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„Der absolut richtige Schritt“

Tony Schmidt kam erst kurz vor der Saison nach Bautzen. Seine Karriere, die ihn auch zu Dynamo führte, begann in Laubegast.

28.09.2017

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So kennen und lieben ihn die Bautzener Fans: Tony Schmidt stürmt in Richtung Tor. Der 29 Jahre alte Neuzugang erzielte bereits drei Tore für die Budissen.

© Torsten Zettl

Fußball-Regionalliga. Man kann ihn ohne Einschränkung als Volltreffer bezeichnen. In acht Regionalligapartien hat Tony Schmidt drei Tore erzielt. Der 1,74 m große Mittelfeldmotor markierte den Siegtreffer beim 1:0-Heimsieg über Chemie Leipzig und beide Tore zu Hause gegen Germania Halberstadt (2:2). Der gelernte Automobilkaufmann bringt die Erfahrung von 57 Drittligaspielen für Dynamo Dresden und den Halleschen FC sowie insgesamt 112 Regionalligapartien (23 Tore) mit. Vor der Heimpartie am Samstag gegen den Berliner AK sowie dem Gastspiel bei der Bundesliga-Reserve von Hertha BSC (3.10.) nahm sich der gebürtige Dresdner, der noch einen älteren Bruder und zwei jüngere Schwestern hat, Zeit für ein ausführliches Interview.

Herr Schmidt, Budissa hat elf Punkte nach acht Partien auf dem Konto. Zufrieden?

Schon, auch wenn es zwei Punkte mehr sein könnten. Aber die Spiele, die wir gewinnen sollten, haben wir auch gezogen. Cottbus war eine andere Liga, hinter das 0:5 beim BFC machen wir lieber einen Haken. Wichtig ist, dass wir uns sagen können, wirklich alles gegeben zu haben. Wenn es dann nicht reicht, weil der Gegner einfach stärker ist, erkennen wir das an.

Es macht den Eindruck, dass Sie schnell heimisch bei Budissa geworden sind. Ist dem so?

Ja, absolut. Natürlich kannte ich auch einige Jungs. Mit Martin Kolan habe ich schon in Dresden auf dem Bolzplatz gekickt, mit Martin Hoßmang beim VFC Plauen und mit Sepp Kunze bei Dynamo. Das hat die Sache natürlich einfacher gemacht, zumal ich ja meine ganze Familie jetzt wieder viel öfter sehe.

Stimmt es, dass Ihre Mutter die Hoga-Schulen gegründet hat?

Ja, 1991 zusammen mit einer anderen Diplom-Pädagogin. Heute sind diese Privatschulen eine etablierte Größe auf dem regionalen und nationalen Bildungsmarkt mit über 1 400 Schülern, aufgeteilt auf vier Schulhäuser.

Könnte es sein, dass Sie wie Ihr Bruder eines Tages ins Unternehmen einsteigen?

Mein Bruder ist Leiter der Marketing Abteilung und in der Bildungsberatung aktiv. Ich habe eine kaufmännische Ausbildung in der Tasche, aber geplant ist nichts Konkretes. Man wird sehen, was die Zukunft bringt.

Zurück zum Fußball und Hand aufs Herz. Mussten Sie nach der desaströsen Saison der Budissen länger überlegen?

Natürlich habe ich mitbekommen, dass es nicht lief. Wichtig war aber, wie die neue Mannschaft zusammengestellt wird. Bei Budissa spielen viele Jungs, die in Cottbus oder bei Dynamo ausgebildet wurden. Natürlich sind die meisten sehr jung, aber das bekommen wir hin. Sie sammeln Erfahrung und die wird uns helfen, den Klassenerhalt zu schaffen. Von etwas anderem brauchen wir nicht zu sprechen. Ich denke aber, dass keine Mannschaft gern gegen uns spielt.

Welche Rolle spielte Torsten Gütschow bei Ihrer Entscheidungsfindung?

Ich kannte ihn nicht als Trainer, sondern nur als Dynamo-Legende. Er war ein torgefährlicher Stürmer und lässt daher etwas offensiver spielen. Das kommt meinem Spiel entgegen. Ansonsten kann man viel von ihm lernen. Es ist schon bemerkenswert, wie er die Bälle im Training immer noch im Tor versenkt.

Sie kamen aus Koblenz. Warum Budissa und warum so spät?

Ich hatte zwei sehr schöne Jahre bei der TuS, kam mit Trainer Patrick Sander wirklich gut aus. Meine Freundin wollte nach Koblenz ziehen, auch beruflich hätte das gepasst. Aber dann zog sich die Vertragsverlängerung hin. Außerdem wollte ich im Nachwuchsbereich als Übungsleiter anfangen, da ich im Vorjahr meinen Trainer-B-Schein extra gemacht habe. Bei Budissa hat alles gepasst und jetzt sind wir wieder in Dresden und ich kann weiter in der Regionalliga spielen. Ein perfektes Paket. Der absolut richtige Schritt.

Wo haben Sie mit dem Fußball begonnen?

In Dresden-Laubegast, mit sechs Jahren. Trainer Bernd Fröhlich hat mich dann mit 17 Jahren schon in den Männerkader hochgenommen. Damals übrigens zusammen mit Stefan Kutschke und Torhüter Axel Mittag. Und dann wurde Dynamo auf mich aufmerksam.

Wer hat Sie zu Dynamo geholt?

Ich hatte in der Winterpause Anfang 2008 ein Probetraining unter Eduard Geyer, der mich dann im Sommer holen wollte. Das hat auch geklappt, wobei Ralf Minge bei Dynamo die treibende Kraft war. Als ich dann kam, war „Ede“ Geyer weg und der Holländer Ruud Kaiser der Trainer. Aber das hat auch gepasst.

Warum sind Sie dann zwei Jahre später aus Dresden weg?

Ich hatte mir das Schienbein gebrochen und musste ein halbes Jahr pausieren. Dynamo war aber sehr fair zu mir und hat mir eine Vertragsverlängerung angeboten. Aber ich wollte etwas Neues machen und Meuselwitz hat mich unter Vertrag genommen, obwohl ich noch verletzt war.

Die letzte Frage bringt Sie vielleicht zum Schmunzeln: Stimmt es, dass Sie früher bei Dynamo mit Halil Savran verwechselt wurden?

Ja. Man hat auch Halil verwechselt und ihn mit Tony angesprochen. Uns war das zunächst nicht so bewusst, aber irgendwann hatten wir einen ähnlich kurzen Haarschnitt und vom Seitenprofil sahen wir uns tatsächlich recht ähnlich.

Gespräch: Jürgen Schwarz