Stahlstabwerkes 1972 bis 1974 war er weithin bekannt geworden. Er hatte 1969 zum Thema der Nutzung von Baudenkmalen als Museum promoviert und bereits unmittelbar nach Abschluss des Architekturstudiums an der Technischen Universität Dresden 1961 gemeinsam mit Gerhard Glaser den Wiederaufbau des Albertinums als Gemäldegalerie Neue Meister projektiert und geleitet, als er in der Bauabteilung für kulturhistorische Bauten Dresden (Zwingerbauhütte) tätig war. Am 20. Oktober 1965 wurde die Galerie eröffnet. Auf das Feld des Museumsbaus und der Denkmalpflege waren die beiden jungen Architekturstudenten durch eine von Hans Nadler veranlasste Entwurfsübungsaufgabe zur Nutzung des politisch sehr gefährdeten Dresdner Schlosses als Museumszentrum gelangt, die im August 1960 an der Hochschule verteidigt worden war und 1961/62 schließlich zur Grundlage entsprechender Beschlüsse wurde.

Spektakuläre, höchst gefährliche Sicherungsarbeiten in den Schlossruinen, zu denen Hermann Krüger Freiwillige gewann, sind allen Beteiligten unvergessen. Er starb am 1. Februar 2016 im Alter von 80 Jahren.

Der Gastautor ist Architekt und Denkmalpfleger. Von 1993 bis 2002 war er sächsischer Landeskonservator.

Leser-Kommentare

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  1. Berg

    Es ist gut zu erfahren, dass es bereits seit Jahrzehnten, und zwar schon zu DDR-Zeiten, energische Anstrengungen zur Erhaltung des Loschwitzhanges gab. Und damit wurden die Bewahrung und eine behutsame Entwicklung dieses Gebietes erreicht. Auch vor diesem Hintergrund war die Beantragung eines UNESCO-Schutz-Titels schlicht überflüssig. Wie hat denn der Antrag und dann der Titel den Loschwitzhang beeinflusst? Gar nicht! Es ist besser, dass wir Dresdner selber unsere Wohnquartiere bewahren und entwickeln.

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