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Donnerstag, 11.09.2014

Der bärenstarke August bekommt neue Partner

Bibliotheken, Hotels und das Stadion helfen Kindern im Notfall. Das passiert mehrmals im Jahr.

Von Juliane Richter

Egal ob Kind oder Teenager, im Pullman-Hotel bekommen sie alle Hilfe. Cassidy (Mitte) und Lilli (re.) zeigen das Symbol, das den Weg weist. Vizedirektor Ulrich Prasser (li.) hat sich mit dem Hotel gezielt beim „Bärenstarken August“ beworben.
Egal ob Kind oder Teenager, im Pullman-Hotel bekommen sie alle Hilfe. Cassidy (Mitte) und Lilli (re.) zeigen das Symbol, das den Weg weist. Vizedirektor Ulrich Prasser (li.) hat sich mit dem Hotel gezielt beim „Bärenstarken August“ beworben.

© André Wirsig

Morgens queren Kinder die Prager Straße auf dem Weg zur Schule, nachmittags schlendern die Größeren beim Shoppen umher. Werden Jungen oder Mädchen von Unbekannten bedrängt, verletzen sich oder geraten in eine andere Notsituation, bekommen sie im Pullman-Hotel Hilfe. Seit gestern ist es Partner des Kinderschutzprojektes „Bärenstarker August“. Ein dreieckiger Aufkleber an der Tür signalisiert den Kindern, dass sie hier ohne Scheu eintreten können.

Damit gehört das Hotel zu rund 130 Einrichtungen in der Stadt, die sich an der Aktion beteiligen. Mit dabei sind auch Apotheken, die städtischen Bibliotheken, ein Autohaus und das Stadion. Auch das Nachwuchsleistungszentrum von Dynamo Dresden im Ostragehege trägt seit vergangener Woche den Aufkleber. Verantwortlich für das Projekt ist Annett Grundmann. Als Vorsitzende des Kreiselternrates ist sie mit den Problemen und Bedürfnissen der Kinder bestens vertraut. Dass der „Bärenstarke August“ notwendig ist, zeigt die Bilanz: Allein im vergangenen Jahr gab es sieben Fälle, bei denen Kinder einen der gekennzeichneten Orte aufgesucht haben. Dabei waren Schüler mehrmals mit Schulkameraden aneinandergeraten und hatten Schutz gesucht, weil sie sich bedrängt fühlten. Andere Kinder hatten wiederum ihr Handy vergessen und wollten ihre Eltern anrufen. „Vor längerer Zeit hatten wir auch schon einmal den Fall, dass Eltern ihr Kind aus der Wohnung geworfen hatten. Das kam in eine unserer Anlaufstellen, die dann die Polizei verständigt hat“, sagt Grundmann.

Partner werden genau geprüft

Nicht jeder Interessent wird zum Projektpartner. So muss die Einrichtung zum Beispiel garantieren, dass die Mitarbeiter ein Führungszeugnis oder eine Selbstauskunft vorgelegt haben. Gibt es diese nicht, bürgt der Geschäftsführer für die Mitarbeiter. „Uns ist außerdem wichtig, dass die Räume hell und freundlich sind, damit die Kinder sich sicher fühlen“, sagt Grundmann. Das Pullman-Hotel hat den Vorteil, dass die Rezeption rund um die Uhr besetzt ist. Der stellvertretende Direktor Ulrich Prasser hat das Haus schon vor Längerem bei dem Projekt angemeldet. „Wir hatten schon einmal den Fall, dass plötzlich ein weinendes Kind in der Lobby stand, das hingefallen war. Dem haben wir natürlich gern mit einem Pflaster ausgeholfen“, sagt er.

Aufgeschürfte Knie und Ellenbogen gibt es auch in den städtischen Bibliotheken immer wieder. Etwa alle drei Wochen versorgen die Mitarbeiter Kinder mit Pflastern, sagt Annett Grundmann.

Eltern sorgen sich vor allem aber, wenn Kinder von Unbekannten angesprochen oder gar belästigt werden. Wie etwa Anfang des Jahres, als ein Mann in Löbtau Kindern den Mund zugehalten hatte. Wie oft es zu solchen Vorfällen kommt, erfasst die Dresdner Polizei nach Aussage eines Sprechers nicht. Sie bewertet den „Bärenstarken August“ als positives Projekt, das deshalb vor allem der Prävention dient. Unabhängig davon, ob eine Anlaufstelle in der Nähe ist oder nicht, rät die Polizei, dass Kinder lautstark auf ihre Notsituation aufmerksam machen und somit Erwachsene in der näheren Umgebung zu Hilfe rufen.

Auch wenn es jedes Jahr nur mehrere Einzelfälle gibt, rechtfertige das laut Annett Grundmann bereits das Projekt, das vor knapp sechs Jahren entstanden ist. Sie freut sich darüber, dass weitere Einrichtungen mitmachen wollen. Weil Grundmann die Initiative ehrenamtlich leitet und nur einen weiteren Helfer hat, dauert es mitunter mehrere Monate, bis Kooperationen geschlossen sind. Ein geringeres Angebot herrscht derzeit noch im Dresdner Osten, insbesondere im Raum Leuben und Kleinzschachwitz. Die Zusammenarbeit mit einem anderen Verein soll hier helfen, weitere Angebote zu schaffen. Und auch der Dresdner SC hat sich bereit erklärt mitzumachen. Der Verein will das Logo gern an seiner Trainingshalle an der Magdeburger Straße anbringen.

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