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Montag, 14.10.2013

Der Arbeitskampf hat begonnen

Die Mitarbeiter von Autoliv demonstrieren gegen die Schließung ihres Betriebes. Die Unternehmensleitung will an ihrem Kurs festhalten.

Von Eric Mittmann

Mit Fahnen, Schildern und Trillerpfeifen ziehen die Mitarbeiter von Autoliv durch Döbeln und demonstrieren gegen die geplante Schließung des Werks. Bei ihrem Protest werden die Döbelner auch von Mitarbeitern des Autoliv-Werkes Braunschweig, des Stahlwerkes Schkeuditz sowie des Karosseriewerkes und der Automobilmanufaktur Dresden unterstützt.
Mit Fahnen, Schildern und Trillerpfeifen ziehen die Mitarbeiter von Autoliv durch Döbeln und demonstrieren gegen die geplante Schließung des Werks. Bei ihrem Protest werden die Döbelner auch von Mitarbeitern des Autoliv-Werkes Braunschweig, des Stahlwerkes Schkeuditz sowie des Karosseriewerkes und der Automobilmanufaktur Dresden unterstützt.

© André Braun

Zusammen mit ihren Kollegen ist Gabi Voigtländer am Sonnabend um das Autoliv-Werk in Döbeln gezogen. Der Marsch war Teil eines Aktionstages für den Erhalt ihres Arbeitsplatzes. „Wenn sie den Betrieb schließen, muss ich mir eine neue Arbeit suchen. Aber man findet hier ja nicht so einfach etwas“, so die Mitarbeiterin. Seit nunmehr 19 Jahren ist sie bereits bei Autoliv in Döbeln tätig. „Nächstes Jahr im März werden es 20 Jahre.“

Trotz trüben Wetters hatte sich ein Großteil der Belegschaft bereits um 10 Uhr vor ihrem langjährigen Arbeitsplatz an der Eichbergstraße eingefunden, um dort zusammen mit Vertretern der IG Metall gegen die Schließung des Betriebes und die Entlassung der Arbeitskräfte zu demonstrieren. „Es ist vollkommen inakzeptabel, dass ein Konzern einen Standort schließt, obwohl er keine roten Zahlen schreibt. Es geht hierbei nur darum, noch mehr Profit zu machen“, erklärt Willi Eisele von der IG Metall.

Nachdem am 21. August offiziell die schrittweise Schließung des Autoliv-Standortes in Döbeln verkündet wurde, hatte sich die IG Metall im September eingeschaltet und um Verhandlungen mit der Geschäftsleitung bemüht. Zu einem ersten Treffen kam es am 9. Oktober. „Dabei wurde uns verkündet, dass die Leitung des Unternehmens an ihrem eingeschlagenen Kurs festhalten will. Die weiteren Verhandlungen werden am 16. Oktober beginnen“, verkündete Eisele während einer kurzen Ansprache. Neben ihm sprachen auch Oberbürgermeister Hans-Joachim Egerer (CDU) und Vize-Landrat Manfred Graetz (CDU) ihre Solidarität für den Betrieb aus. Beide lobten den Einsatz der Arbeitnehmer sowie die qualitative Arbeit des Unternehmens.

Gleichzeitig waren auch Vertreter des Autoliv-Werkes in Braunschweig, des Stahlwerkes Schkeuditz sowie des Karosseriewerkes und der Automobilmanufaktur Dresden nach Döbeln gekommen, um den Demonstrierenden ihre Anteilnahme und Unterstützung zu verkünden. Auch am Autoliv-Standort in Braunschweig ist man sich des Kurses der Konzernleitung bewusst und bereitet sich allmählich auf schlechte Neuigkeiten vor.

Bei den bevorstehenden Treffen zwischen der IG Metall und der Geschäftsleitung soll es vor allem um Sozialtarifvertragsverhandlungen gehen. Parallel dazu soll eine Task-Force (Krisenstab) der IG Metall die Umsatzzahlen des Standortes Döbeln prüfen und Verhandlungen über neue Produktionsmöglichkeiten in Gang setzen. Willi Eisele verkündete den Anwesenden, dass die IG Metall bis zum Schluss für den Erhalt des Autoliv-Werkes kämpfen werde. „Ich sehe es auch als problematisch an, dass die Konzernleitung von Autoliv die Immobilie einfach so verkaufen kann. Man kann ja nicht einfach in der Zeitung schreiben, dass die Leute da auf einen warten“, fügte Oberbürgermeister Egerer später während des Protestzuges hinzu.

Seit Juli 1991 existiert der Autoliv-Standort bereits in Döbeln. Seitdem wurden in dem Betrieb Schlossstrammer, Höhenversteller, Schlösser und Gurte für Automobil-Hersteller wie BMW oder Mercedes Benz hergestellt. Anzeichen für die Schließung des Betriebes waren laut Betriebsratsvorsitzenden Manfred Zabel bereits vor dem 21. August dieses Jahres zu erkennen. „Konkretisiert wurde jedoch lange Zeit nichts“, so Zabel.

Infolge der Krise im Jahr 2009 und verschiedener Aktualisierungsmaßnahmen war der Betrieb schon zuvor von rund 500 Mann auf 250 Mitarbeiter verschlankt worden. Nun will die Konzernleitung den Standort vollständig schließen und die Produktion schrittweise nach Rumänien sowie den Autoliv-Hauptsitz in Schweden verlagern. Bis dahin will Willi Eisele alles versuchen, um die Arbeitskräfte und ihren Standort zu bewahren. „Arbeitskampf kann auch Spaß machen. Vor allem mit Leuten, die so einen langen Atem haben“, betonte er am Ende der Demonstration.